Sicher, so plumpe Parteilichkeit und offene Stimmungmache wie in vielen Printmedien war bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nur selten auszumachen, aber haben sie nicht auch kräftig mitgemalt an diesem apokalyptischen Szenario eines Landes auf dem schnurgeraden Weg in den Abgrund?
"Hier lesen Sie die Trailer zum Untergang der deutschen TITANIC" beschrieb FAZ-Herausgeber Schirrmacher eine Zusammenstellung von Fernsehtiteln, die die FAZ im vorigen Jahr veröffentlichte. "Macht dieses Steuersystem Deutschland kaputt?";\r\n"Und dann gehen die Lichter aus – Städte vor der Pleite?" "Deutschland bankrott- Euro in Gefahr?" "Kein Kurs. Nirgends. Die Berliner Politik ohne Konzept." "Sozialfall Deutschland – vom Ende einer Wirtschaftsmacht." - das ist nur eine winzige Auswahl aus der über 50 Titel umfassenden FAZ-Liste des Grauens, alles öffentlich-rechtlich. Wer ein solches Bild dieses Landes entwirft, muss auch aushalten, wenn man ihm mal den Spiegel vorhält.
Und will man ernsthaft bestreiten, dass seit Monaten eine geschlossene Front von BILD und der übrigen Springer Presse, von STERN und FOCUS bis hin zum SPIEGEL unermüdlich dabei war, Rot-Grün in den Keller zu schreiben und Angela Merkel zu verklären? Gabor Steingart, Bürochef des Blattes, hat voll im Trend dazu auch das passende Buch verfasst: "Deutschland – der Abstieg eines Superstars", eine Rezeptsammlung aus der Zeitgeistküche. Gefordert wird der schlanke Staat. Vorbilder sind die USA und Großbritannien. Oliver Gehrs, ehemaliger Wirtschaftskorrespondent des SPIEGEL, hat in seinem Buch "Der Spiegel-Komplex. Wie Stefan Aust das Blatt für sich wendete, die wundersame Wandlung des Magazins eingehend dargestellt. Steingarts Rolle dabei? "Steingart hat geholfen, das einst so stolze "Sturmgeschütz der Demokratie" umzurüsten zur Spritzpistole der Angela Merkel", bilanziert Tom Schimmeck bissig in der taz. Und zitiert einen nachdenklichen Satz von Steingarts Vorgänger Leinemann: "Die journalistische Freiheit wird in der Bundesrepublik heute viel weniger durch obrigkeitsstaatliche Pressionen bedroht als durch die weiche Knechtschaft einer eitlen Selbstverliebtheit."
Frank A. Meyer, ein Schweizer Journalist, hatte schon in der Juliausgabe von CICERO unter dem Titel "Journalisten. Gleichgeschaltet" eine schonungslose Abrechnung mit der eigenen Zunft vorgelegt. Auch im SPIEGEL, einst "Hoch- und Trutzburg journalistischer Tugenden" erkennt er – etwa in einem Stoiber-Interview – bitter den Verzicht "auf alle kritische Distanz." Das Magazin "schmeißt sich dem Interviewten an den Hals, bekennt sich gleich zur gemeinsamen Sache – ein Gespräch unter Kumpanen." Doch er hat die Hoffnung: " Die deutsche Demokratie überlebt sowohl den Opportunismus wie die Machtanmaßung ihrer Medien". Die Wählerinnen und Wähler haben ihn bestätigt.



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