Peg out one's claim" bedeuter so viel wie: seine Ansprüche geltend machen. Ob das nun aber alles mit dem "Pegsing" zu tun hat, sei dahingestellt.
Das erste Mal bin ich auf das Phänomen "Pegsing" gestoßen, als mir ein Kollege an der Schule eine verkohlte Banknote zeigte. Diese hatten Schüler vor seinen Augen verbrannt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das Ganze noch spaßig genommen und gesagt: "Na, bevor die ihr Geld verbrennen, sollten sie es lieber mir geben!"
Abends habe ich dann meinen Gastbruder gefragt, was es mit den abgebrannten Geldscheinen auf sich hat. Sodann bekam ich eine Einführung in das "Pegsing" (glücklicherweise ist mein Gastbruder nicht Teil dieser Mode):
Woher der Name kommt, weiß eigentlich keiner so genau. Ich habe verschiedenen Erklärungen gehört und so richtig, passte keine. "Pegs" sind normalerweise Wäscheklammern. "
Beim "Pegsing" zeigen die unterschiedlichen rivalisierenden Gruppen sich gegenseitig, wie viel Geld sie haben, indem sie zum Beispiel Geldscheine verbrennen. Das Ganze ist dann eine Art Wettkampf. Wer kann den größten Geldschein verbrennen etc. Es hört allerdings nicht mit Geldscheinen auf. "Pegser" tragen ihre NIKE Trainingshosen verkehrt herum (das bedeutet das Innere nach außen), so dass jeder am Label sehen kann, dass es eine echte Nike-Hose ist. Oft werden auch zwei Hosen übereinander getragen und dann nacheinander verbrannt. Gerne wird das Preisschild an den Kleidern gelassen, um zu zeigen wie teuer die jeweiligen Stücke sind. Wichtig ist aber, dass alles am Ende verbrannt wird. Das gilt auch für sündhaft teure Nike-Trekkies (Turnschuhe). Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Jugendlicher seine Nike-Schuhe auszieht, sie verbrennt, nur um sich das nächste Paar anzuziehen und dieses dann auch zu verbrennen.
Nur zur Erklärung: mit originalen Nike-Schuhen, kann man das Schulgeld für mindestens zwei Schüler an unserer Schule für ein ganzen Jahr bezahlen!
Und auch vor Lebensmittel wird nicht halt gemacht. Bei der Fastfood-Kette KFC wird der 5 Liter-Chickenparts-Eimer gekauft - das teuerste Gericht auf der Menukarte. Dann trifft man sich mit seinen Freunden und Kombattanten und wirft - unglaublich aber wahr - den Inhalt des Eimers auf die Straße ohne etwas davon zu essen. Der "Gegner" antwortet dann darauf mit dem Wegwerfen einer noch teureren Pizza.
Diese Subkultur - und glücklicherweise ist es eine Subkultur, denn es ist eine kleine Anzahl von Jugendlichen, die beim "Pegsing" mitmacht - bleibt mir völlig unverständlich. Nur soviel: Klamotten sind in Südafrika sehr wichtig. Genauso wie das Auto der Eltern ein wichtiges Statussymbol ist, ist für die Kinder ihr NIKE-Pullover oder T-Shirt wichtig, um sich Respekt und Anerkennung in ihrem Freundeskreis zu verschaffen. Wer dann so "reich" ist, dass er diese Sachen sogar verbrennen kann, ist dann eben sehr "cool".
Das Traurige an der Sache ist, dass viele der "Pegser" überhaupt nicht reich sind. Im Gegenteil. Sie leben mit Ihren Familien auf engsten Raum und müssen teilweise auf dem Boden schlafen. Das macht das Ganze Phänomen noch unverständlicher.
Es ist ein Markenwahn produziert von einer globalen Gesellschaft in der Erfolg anhand von materiellen Wohlstand gemessen wird, der die Jugendlichen antreibt. Somit sind es nicht die Kinder, die man hier veruteilen darf. Sie versuchen nur Ihren Platz in einer komplizierten Welt und Bestätigung zu finden.
Demnach halte ich auch die Strategie der Polizei, die "Pegser" für ein Paar Tage einzusperren nicht für sehr wirksam. Sie sind eher Opfer. Man muss die Ursachen bekämpfen und das Selbstvertrauen der Kinder stärken. Es muss ihnen Möglichkeit gegeben werden, Anerkennung jenseits der Straße zu finden (zum Beispiel im Sportverein, im Theaterprojekt etc.). Wenn sie Probleme habe - zu Hause, in der Schule, im Freundeskreis - muss ihnen geholfen werden und mit Rat und Tat zur Seite gestanden werden.
Dafür braucht es gut ausgebildete Sozialarbeiter und kompetente Jugendprojekte.
Beides ist allerdings sehr rar in den Townships...



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