Zur Diskussion am Wochenende Schuldenbremse muss kommen!

von Andreas Helsper - 09.02.2009
In der Diskussion um das Konjunkturpaket II wurde auch über eine so genannte Schuldenbremse diskutiert, und auf diese hat sich die Föderalismusreform II in der letzten Woche grundsätzlich geeinigt.

Zuerst: Die Länder dürfen ab 2020 im Regelfall keine neuen Kredite mehr aufnehmen, der Bund darf ab 2016 noch Kredite in Höhe von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufnehmen. Eine genaue und endgültige Vereinbarung steht aber noch aus.

Geplant ist außerdem, dass die finanzschwachen Länder Bremen, Saarland, Schleswig-Holstein, Berlin und Sachsen-Anhalt von 2011 bis 2019 rund 800 Millionen Euro erhalten, um die strukturelle Neuverschuldung abzubauen.

Ich halte die Schuldenbremse für unbedingt notwendig.Der aktuelle Schuldenstand liegt bei 1523 Mrd. Euro (23.01.09), das sind ungefähr 18.568 Euro pro Kopf. Im Bndeshaushalt werden rund 40 Mrd. Euro nur für Zinsen aufgewendet. Dieses Geld fehlt für soziale Infrastruktur, Bildung, Forschung oder das Gesundheitswesen.

Andrea Nahles und Björn Böhning kündigten am Wochenende in mehrere Interviews Widerstand an. Es sei nicht akzeptabel, wenn per Grundgesetz die Handlungsspielräume künftiger Generationen derart einschränkt werden. Planen Nahles und Böhning etwa, den Schuldenberg einfach weiter zu vergrößern und diesen dann den künftigeren Generationen zu überlassen?

Es wird argumentiert, dass der Staat bei Marktversagen weiterhin einspringen muss. Das stimmt, aber mit dieser Begründung verschulden wir uns seit über 30 Jahren. Das Konjunkturpaket im Moment ist zwar richtig, aber wir können unseren Wohlstand nicht dauerhaft auf Kosten der künftigen Generationen bauen. Nicht spricht dagegen, dass sich der Staat für solche Fälle Rücklagen bildet.

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den Staat organisieren wollen. Wir geben zu viel für Verwaltung aus, es gibt zu viele Bundesländer und auch einige Städte, beispielsweise Wuppertal, Solingen und Remscheid (also meine Heimat), könnten bei der Zusammenlegung von Verwaltungsteilen einiges an Geld sparen. Zudem muss über die Abgabenquote nachgedacht werden, denn beispielsweise die skandinavischen Länder liegen dort deutlich höher.

Dies bedeutet aber, dass es hier ein Zukunftsmodell und eine Vision entstehen müssen. Dies ist nicht leicht, eine Schuldenpolitik ist deutlich leichter. Dieser Herausforderung müssen sich aber auch Nahles und Böhning stellen, denn ein Weitermachen ist unverantwortlich.

Umfrage: Brauchen wir eine Schuldenbremse?

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Ja zur Schuldenbremse

Ich bin auch für die Einführung einer Schuldenbremse. In wirtschaftlich guten Zeiten sollte die Neuverschuldung auf nahezu Null festgeschrieben werden. Unsere Generation hat die Verantwortung den nachfolgenden Generationen keine großen Lasten aufzubürgen.

Allerdings muss der Staat in Krisensituationen finanziellen Spielraum haben, d.h. er muss in diesem Fall Schulden machen dürfen. Deshalb sollte für diesen Fall ausnahmsweise eine Neuverschuldung möglich sein.

Für den Fall der Neuverschuldung sollte es eine Pflicht zu einem Tilgungsplan geben, denn die Zinszahlungen machen schon heute einen guten Teil der Haushalte aus, und dieses Geld könnte sinnvoll woanders eingesetzt werden. Die Haushaltskonsolidierung und der Schuldenabbau haben also Priorität.

Grüße Markus Herrmann

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Warum ich gegen eine grundgesetzliche Schuldenbremse bin

Es klingt alles so leicht und einfach: Wir stellen uns eine komplett statische Welt(wirtschafts-)ordnung vor und bauen den Staat und seine Ausgaben auf dieser Vorstellung auf. So - oder so ähnlich - verhält es sich mit der Schuldenbremse. Der Staat bekommt seinen Dispo gestrichen und darf (zumindest in den Ländern) demnächst keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Es gibt weniger Zinsbelastungen und die Schuldenuhr rattert auch nicht mehr. Es gibt nur ein Problem: Leider ist die Welt nicht statisch, sondern höchst dynamisch.

Genau dies erleben wir derzeit. Die hochspekulativen Finanzmärkte sind zusammengebrochen und haben eine Rezession ungeahnten Ausmaßes ausgelöst. Der (flexible) Staat reagiert - richtigerweise - mit Ausgaben in die Infrastruktur, um Arbeitsplätze zu sichern. Mit einer Schuldenbremse wäre dies kaum möglich. Viel mehr müsste im ärgsten Falle der Staat sogar noch in die Rezession hineinsparen, sprich: Keine neuen Bildungsausgaben, sondern sparen, sparen, sparen.

Nun bin ich nicht gegen das Sparen, sondern ich setze mich in Berlin sogar sehr für die Haushaltskonsolidierung ein. Das ist aber eine politische Prioritätensetzung, die Partei macht - und nicht in die Verfassung schreibt.

Häufig wird entgegengehalten: Jede/r darf nur soviel ausgeben, wie er oder sie im Geldbeutel hat. Das muss auch für den Staat gelten. Auch dies ist absurd: Denken wir uns eine individuelle Schuldenbremse für alle, sprich Nullkredit für jedermann. Kein Auto, kein Flachbildfernseher via Rate, kein Haus würden mehr gekauft, weil die Menschen keinen Kredit mehr aufnehmen dürfen. Die Wirtschaft würde sofort zusammenbrechen.

Generationenungerecht ist das jetzige Vorhaben auch: Es wird heute eines der größten kreditfinanzierten Konjunkturprogramme aufgelegt, ein Finanzmarktstabilisierungsfonds in Milliardenhöhe eingesetzt, den kommende Generationen abbauen dürfen. Gleichzeitig soll ihnen die Möglichkeit der Kreditfinanzierung z.B. von Schulen, Kitas oder Krankenhäusern genommen werden. Das ist nicht generationengerecht, sondern raubt unseren Kindern jegliche politische Spielräume.

Wer heute für die beabsichtige Schuldenbremse votiert, darf sich morgen nicht über marode Kitas oder Schulen beschweren. Oder er muss massive Steuererhöhungen fordern, um Defizite zu vermeiden und doch investieren zu können. Es gibt wenig politische Kräfte, die sich das trauen.

Zudem bleibt es richtig wie ökonomisch banal: Die Schulden von heute können das Wachstum von morgen und die Haushaltskonsolidierung von übermorgen sein.

Ich bin für eine atmende Haushaltspolitik: Investieren in der Krise, Sparen im Aufschwung wie in den letzten Jahren. Eine Schuldenbremse, die dies leistet ist richtig. Eine technokratische, statische Schuldenbremse, die Investitionen bremst, ist falsch.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,606389,00.html

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