Euro-Vision 2010 - Das ESC-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Sechs Richtige!

von Martin Schmidtner - 24.02.2010
Gestern heiß es wieder: wer vertritt uns beim Eurovision Song Contest in Oslo? Sechs Kandidaten und Kandidaten sind noch übrig in Stefan Raabs ESC-Casting-Show.

Ok, ok – da haben wir uns mal weit aus dem Fenster gelehnt und sind baden gegangen mit unserer Einschätzung im gestrigen Blog: Cyril Krueger ist gestern Abend bei der vierten Ausgabe von Unser Star für Oslo (USFO) vom Publikum abgewählt worden. Schade, schade – noch immer sind seine Interpretationen des Eagles- und des Robbie Williams-Songs für uns verdammt gut gewesen – aber gestern hat er sich leider mit Bono von U2 das falsche Ziel gesteckt und konnte im Teilnehmerfeld der letzten 8 Kandidatinnen und Kandidaten damit nicht punkten.

  
Nicht mehr dabei: Cyril Krueger und Katrin Walter | © USFO/Pro Sieben

Ebenfalls rausgewählt haben die Zuschauer Katrin Walter, die sympathische Verkäuferin aus Köln – auch sie hatte kein gutes Händchen bei Sara Bareilles’ Love Song. Eine „Arschbombe hinlegen“ wollte sie und „die Bühne rocken“ – das hat sie nicht geschafft. Gute Stimme, aber im Vergleich zu den anderen dann doch ein Defizit in der Ausstrahlung.

Sollte es im engen Teilnehmerfeld, aus dem man mittlerweile eigentlich niemanden mehr wegschicken möchte ( - da nach dem ESC-Reglement bis zu sechs Sängerinnen und Sänger gemeinsam auf der Bühne stehen dürfen, könnte ja eigentlich sofort auch eine Band gebildet werden - ), eventuell doch an den Startnummern liegen – in den beiden letzten Sendungen waren es jeweils die Startnummern 1 und 3, die die Show verlassen mussten?!

Leon Taylor, mit Startnummer 8, hatte da gute Karten. Der gebürtige Brite musste den eher verhaltenen Eindruck der Vorwoche wettmachen, hat Stefan Raabs Ratschlag beherzigt und textlich ins Englische gewechselt: Lenny Kravitz hat er sich ausgesucht: Are You Gonna Go My Way.

| © USFO/Pro Sieben

Rock statt Schmusebären-Musik war sein Motto. Nicht schlecht gemacht – wenn er nun noch an seinen Bewegungen und der Gestik arbeitet, die leider beim Kravitz-Song teilweise identisch mit denen bei seiner Silbermond-Interpretation waren, kann  er auch weiter im Rennen bleiben.

Kerstin Freking steigert sich von Woche zu Woche. Gestern trat sie mit Alanis Morissettes Thank You an und begeisterte Jury und Publikum. Auch sie können wir uns problemlos in Oslo vorstellen.


Große Freude bei Kerstin | © USFO/Pro Sieben
 

Jennifer Braun hatten wir als Wackelkandidatin eingestuft. Die jüngste Teilnehmerin suchte sich Avril Lavigne aus: I’m With You – und tatsächlich schaffte sie es, mit dabei zu bleiben und erntete trotz anfänglicher Nervosität höchstes Lob von der Jury. Diese Nervosität, die sie gestern zeigte, müsste sie allerdings überwinden – schon zu oft haben wir in den vergangenen Jahren gute Sängerinnen und Sänger auf der riesigen ESC-Bühne versagen gehört.

| © USFO/Pro Sieben

 

Bleiben unsere drei neuen Spitzenreiter: Natürlich Sharyhan Osman, die diesmal nichts selbstgeschriebenes präsentierte, sondern eine Swing-Nummer: Is You Is Or Is You Ain´t My Baby von Renee Olstead. Der Jury hatte es nicht so gefallen wie die Auftritte zuvor. Tatsächlich ist es keine Nummer, die wir in der kommenden Woche immer wieder vor uns hinsummen werden wie ihr I Feel The Nile , aber sie bewies doch, dass sie musikalisch vielseitig ist und keine Scheu vor der Show hat!

 

Vor Lena Meyer-Landrut müssen wir auch ein klein wenig Abbitte leisten – musikalisch hat sie zwar von Anfang an überzeugt, aber in der vergangenen Woche wirkte ihr Auftritt doch etwas zu artifiziell. Ganz anders gestern Abend: sie hatte sich diesmal erstmalig eine bekannte Nummer ausgesucht: Foundations von Kate Nash – aber wie sie diese dann sang, nein besser: interpretierte, war absolute Spitzenklasse! Da machte es auch gar nix, dass manche Töne in den Höhen etwas flach ankamen: ihr Auftritt hat mitgerissen und auch sie wollen wir nun gerne noch öfters sehen.


Bühnentalent mit perfektem Englisch: Lena Meyer-Landrup | © USFO/Pro Sieben
 

Last but not least: der „Dursti aus Altenlotheim“, den wir an dieser Stelle gerne zu unserem derzeitigen Favoriten erklären möchten. Another Night sang er – dass es sich dabei um einen eigenen Song handelte (der erst zwei Tage vor der Sendung ganz fertig gestellt war), hatten wir in der Anmoderation überhört, dachten uns daher, dass es eben irgendeine uns unbekannte Rockballade sei.


Mann mit eigenem Stil: Christian "Dursti" Durstewitz | © USFO/Pro Sieben

Und auch wenn der Stil nicht wirklich unsere Musik war, hingen wir gebannt an Christan Durstewitz’ Lippen, um im Laufe der Darbietung ganz zu vergessen, dass hier eine Casting-Show lief. Großartig! Der Mann hat einfach Charisma und sein allergrößter Trumpf im sehr guten Finalistenfeld ist seine Authentizität. Die erste Hälfte des Liedes hat er allein mit Gitarre bestritten, bevor die Heavytones mit in die Begleitung einstimmten.  „Wenn Du mir als unehelicher Sohn von Lenny Kravitz und Jimi Hendrix endrix   vorgestellt worden wärst, hätte ich das 1:1 geglaubt“ kommentierte sinngemäß Chefjuror Stefan Raab.

 

Bleibt an dieser Stelle nur noch ein Wort zur Jury: Cassandra Steen und Sasha waren diesmal Stefan Raabs Gäste – und ihnen gebührt  ein extra Lob. Keine Selbstdarstellung wie bei Nena und Westernhagen, kein Alles-Ist-Gut-Einheitsbrei diesmal, sondern echte und gut pointierte, und dabei trotzdem immer noch wohlwollende und motivierende Kritik. Den beiden ist es gelungen, aus der gestrigen Sendung die erste rundum gelungene Sendung ohne Längen und Langeweile zu machen – gerne wieder!


Kompetenz statt Schnickschnack: Stefan Raab, Cassandra Steen und Sasha | © USFO/Pro Sieben

 

Bereits nächste Woche werden es zwei Shows pro Woche sein – am Dienstag und am Freitag; der Freitag läuft dann schon als Viertelfinale bei der ARD.

Und wiederum eine Woche später steht der Sieger oder die Siegerin fest.

 

Das NDR-Videoblog hat uns inzwischen Einzelheiten zur Auswahl des Songs (immerhin ist der ESC ja offiziell nach wie vor ein „Song“-Contest!) mitgeteilt. Jochen Schuster, Label-Chef Pop bei Universal, erläuterte das Procedere. Aus mehr als 5000 Song-Einsendungen wählt ein Team der Plattenfirma die drei Songs, die dann am übernächsten Freitag im Finale von USFO dem Publikum zur Abstimmung vorgeschlagen werden.
Ob es sich um einen deutschen oder englischen Text, um eine Ballade oder um eine Uptempo-Nummer handeln wird, stünde bislang noch nicht fest.

Fest dagegen steht schon der straffe Zeitplan für den zukünftiger Star für Oslo – bereits in der Nacht nach dem Finale werde das Video zum Song gedreht. Immerhin muss ja wenige Tage nach dem Finale der fertige Titel bei der EBU (European Broadcasting Union) eingereicht werden. Anschließend folge ein dichtes Bündel an Promotion-Maßnahmen.

Wie es weitergeht: nächsten Dienstag um 20:15 h dürfen wir wieder abstimmen!


6 Richtige + Stefan Raab | © USFO/Pro Sieben

 

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