Filmarbeiten - das Berlinale-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Oskar Roehlers „Jud Süß – Film ohne Gewissen“

von Martin Schmidtner - 18.02.2010
Roter Teppich für das deutsche Kino heute Abend im Wettbewerb der Filmfestspiele: Oskar Roehler präsentierte seinen bereits jetzt umstrittenen Beitrag, die deutsch-österreichische Gemeinschaftsproduktion "Jud Süß – Film ohne Gewissen".

Roter Teppich für das deutsche Kino heute Abend im Wettbewerb der Filmfestspiele: Oskar Roehler präsentierte seinen Beitrag, die deutsch-österreichische Gemeinschaftsproduktion Jud Süß – Film ohne Gewissen. In den Hauptrollen Tobias Moretti, Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck. In weiteren Rollen: Justus von Dohnányi, Armin Rohde, Ralf Bauer, Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Rolf Zacher, Heribert Sasse und in einer kurzen, aber gewaltigen Rolle Gudrun Landgrebe.

Das Drehbuch stammt aus der Feder Klaus Richters (Comedian Harmonists).

Knapp 30 Jahre nach István Szabós Mephisto stellt wieder ein Film die Frage, was entsteht, wenn sich die Kunst in den Dienst der Macht stellt.

 

Der Stoff

Jud Süß war ein 1940 von Regisseur Veit Harlan in Goebbels Auftrag gedrehter NS-Propagandafilm, der bei der deutschen Bevölkerung ein negatives Bild von Juden schüren und somit die weitere Verfolgung emotional vorbereiten sollte.

Namhafte Schauspieler hatten sich erfolgreich geweigert, die Rolle zu übernehmen. Schließlich wurde die Figur des Joseph Süd Oppenheimers, dessen historisches Vorbild im Jahr 1733 Finanzrat bei Herzog von Württemberg war, mit dem Schauspieler Ferdinand Marian besetzt. Zwar habe auch er anfangs abgelehnt, wurde aber von Goebbels schließlich doch dazu verpflichtet. („Mit Marian über den Jud-Süßstoff gesprochen. Er will nicht recht heran, den Juden zu spielen. Aber ich bringe ihn mit einigem Nachhelfen doch dazu“ schrieb Goebbels dazu in seinen Tagebüchern.)

Nach der Premiere des Films auf den Filmfestspielen von Venedig wurde Ferdinand Marian für die Rolle gefeiert und erfreute auch Auftraggeber Goebbels: „Ein antisemitischer Film, wie wir ihn uns nur wünschen können.“

Der Film wurde während des Krieges vor etwa 20 Millionen Menschen aufgeführt – darunter viele Vorstellungen vor Soldaten und SS-Mannschaften.


Tobias Moretti als Ferdinand Marian und Moritz Bleibtreu als Joseph Goebbels | © Concorde Film 2010 / Petro Domenigg, filmstills.at
 

Nach dem Krieg schaffte Veit Harlan es, in mehreren Prozessen vom Vorwurf der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Mitläufer eingestuft und freigesprochen zu werden.
Ferdinand Marian starb 1946 bei einem Autounfall.

 

Channel: Kultur  

Mit Kachingle und Flattr können Sie den Online-Journalismus auf vorwaerts.de unterstützen (wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel).

Das Aktuellste aus der Sozialdemokratie - der vorwaerts-Newsletter

Advertising