von Marc Schulte - 07.02.2010
In Island wurde eine Hartnäckigkeit belohnt, die überzeugt: Zweimal war Hera Björk schon für Island am Start, 2008 in Belgrad und 2009 in Moskau, aber immer nur als Backgroundsängerin. Nachdem sie im letzten Jahr in der dänischen (!) Vorentscheidung nur zweite wurde, startete sie in diesem Jahr für ihr Heimatland und gewann im Televoting klar.
Ihr Lied ist eine Popballade in alter Grand-Prix-Tradition über die Liebe, und auch wenn der Texttitel Je ne sais quoi französisches Liedgut erwarten lässt, bleibt es beim englischen Gesang – und es geht darum, dass die Traurigkeit überwunden ist und in den Augen des Anderen das gewisse Etwas liegt, das Hera dazu bringt, nun ihren Emotionen zu folgen!
Island scheint die Finanzkrise überwunden zu haben. Nach dem lebensbejahenden This is my life 2008 vor der Krise, dem nachdenklichen Is it true? 2009 steht jetzt die Liebe auf den ersten Blick als Neuanfang auf dem Programm. Und ganz sicher hat die 37jährige Hera Björk Þórhallsdóttir „das gewisse Etwas“, das sie zu einer Fan-Ikone machen wird – beim Clubtreffen des Eurovison Clubs Germany eroberte sie bereits im November die Herzen der Fans mit ihrer Stimme im Sturm.
Während in Island nur ein einfaches Televoting zu überstehen war, wurde für die Finalisten in Dänemark eine Endrunde a la Fußball-WM konzipiert.
Nach der ersten Runde blieben von acht Titeln vier übrig, die in zwei Halbfinal-Duellen gegeneinander antraten, dann folgte der Kampf um Platz 1.
Es gewannen Christina Chanée & Tomas N'Evergreen mit dem Titel In a moment like this mit einem Auftritt, der neben Windmaschine und pyrotechnischen Effekten eine Wand, die zwei Liebende trennt, zum Inhalt hat. Aber die Liebe kann natürlich Wände zerstören und so geht es händchenhaltend in die Zukunft. Zwar ist die Schattenwand ein beliebtes Interieur auf ESC-Bühnen, aber der Song ist aus allzu bekannten Schlagerelementen zusammengebastelt und kann uns trotz Pyrotechnik und Windmaschinen nicht wirklich überzeugen.
Genauso wie Hera Björk hat auch der 1969 geborene Tomas N´Evergreen (mit bürgerlichen Namen Christiansen) 2009 an einer Vorentscheidung teilgenommen und zwar an der russischen und wurde elfter. Dass er in Russland an den Start ging, liegt daran, dass sein Lebensmittelpunkt derzeit Moskau ist und er bereits 2004 dort einen Nr. 1 Hit landete.
Und schließlich Norwegen: My heart is yours. Beginnt da gerade einer der Sänger von Adoro eine Solokarriere oder ist es eine Reinkarnation von Jonny Logan? Didrik Solli-Tangen, der 22jährige Student der klassischen Musik, ist bisher ein unbeschriebenes Blatt, was den ESC angeht. Mit dem Titel ist auch der Inhalt des Liedes offenbar – auch wenn wir voneinander räumlich getrennt sind, bin ich bei dir und liebe dich und alles ist wunderbar und ohne dich kann ich nicht sein und ich bin der Mond an Deinem Nachthimmel!
Seine beiden Songschreiber sind aber keine ESC-Neulinge: Eine war mitverantwortlich für den deutschen Beitrag 2008 – No Angels – Disappear und der andere schrieb an den schwedischen Beiträge 2008 und 2009 mit, keiner dieser Titel schaffte es über den 18. Platz hinaus…..
Die Norweger hatten das ausgeklügeltes Wertungssystem: Zunächst wurden aus 8 Titeln per Televoting 4 Titel ausgewählt.
4 Jurys aus den 4 Landesteilen verteilten dann je 2000, 4000, 6000 und 8000 Punkte auf die 4 Titel und dann kam die Stimmenanzahl der Anrufer hinzu.
My heart is yours hatte somit nach der Juryrunde 26000 Punkte und nach dem Televoting dann insgesamt 466675 Punkte, der Zweitplatzierte, die Boyband A1, erreichte lediglich 27882 Stimmen – das nennt man einen eindeutigen Sieger!
Und wie es zu erwarten gibt es auch diesmal aus Norwegen Geigen zu hören und anders als im letzten Jahr nicht nur eine, sondern fünf.
Um den skandinavischen Reigen voll zu machen, fehlt jetzt nur noch Schweden. Sie lassen sich mit der Entscheidung Zeit bis zum 13. März, haben gestern jedoch mit ihrem Melodifestival begonnen, eine der größten und ausgeklügelsten Vorentscheidungen innerhalb der ESC-Familie.
Aktualisierung: Bei der heutigen Ziehung der Teilnehmer der beiden Semi-Finale ergab sich, dass Norwegen, Schweden und Dänemark zusammen im zweiten Halbfinale landeten; Island dagegen muss sich im ersten Halbfinale ohne skandinavische Unterstützung bewähren - dafür ist dies das Halbfinale, bei dem auch Deutschland telefonisch abstimmen darf.
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