Hass und Hexenjagd sind keine Lösung des Problems. Man muss seine Meinung korrigieren dürfen!

von Kurt Nickel - 07.09.2010
Zwar nehme ich Thilo Sarrazins rassistische Äußerungen und Hinweise genetischer Dispositionen weiterhin übel, doch ist der Rauswurf aus der SPD eine nicht zu einfache Lösung...? Damit ist niemandem gedient und schon gar nicht der Integrationspolitik.

Sehr hatte ich mich über Thilo Sarrazin erzürnt. Ich habe mit meinen Blog-Beiträgen über ihn geledert und für einen Ausschluss aus der SPD gestimmt. Es mochte ein Interview mit Klaus von Dohnanyi im ZDF Heute- Journal am 06.09. gewesen sein, was mich zum Umdenken brachte.

Ich hatte nachgedacht und stellte fest, dass ein Ausschluss mehr Nach,- als Vorteile bringen würde. Abgesehen davon, dass ich Sarrazin nicht für einen bösen Menschen halte sondern allenfalls als Jemanden, dem so manches Mittel Recht ist, ins Gespräch zu sein, könnte ich mir vorstellen, dass es im Grunde Sinn machte, ihn bezüglich Integrationspolitik mit ins Boot zu holen. So paradox das klingt: Ich könnte mir vorstellen, die Mehrzahl der Bevölkerung würde dem Zusprechen.

Sieht man mal von seinem Lustempfinden ab, sich zu profilieren, denke ich auch, dass in seinen Gedankengängen Elemente vorhanden waren, eine Debatte in Gang zu setzen mit dem Ziel einer Verbesserung der Integrationspolitik. Nun könnte man über seine Methoden hierzu streiten, doch das ist mittlerweile wohl ausreichend geschehen. Irgendwann muss mit dem Zank Schluss sein und das Konstruktive sollte sich jetzt durchsetzen.

Setzt euch an einen Tisch und redet mit ihm! Lasst ihn seine rassistischen und genetischen Thesen relativieren und zwar glaubhaft. Es ist nicht gut für die Partei, wenn sich intern Blöcke bilden, die gegeneinander arbeiten. Ein Miteinander wäre vielmehr angebracht. Bildet Integrationsgruppen und lasst ihn daran beratend teilnehmen. So würde beim Volk Eindruck und Respekt geweckt!!

Ich hatte die Vision, dass sich in Deutschland eine „Sarrazin-Partei“ gründet. Es müsste ja nicht von ihm selbst geschehen, sondern auf die Basis seiner Ideologie. Das wäre für das Land und die Partei verheerend!! Zumal ein Großteil der Bevölkerung hinter Sarrazin steht und die Prognose eines Zulaufs erheblich wäre.

Die Kommentare über ihn und seinen Ausschluss waren (auch von mir) Schnellschlüsse!! Darum lasst uns Schadensbegrenzung betreiben, bevor das Kind in den Brunnen fällt!! Ein ehrliches Bekenntnis hierzu weckt beim Wähler eher Sympathie und Eindruck, als das Beharren auf einmal Gesagtes!!

Man sollte das Element der Mitläufer und Jasager nicht außer Acht lassen, die einzig deshalb für einen Parteiausschluss stimmen, um sich mit ihrer Meinung Anderen anzupassen oder zu gefallen. Es ist nun mal eine Tatsache, dass die Politik ein Geschäft des Eigennutzes ist. Meinungen werden sehr schnell angepasst, wenn man für sich darin seine Vorteile sieht. So ist es nun mal auf der ganzen Welt und warum sollte das nicht in der SPD so sein...?

Mit Schrecken nahm ich zur Kenntnis, dass in den Medien von Morddrohungen gegenüber Sarrazin und Personenschutz berichtet wird. So weit darf es einfach nicht kommen!!
Das sind Vorgänge, die an Primitivität nicht mehr zu überbieten sind und völlig inakzeptabel! Aus eine etwaigen konstruktiven Debatte darf sich niemals ein Krieg entwickeln, der einzig den Chaoten nützt. Einen Krieg kann keiner gewinnen, allenfalls eine Schlacht, die dann eine nächste Schlacht zur Folge hat!!

Insofern:
Lasst Vernunft gelten und wendet Nachteile ab, bleibt besonnen und realistisch!! Es ist keine Schande, wenn man seine Meinung korrigiert. Insbesondere, bevor Beschlüsse gefasst werden. Nur wenn beide Seiten sich besinnen und aufeinander zugehen, kann diese Debatte, die eine ganze Nation spaltet zu einem schöpferischen Ende führen...

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@Kurt Nickel

Bild von Anonymous

Bitte um Entschuldigung, Ihr Artikel war damit nicht gemeint, sondern der Aufsatz von Leon de Winter, http://www.sueddeutsche.de/kultur/sarrazin-und-die-gene-das-geheimnis-de..., auf den sich ani bezieht. Ich hatte fälschlich angenommen, daß meine Antwort entsprechend eingereiht würde.

Sarrazin

Bild von ani

am besten abwarten und nicht aufregen, der Herr Sarrazin demontiert sich von selbst. In der SZ ist ein amüsanter Artikel von Herrn Leon de Winter- lesenswert

Selbstmontage ist nicht zu erwarten

Bild von Kurt Nickel

@ani
Eine Selbstmontage wird in diesem Fall eher nicht zu erwarten sein, da die Zahlen des Zuspruchs dafür zu erheblich sind.

Da es sich bei diesem Artikel um eine Persiflage handelt ...

Bild von Anonymous

kann jetzt eher nicht von Selbstdemontage gesprochen werden. Und daß die Partei der Fremddemontage eines Genossen so eifrig Befall spendet, ist natürlich ganz schlau von der Parteispitze.

Wenn mal ein Genosse oder eine Genossin Zeit hat, kann ja eine Wenig Beschäftigung mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums nicht schaden.
Der Parteivorsitzende selbst hat ja ganz richtig aufgezeigt, daß der ganze Vorgang stark in Richtung dreißigerjahre weist, und da kann ich dem Genossen Vorsitzenden nur aus ganzem Herzen zustimmen!

(Anonym, weil ich nicht die Ruhestandsbezüge eines gewesenen Finanzsenators beziehen werde ...)

Keine Persiflage

Bild von Kurt Nickel

@Anonymus
Ich wüsste nicht, wo in diesem Beitrag persiflageähnliche Anteile zu finden sind. Es ist keine "geistreiche Verspottung durch übertriebende Darstellung" sondern eher der Aufruf zur Besonnenheit!!

ja, man darf sich nicht nur, man muß sich korrigieren!

Bild von Anonymous

Aber hören Sie mit der Rassismuskeule auf! Das glauben inzwischen nur mehr die Unkritischen. Sarrazin hat selbst in dem umstrittenen Morgenpostinterview im Satz nach dem Gensatz gesagt, es ginge ihm nicht um Genetik, sondern um kulturelle Besonderheiten!

Fort mit der Keule Ausländerfeindlichkeit! Im Buch wird zwischen verschiedenen Gruppen von Einwanderern unterschieden.

Fort mit der Keule Islamfeindlichkeit, denn auch hier wird zwischen verschiedenen Gruppen von Muslimen unterschieden.

Fort mit der Keule Antisemitismus, die Partei ist schon genügend lächerlich gemacht. Frau Merkel sieht eine Chance, einen Vorstandsposten bei der Bundesbank freizubekommen, pfeift, und die Sozialdemokratie hüpft!

Dieser ungeprüfte Gehorsam gegenüber der Regierung war der Sündenfall, und danach ging es anscheinend nur noch darum, die Partei zu blamieren um nicht zugeben zu müssen, daß man nicht sauber geprüft hatte, worum es eigentlich ging. Voll in die Falle gerannt. Man muß den Genossen Sarrazin ja gar nicht mögen, wirklich nicht, aber daß die komplette CDU wie ein Mann aufheult hätte doch wenigstens den Instinkt warnen müssen? Hätte nicht die klare Stellungnahme eines Dr. Schäuble alle Alarmglocken bimmeln, alle roten Lampen blinken lassen müssen? Spätestens sein Hinweis, er habe mit der Bundesbank gesprochen?

Wäre es nicht möglich gewesen, das Buch vorher in der sicherlich personell ausrechend besetzten Parteizentrale sorgfältig prüfen zu lassen (wenn man als Parteivorstand schon zu vornehm ist, es selber zu lesen), bevor man ihm Inhalte unterstellt, die sich darin nicht finden lassen?

Wenn die Golfelite (http://nachrichten.rp-online.de/politik/golfende-sozialdemokraten-wollen...) unserer Partei den Genossen Sarrazin schon nicht leiden kann - kann sie ihn dann nicht wenigstens so genau im Auge behalten, daß sie weiß, worum es im Einzelfall geht, wenn Geschrei losgeht? Möchte der Vorstand der Basis erzählen, daß es über Wochen hinweg nicht möglich war, sich ein Exemplar des Buches zu beschaffen, zu prüfen und eine Sprachregelung zu finden, die nicht transparent erfunden war?

Hier die Zusammenfassung in der Wikipedia: lesen Sie wenigstens die, Genosse! Rassismus ist etwas anderes: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_schafft_sich_ab

Ob jeder Genosse den Schlußfolgerungen folgen möchte, wäre eine Diskussion wert, aber wie es scheint, möchte der Parteivorstand noch nicht einmal die Zustandsbeschreibung zur Kenntnis nehmen, und da wird's peinlich.

Genug der Unmutsäußerungen.

Lernen wir daraus, Genosse: wenn Herr Dr. Schäuble Ihnen die Uhrzeit nennt, vergleichen Sie diese mit Ihrer eigenen Uhrzeit. Stimmt das überein, tragen Sie Ihre Uhr zu ZWEI Uhrmachern. Erst wenn beide bestätigt haben, daß die Uhr nicht defekt ist, können sie - unter Beibehaltung gesunden Mißtrauens - von der Uhrzeit ausgegehen.

So etwas nennt man sauberes politisches Handwerk, das erwartet die Basis, das erwarten die Wähler.

Besonnenheit ist zu empfehlen, nicht Zorn!

Bild von Kurt Nickel

@Anonymus
Die Tatsache, dass Sie der Zorn derart erregt spricht nicht für Besonnenheit. Natürlich sind hier rassistische Elemente zum Ausdruck gekommen, die ganze Volksgruppen und Religionsgemeinschaften diffamierten! Trotzdem konzentrierte ich mich im Nachhinein auf das Wohl der Partei und korrigierte mich mit meiner Forderung. Und bevor nun Betonköpfe aufeinander prallen und jeder bis zum letzten Atemzug auf seine Position beharrt, schlage ich Besonnenheit und Dialog vor.

Man muss seine Meinung korrigieren dürfen

Bild von Anonymous

Hut ab, Kurt! Dr. Sarrazin ist kein Rassist, wenn er das mit Zahlen unterlegt, was schief gelaufen ist bei der Integration. Und da liegt leider, wie das Buch "Deutschland schafft sich ab" schon im Titel besagt, noch einiges im Argen. Ich fordere hiermit meine SPD-Oberen auf, neu und verbindlich zu definieren - und zwar so kurz und so einfach, dass es jeder liest und versteht - was Integration bedeutet, was das Ziel der Integration ist, und was die SPD in dem Zusammenhang sowohl von den Zuwanderern als auch von den deutschen Bürgern erwartet. Sarrazin aus der Partei auszuschließen, halte ich jedenfalls für einen Fehler. Ob der Parteivorstand auch in der Lage ist, seinen bisherigen Standpunkt nochmals zu überdenken? Es ist "letzte Eisenbahn".

@Anonymus Ich hoffe

Bild von Kurt Nickel

@Anonymus
Ich hoffe Gleiches, wie du. Die Nachteile wären wohl, wenn man objektiv nachdenkt, größer, als beharrende Konsequenz.

Wir sollten konsequent bleiben!

Die SPD ist darauf angewiesen, dass sie in ihrem Handeln nach ihrem eigenen Wertekanon konsequent ist und bleibt. Daher sollten wir auch bei der konsequenten Haltung Sarrazin gegenüber bleiben. Sarrazin hat sich in einer bewussten Entscheidung weit aus dem Rahmen der Grundwerte der SPD gestellt hat und tritt das Menschenbild das wir vertreten nach wie vor mit Füßen.

Jetzt eine Kehrtwendung zu machen, weil die Bild-Zeitung von Morddrohungen spricht, wäre nun wirklich der Gipfel der Inkonsequenz.

Rassistische Ansichten und elitärer Chauvinismus haben in der SPD nichts zu suchen, auch wenn 100% der Springer-Leser Sarrazins Thesen für die beste Idee seit Kochs Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft halten sollten.

Hut ab,Herr Nickel ! Das

Bild von B.Richter

Hut ab,Herr Nickel ! Das Beste,was ich hier bisher zu dem Thema gelesen habe.

Netter Zuspruch

Bild von Kurt Nickel

Sehr geehrte/r B. Richter,

Ihr Zuspruch freut mich und weckt so ein bisschen Stolz in mir. Danke.

Unklug

Bild von Kurt Nickel

@Johannes Stahl

Ich habe meine Meinung sicherlich nicht wegen der Bild-Zeitung korrigiert, sondern weil es meiner Ansicht der Vernunft entspricht. Das Beharren einmal Gesagtes auf Biegen und Brechen, nur weil es einmal beschlossen wurde, ist unklug. Dass ich jene Elemente des Rassismus weiterhin verwerflich finde, hatte ich erwähnt.

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