Wolfgang Thierse zu seiner Aktion am 1. Mai 2010 Protest gegen Rechts

von Wolfgang Thierse - 03.05.2010
Dass Neonazis mitten durch Berlin und unseren Stadtteil Prenzlauer Berg marschieren, können Demokraten nicht schweigend hinnehmen, denn Schweigen wird allzu oft als Zustimmung missverstanden. Deshalb haben sich am 1. Mai rund 10.000 Berliner versammelt, um den Aufmarsch der Rechtsextremen zu verhindern.

Als der Demonstrationszug der Neonazis begann, gingen wir (der Bezirksbürgermeister von Pankow, Matthias Köhne, der Integrationsbeauftragte des Berliner Senats, Günter Piening, der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland und ich) im Einvernehmen mit der Polizei vor dem Demonstrationszug der Neonazis her und trugen Plakate mit der Aufschrift „Berlin gegen Nazis“. Schließlich haben wir uns den marschierenden Neonazis in den Weg gesetzt.

Unser Protest war friedlich, fröhlich und gewaltfrei. Nachdem die Polizei mehrfach dazu aufgefordert hatte und ein Einsatzleiter der Polizei mich im persönlichen Gespräch bat, die Sitzblockade aufzuheben, verließ ich mit seiner Hilfe widerstandslos die Fahrbahn. Denn unser Protest richtete sich nicht gegen die Polizei, sondern gegen die Nazis. „Die Beamten erfüllen ihre polizeiliche Pflicht und wir Demonstranten tun unsere staatsbürgerliche Pflicht.“

Ich bin froh, dass an diesem Tag 10.000 Berliner die Courage hatten, sich den Nazis in den Weg zu stellen, um ihre Straßen und Plätze zu verteidigen und den Missbrauch des 1. Mai durch Rechtsextreme zu verhindern. „Man muss seine Wut und seine Ablehnung gegen Neonazis auch ausdrücken dürfen!“

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Channel: Gegen Rechts  
Bundesland: Berlin  

@ Ulrich Rosenbaum

Bild von Thomas Köcher

Ich stimme Ihren Aussagen zu, bis auf den Abschnitt mit dem Bundesvrfassungsgericht. Diese Institution hat nicht versagt, sondern im rechtlichen Sinne vollkommen in Ordnung gehandelt. Es war die Regierung, welche damals versagt hatte. Absolute Stümperei. Aber wie gesagt: Den restlichen Aussagen kann ich nur zustimmen!

Gut gemacht!

Bild von anonymus

Ich finde es sehr gut, was Du lieber Wolfgang, gemacht hast. Respekt und danke!!!

Sitzblockade

Bild von Ulrich Rosenbaum

Lieber Wolfgang Thierse,

wenn ich mich richtig erinnere, hatte der SPD-Landesverband im "Dienstagsbrief" dazu aufgerufen, an der Bornholmer Straße gegen den Aufmarsch der Neonazis zu protestieren. Ich wundere mich eigentlich, warum nicht auch der Regierende Bürgermeister und der Innensenator vor Ort dem Aufruf gefolgt sind. Statt dessen fällt Erhart Körting nichts Besseres ein als gemeinsam mit den Herren von den verschiedenen Polizeigewerkschaften über Dich her zu fallen. Und der heutige Bundesinnenminister, der in seiner Zeit in Sachsen herzlich wenig dazu beigetragen hat, den Vormarsch der NPD zu stoppen, sollte besser schweigen als Dir Profilierungssucht vorzuwerfen.

Ich bin mit dem Rechtfertigungsbegriff "ziviler Ungehorsam" vorsichtig, weil so etwas bei geordneten demokratischen Entscheidungsstrukturen nicht nötig ist. Da aber das Bundesverfassungsgericht beim NPD-Verbotsverfahren schmählich versagt hat, sind wir dem Missbrauch demokratischer Rechte durch die Neonazis ausgeliefert, der ja dazu führt, dass die Polizei deren Aktivitäten auch noch schützen muss.

Ich setze darauf, dass Du aus der Partei breite Solidarisierung erfährst. Ich überlege, auf der KDV in Steglitz-Zehlendorf nächsten Dienstag einen entsprechenden Initiativantrag einzubringen.

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