Alles Daumendrücken half nichts, die Hertha verlor ihr vorentscheidendes Spiel gegen den 1. FC Nürnberg und wird den Absturz in die 2. Liga nun normalerweise nicht mehr verhindern können. Dabei lief am Samstag aber auch so ziemlich alles schief, was auch nur irgendwie schief laufen konnte. In der ersten Halbzeit boten die Berliner, denen sicher nicht nur ich mehr als beide Daumen gedrückt habe, eine wirklich ansehnliche Partie und erspielten sich gleich mehrere hochkarätige Torchancen. Die 1:0-Pausenführung nach einem Abstaubertor durch Theofanis Gekas war somit mehr als verdient. Allerdings gibt es im Fußball nur selten so etwas wie Gerechtigkeit und weil die Berliner es versäumten den berühmten Sack frühzeitig zuzumachen, wurden sie nach ziemlich genau einer Stunde bitter bestraft. Mit der ersten richtigen Torgelegenheit glichen die Franken aus. Nun machte sich Unruhe breit im weiten Rund und auch auf dem Platz wollte den Spielern nichts mehr gelingen. Das endgültige Todesurteil erhielten die Mannen von Coach Friedhelm Funkel quasi mit dem Abpfiff, als es dem Helden der EM 2004, Angelos Charisteas, vorbehalten war den letzten Konter der Nürnberger mit dem 2:1-Siegtreffer abzuschließen. Nicht dass der sportliche Untergang nicht schon schlimm genug gewesen wäre, um die Situation noch mehr in den Dreck zu ziehen taten sich nun einige Berliner "Fans" hervor. Diese tollen Anhänger stürmten nach dem Schlusspfiff den Platz, bewaffnet mit Eisenstangen und jeder Menge Frust und schlugen so die noch jubelnden Spieler des FC Nürnberg in die Flucht. Außerdem sorgten sie im Nu dafür, dass die Sympathie-Werte der Hertha endgültig in den negativen Bereich übergegangen sein dürften. Auch die Ordnungskräfte und die Polizei, die immerhin schon vier Minuten nachdem die Fans den Platz gestürmt hatten die Situation unter Kontrolle gebracht hatten, bekleckerten sich bei dieser Aktion nicht gerade mit Ruhm.
Schon häufig hörte ich den Satz, dass man auch wenn man eine Situation nicht mehr herumreißen kann, eine Sache doch wenigstens mit Anstand zu Ende bringen soll. In diesem Fall trifft er mal richtig gut zu, auch wenn die Hertha den Abstieg wohl nicht mehr verhindern kann, so sollten doch alle Beteiligten bemüht sein, die Saison mit Anstand zu Ende zu bringen.
Das Comeback des Bayern-Dusels
Viel ist in diesen Tagen von Comebacks die Rede. Ob es Michael Schuhmacher ist, der wieder 90 Minuten lang im Kreis rumfährt oder Marius Müller-Westernhagen, der doch wieder Musik machen möchte. Dieses Comeback kam jedenfalls zwar nicht gänzlich unerwartet, aber doch überraschend, der häufig zitierte und selten gemochte Bayern-Dusel ist wieder da. Unter der Woche rumpelte sich der Rekordmeister zu einer 2:3-Niederlage beim AC Florenz, da die Münchener das Hinspiel aber mit 2:1 gewonnen hatten, kamen sie aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore trotzdem eine Runde weiter. Bedenkt man, dass München das Hinspiel nur deswegen gewonnen hatte, weil die Schiedsrichter eine ziemlich klare Abseitsstellung übersehen hatten, kann man mit Fug und Recht von einem Glückssieg sprechen. Am Samstag hatten die auch nicht gerade übermächtigen Freiburger die Bayern ebenfalls am Rande einer Niederlage und führten bis zur 76. Minute mit 1:0. Dann gab es einen umstrittenen Freistoß, den Arjen Robben verwandeln konnte. Fünf Minuten vor dem Abpfiff gab es einen (zugegebenermaßen gerechtfertigten) Elfmeter - auch den verwandelte Robben und ratzfatz wurde aus einer peinlichen Heimniederlage ein souveräner 2:1-Sieg.
Der ganze Rest - es bleibt überall spannend
Dreikämpfe prägen derzeit das Bild der Liga. Im Titelrennen bleibt es trotz Bayern-Dusel bei einem Kampf um die Spitze von drei Mannschaften. Sowohl Schalke (2:1 gegen Stuttgart) als auch Leverkusen (4:2 gegen Hamburg) konnten am Wochenende einen Sieg einfahren und bleiben den Münchenern auf den Fersen. Insbesondere der Sieg der Schalker erfreut mich als Bremen Fan, denn mit Stuttgart wurde ein Team besiegt, welches auch noch um die Teilnahem an der Euroleague im nächsten Jahr kämpft. Dass auch Leverkusen gewonnen hat, kann man eigentlich kaum glauben, lässt sich aber leicht erklären. Hamburg wird von Bruno Labbadia trainiert, ein Mann, der das Leverkusen-Syndrom quasi im Blut hat (wenn es drauf ankommt, immer zu verlieren)...
Drei Teams streiten sich auch um den Einzug in die nächstjährige Euroleague. Dabei trennen Borussia Dortmund (am Wochenende 4:1 in Bochum und derzeit Vierter), den HSV (derzeit noch Fünfter) und den SV Werder Bremen (am Wochenende 1:0 in Hoffenheim gewonnen und zur Zeit Sechster) nur drei Punkte. Ganz schön viele Dreien, aber trotzdem spannend. Übrigens, das sei nur am Rande erwähnt, es lauern noch drei Teams auf Ausrutscher um evtl. auch noch ein Wörtchen im Kampf um die EL mitzureden, nämlich der VfL Wolfsburg (4:0-Sieg in Mönchengladbach und sechs Punkte Rückstand), der VfB Stuttgart (acht Punkte zurück) und der FSV Mainz 05 (1:0-Sieg gegen Köln und nur fünf Punkte dahinter).
Auch im "Keller" bekämpfen sich drei Mannschaften, der SC Freiburg, Hannover 96 (2:1-Sieg gegen die Wundertütenmannschaft aus Frankfurt) und die Berlintöter aus Nürnberg. Bochum und Köln müssen auch noch aufpassen nicht in den Abstiegsstrudel gesogen zu werden, beide Teams liegen derzeit vier Punkte vor dem Relegationsplatz.



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