Euro-Vision 2009 - Das ESC-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Moskau - die verbotene Stadt am Tag des Slavic Prides

von Marc Schulte - 16.05.2009
Moskau präsentierte sich wie angekündigt und erwartet und zeigte heute sein hässliches Gesicht. Lushkov hatte die Slavic Pride-Demonstration verboten und deshalb sollte sie auch auf keinen Fall stattfinden. Tausende Uniformierte von Polizei und Miliz haben die Stadt, die sich dem europäischen Ausland als gastfreundlich präsentieren wollte, in eine verbotene Stadt verwandelt.
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Menschenleer - der Rote Platz
 
Heute morgen noch versuchten wir, Nikolai Alekseev wie verabredet telefonisch zu erreichen, um das letzte Update für die Demo zu erhalten. Leider war er schon unterwegs - auf dem Weg ins Gefängnis wie es nun zu hören ist.
Wir erfuhren am Telefon, dass es einen Fototermin um 12 Uhr geben soll - etwas außerhalb der City, nahe der Universität, wohl um bei der Lage auf den Plätzen in der Stadt erst mal in Ruhe mit der Presse reden zu können  - aber für uns kam die Nachricht zu spät. Die Aktivistin an der Hotline sprach kaum Englisch, wir irrten umher, kamen nicht mehr rechtzeitig.
Später wird uns berichtet, bereits dort soll Polizei eingeschritten sein und bereits dort sei Nikolai Alekseev verhaftet worden.
 
(Nachträgliche Ergänzung: Inzwischen haben wir auf einen Video der BBC gesehen, dass es sich um die Aussichtsplattform vor der Universität gehandelt hat und tatsächlich dort bereits die Verhaftungen stattfanden. Trotz aller Telefonketten und Stillschweigen über den Ort hatte die Polizei es anscheinend mitbekommen.)
 
So fuhren wir doch zurück in die Stadt auf den Puschkin-Platz. Als wir viertel vor eins (10:45h deutsche Zeit) aus der Metro kommen, sehen wir sofort, dass die Zugänge zum Platz abgeriegelt sind. Selbst hinter den Hecken und Büschen stehen Milizen. Große Plan-LKWs laden immer neue Hundertschaften aus und ein. Es wird sofort klar: auf diesen Platz soll niemand gelangen. Sobald ich stehenbleibe, um  zu fotographieren, werden die Polizisten aufmerksam. Noch beunruhigender allerdings die Kleingruppen russischer Männer in Lonsdale-Sweatshirts und brutalem Äußeren Sie lassen uns erst mal schnell weitergehen.
 
 
Zu diesem Zeitpunkt bemerken wir noch keine größere Menschenansammlung.
Da an diesem Platz offensichtlich nichts stattfinden kann, beschließen wir, die Twerskaja (größte Einkaufsstraße Moskaus) runter zum Kreml zu gehen. Der Alexandergarten - ein Park zwischen Rotem Platz und Kremleingang, auf dem sich auch das Grab für den unbekannten Soldaten befindet - war vorher von Alekseev als Ausweichort für die Demo genannt worden.
 
Es verwundert uns schon kaum mehr, dass der nächste Platz - gegenüber vom Moskauer Rathaus, dem Amtssitz Lushkovs - auch vollständig abgeriegelt ist.
 
Zur Sicherheit des Song Contest werde man tausende Beamte in die Stadt holen, hatte es vor ein paar Wochen schon geheißen. heute sah es so aus, als sei es in erster Linie wegen der Demo geschehen.
13:05h: Roter Platz abgesperrt
 
Aber als wir dann die Kremlmauern erreichen, sind wir doch noch erstaunt. In unseren kühnsten Alpträumen hätten wir damit nicht gerechnet. bereits am Ende der Twerskaja war der Zugang zum Kreml abgeriegelt - auch hier Hunderte von Polizisten und Soldaten. Nur mit Taschenkontrolle werden wir durchgelassen - damit wollte man, so haben wir vermutet, die Mitnahme von Transparenten oder Fahnen unmöglich machen.
 
Der Alexandergarten selbst ist abgeschlossen. Aber selbst der Rote Platz ist abgeriegelt. Am Samstag, dem Finaltag des Song Contests, kann kein Tourist auf das Zentrum Moskaus- der Kreml ist wie früher wieder verbotene Zone - für Schwule und Lesben trifft dies auf die ganze Stadt zu.
 
Wir gehen zurück zum Puschkin-Platz. Auf dem Weg immer wieder Journalisten mit Kameras, die ebenso planlos hin- und herzulaufen scheinen. Dort ist das Bild unverändert, aber am einen Eck des Platzes scheinen Menschen zusammen zu stehen. Wir finden dort eine unüberschaubare Situation vor. Als wir näher kommen, wird gerade ein verhafteter junger Mann in einen Arrestwagen gestoßen. Er sieht eher nach einem Gegendemonstranten aus. Etwa 20 Kamerateams stehen herum oder laufen am Eck des Platzes auf und ab.
 
Unklare Situation an Ecke Twerskaja/Puschkin ca. 13:45
 
Wir sprechen ein russisches Fernsehteam an - doch sie wollen uns nichts sagen. Dann treffen wir zwei holländische ESC-Fans - erkennbar an den um den Hals getragenen ESC-Badges. Sie seien zu dritt da, erzählen sie - würden sich aber immer aufteilen und gegenseitig im Auge behalten.
Direkt dahinter stehen aber schon kampfeshungrig aussehende Gegendemonstranten. es gibt keine Trennlinie zwischen den Gruppierungen. Alle laufen oder stehen durcheinander - eine bedrohliche Situation, da man gar nicht einschätzen kann, von wo plötzlich Gefahr ausgehen könnte.
Einer der Holländer erzählt, dass er kurz zuvor von jemandem mit Hakenkreuz auf der Glatze mit einem Ei beworfen worden sei, das ihn nicht getroffen habe.
Außerdem erzählt er uns von der Verhaftung Alekseevs. Von zwei russischen Aktivisten habe er davon erfahren, die aber inzwischen keine Auskünfte mehr geben wollten.
Wir sehen einige ESC-Fans - nicht die riesige Masse, aber sie sind gekommen - trotz Gefahr.
 
Eine Polizistin kommt und fordert uns auf weiterzugehen - bei uns zu Hause würde man dies Deeskalationsstrategie nennen - andere ihrer Kollegen sehen dagegen alles andere als deeskalierend aus.
Verhaftet worden seien sowohl Demonstranten als auch Gegendemonstranten, erfuhren wir noch.
Nach einiger Zeit verlassen wir den Platz - zu unübersichtlich ist uns die Situation, zu ängstlich alle, die noch da sind - und wir fürchten, die Situation könne irgendwann eskalieren.
 
Zu Hause in unserem Appartement erfahren wir von unserem dänischen Mitbewohner, dass finnische ESC-Fans verhaftet worden seien.
 
Seitdem betreiben wir Presseschau und versuchen, unsere Informationen zu vervollständigen und zu verifizieren.
 
Eine hervorragende Übersicht gibt es im Blog "Samstag ist ein guter Tag".
Und auch queer.de hat einen Live-Ticker (die Uhrzeiten dort scheinen jedoch deutsche Zeit zu sein).
 
Wir haben inzwischen gelesen, dass Nikolai Alekseev die ESC-Künstler zum Boykott ihres Auftrittes auffordert. Wir haben auch gelesen, dass Oscar Loya sich auf seinen Auftritt konzentrieren will, um zu gewinnen und Putin ihm dann als schwulen Künstler gratulieren muss.
 
Und wir haben voll Respekt gelesen, dass die schwedische Teilnehmerin Malena Ernman in ihrem Blog eine Solidaritätsadresse geschrieben hat:
"Regarding the planned gay parade here in Moscow today I think it’s very sad that they won’t allow a tribute to love. I’m not homosexual but today I am happy and proud to call myself gay - to support my friends and fans."
Das finden wir gut - ungeachtet möglicher Punkteinbußen bei Wertungen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion verdient dies Anerkennung und findet hoffentlich noch Nachahmer.
 
Auch die Besucher desa ESCs, bzw. der ESC-Party auf der Reeperbahn in Hamburg sind aufgefordert, Flagge zu zeigen.
 
 
 
Alle bisherigen Beiträge unseres Blogs finden sich über den Link:  ESC-Blogs
 

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Schwulen-Demo

Bild von Jörg Domsgen

Um es vorweg zu nehmen, in welcher Art und Weise eine Staatsmacht gegen seine Bürger vorgeht, ist sicher von Staat zu Staat unterschiedlich und sicher auch nicht immer fein.
Wir kennen hier mindestens schon zwei Extreme! Zum einen das russische, welches mit diktatorischen Zügen und recht robuster Gewalt gegen Demonstranten auftritt. Und wir kennen dann aber auch das laue. Hier kann als jüngstes Beispiel das auch bürgerrechtlich höchst zweifelhafte Auftreten der Berliner Polizei anläßlich der Mai-Demonstrationen benannt werden. Letzthin sollten die Betrachter sich die Frage stellen, welche Polizei die ihr vom Staat auferlegten Aufgaben und Ziele besser meisterte.
Zweifelsohne schneidet hier die Berliner Polizei sehr schlecht ab, gelang es ihr doch offenbar keine der Ihr vorgegebenen Ziele zu erreichen. Sie schützte nicht das Hab und Gut unbeteiligter Bürger, sie verhinderte keine rohe Gewalt der extremen Linken und um allem auch noch die Krone aufzusetzen, wurden dabei 400 (!) Polizisten im Dienst verletzt. Sie kam also nicht einmal ihrer Obhutspflicht für die eigenen Beamten (Menschen!) nach!

Nun zu der Frage, die vom Autor des vorstehenden Artikel sicher präferiert wird. Die Frage, ob Schwule mit ihrem Schwulsein, dieses öffentlich zur Schau stellend um ihre angeblich beschnittenen Rechte demonstrieren dürfen. Als der Demokratie grundsätzlich nahestehender Bürger würde ich, ob mir Schwulsein gefällt oder nicht (es tut es nicht), dies erstmal mit JA beantworten. Ich will auch ganz bewußt die für mich als nebensächlich geltende Art und Weise solcher Demonstrationen außer Acht lassen, die für einen „Normalo“ mitunter schon die Grenzen des guten Geschmacks (der ja eben sehr subjektiv sein kann) weit überschreitet. Und so von irreführenden Subjektivitäten (denn Schwule oder auch Lesben können ganz nette und auch schöne und liebenswerte [rein platonisch versteht sich] Menschen sein – eben wie im Rest der Gesellschaft) befreit, möchte ich dann doch mal den Kern des Problems beleuchten, der sich eben nicht an knappen, schrillbunten Fetzen und Frisuren orientieren kann.

Die Frage ob eine Gesellschaft die Schwule und Lesben auf offener Straße demonstrieren läßt, ist eine Frage nach den Werten, die dieser Gesellschaft zugrunde liegen. Für diese Frage fehlt mir der tiefere Einblick in die russische Gesellschaft und deshalb überlasse ich den Russen die Beantwortung dieser Frage und ihr Land selbst. Ich glaube allerdings schon recht gut überschauen können, welche Bedeutung die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland geformte öffentliche Meinung zu diesem Problem für unsere Gesellschaft hat. Diese Bedeutung ergibt sich zum einen aus denn Quellen, aus denen das offen gelebte Schwul-/Lesbensein entspringt und zum anderen aus den Folgen für unsere Gesellschaft.

Wenn wir mal davon ausgehen, daß das rein pathologische Schwul-/Lesbensein in einem mir nicht bekannten Prozentsatz in jedem Volk vorkommt, gehe ich sofort dazu über, warum es so öffentlich propagiert und gleichgestellt wird und damit noch zusätzlich um das schicke, hippe und trendige (also das rein dumme) Schwul-/Lesbensein erweitert wird. Dafür gibt es nur eine Antwort, und das ist die Gesellschaftsordnung und deren Wertebasis in der wir uns heute befinden. Hier in der zunehmend unsozialer werdenden liberalen Marktwirtschaft gilt nur das eigene Interesse, der Egoismus des Einzelindividuums oder auch einer Schicht oder Interessengruppe. Dies wird umschrieben mit dem Wörtchen Freiheit jedem Mitglied dieser Gesellschaft als sein uhreigenstes Menschenrecht suggeriert. Dabei wird offenbar bewußt, um diese Gesellschaft zu spalten und lenkbarer zu machen, jedem Adressaten dieser frohen Botschaft verheimlicht, daß eine wirkliche Freiheit nur die sein kann, die nicht darauf beruht, einem oder mehrer anderer Menschen, Schichten oder Volksgruppen damit Nachteile (das Leben schwer oder gar unmöglich zu machen) zu bereiten. Der Leser mag jetzt gleich die Frage stellen, welchen Schaden die Schwule und Lesben hier wohl anrichten mögen, und ich könnte sogleich auf die Vertreter dieser Gruppe verweisen, die es schon in recht beeindruckende Machtpositionen in diesem Lande geschafft haben und dort auch schon eine recht eindrucksvolle Schneise der Verwüstung in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen hinterließen. Eine Aufzählung in die auch die oben schon erwähnten vierhundert verletzten Berliner Polizisten gehören würden, möchte ich mir hier bewußt verkneifen, da ich keine Kollektivverurteilung befürworte.

Ganz klar allerdings muß herausgestellt werden, daß der wertezersetzende Einfluß dieser öffentlichen Zurschaustellung grenzenloser sexueller Freizügigkeit dann schon einer ganzen Gruppe angelastet werden muß. Hierbei ist die nach meiner subjektiven Beurteilung, schlimmste Wirkung die, die auf unsere Kinder und Jugendlichen ausgeübt wird. Diese Kinder und Jugendlichen, die in ihrem Weltbild wie auch in ihrer Sexualität noch ungeformt in die Gesellschaft treten, erwarten von dieser eine „Einweisung“ in das auf sie zukommende Leben. Wenn diese „Einweisung“ jedoch durch die Gesellschaft gegen jegliche natürlichen/gesellschaftlichen Regeln erfolgt, wird bei der wichtigsten gesellschaftlichen Schicht (der zukunftstragenden!) eine Orientierungslosigkeit gepaart mit nachgelebtem Egoismus erzeugt, die für jedes Volk dieser Erde früher oder später tödlich sein muß. Noch da zu, wenn die gelehrten sexuellen Regeln nicht die einzigen Falschlehren sind, die der Zukunft unseres Volkes eingetrichtert werden. Die alles entscheidende Frage nach der eigenen Weiterentwicklung für das Volk von dem ich mein Leben erhielt und das saubere und ehrliche Streben nach eigener Fortpflanzung tritt in den Hintergrund hinter ein von Egoismus oder auch Selbstbemitleidung geprägten Unrechtsempfinden des Einzelnen.

Noch mal zum rechten Verständnis, ich habe nichts gegen echte Lesben und Schwule, solange diese ihre Neigungen nicht in aller Öffentlichkeit propagieren und zudem diese Neigungen keinem anderen aufdrängen, der das nicht will oder der nicht weis ob er das überhaupt je wollen wird (Kinder! – hier die Ehe zwischen zwei Schwulen oder zwei Lesben, denen obendrein sogar noch die Adoption erlaubt wird – was ich für den Gipfel der Wertezersetzung schlecht hin halte – was soll aus diesen Kindern mal werden?).

So die russische Regierung gemeinsam mit der orthodoxen russischen Kirche diese Thematik in dieser Art beurteilt und daraus ihre Einstellung zur Frage solcher Demonstrationen und deren Verbot ableitet, kann ich nur zustimmen. Wenn dann in einer solchen Beinahediktatur, wie sie es nun mal in Rußland zu geben scheint, dennoch demonstriert wird, ja dann müssen die Demonstranten, ob Schwule, ob Oppositionelle oder wer auch immer, mit Repressalien und auch Gefängnis rechnen. Jede Gesellschaft hat, besonders wenn es vom Volke mit getragen wird, das Recht ja sogar die Pflicht, die ihr zugrundeliegenden Werte zu verteidigen. Tut sie dies nicht, ist sie dem Untergang geweiht.

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