Interview mit Zbigniew Braniecki, Mozilla Community Ninja "Man managed keine Community, man unterstützt sie."

von Markus Winkler - 18.05.2010
Der Browser Firefox ist eins der erfolgreichsten Software-Projekte der Welt und zu großen Teilen aus freiwilliger Arbeit entstanden. Doch wie können Menschen dazu motiviert werden und was ist bitte ein Community Ninja?

Auf der next 2010, der Interwirtschaftskonferenz vergangene Woche, hatten wir die Möglichkeit mit Zbigniew Braniecki zu sprechen. Braniecki ist Webentwickler, Vorstandsmitglied von Mozilla Europe und Community Ninja

Das bekannteste Produkt von Mozilla ist der Browser Firefox, welcher seit 2002 von einer großen Gemeinschaft von Programmieren entwickelt wird. Dieser ist heute so erfolgreich, dass er im deutschsprachigen Raum Marktführer ist.

Dabei ist die Mozilla Foundation kein klassisches Unternehmen wie etwa seine Mitbewerber Microsoft, Apple und Google, sondern eine Non-Profit-Organisation. Diese hat „sich als Ziel gesetzt, das Internet als Ort der Innovation und des offenen Austauschs beizubehalten“. Einen großen Teil der Programmierung übernehmen dabei Menschen aus der ganzen Welt die unentgeltlich für das Projekt arbeiten. Nur wenige sind Festangestellte, so wie Zbigniew Braniecki.

 

Das Video in HD auf YouTube.

 

Er ist vor einigen Jahren auf Mozilla gestoßen, als der Browser-Markt von einem einzelnen Unternehmen dominiert wurde und begann für das Projekt zu arbeiten, in dem er Firefox ins Polnische übersetzte und Programmfehler bereinigte.

Dabei funktioniert die Arbeit und Kommunikation etwas anders als in klassischen Unternehmen. Denn Mozilla war von Anfang an ein Internet-Projekt und somit arbeitet man im virtuellen Raum. Es ist daher völlig irrelevant ob man in seiner Wohnung in Warschau, im Mozilla Europe Büro in Paris oder irgendwo woanders in der Welt sitzt.

Wichtig ist allein auch nur, was man für das Projekt tut und nicht die Organisation selber, so Braniecki. Das wichtigste Element der Foundation ist dabei die Entwickler-Community, welche sich selbst organisiert und entscheidet wohin der Weg ihrer Arbeit führt. Als Community Ninja managed er dabei nicht die Gemeinschaft, sondern er unterstützt sie. Somit schafft es Mozilla, das etwa 40 bis 45 Prozent des Codes von Firefox auf der Arbeit von Freiwilligen beruht.

Die Gründe für die freiwillige Mitarbeit sind dabei sehr komplex. Zbigniew Braniecki sieht aber drei Hauptgründe. Zum einen gibt Mozilla die Möglichkeit Software-Probleme selber zu lösen und einen Einfluss auf die Entwicklung des Programms auszuüben. Des Weiteren ist es die globale Gemeinschaft von Leuten mit gleichen Interessen und Ideen. Und zuletzt haben die Menschen die Möglichkeit sich selbst auszuprobieren und zu lernen. Somit können sie Erfahrungen sammeln und sich Vorteil auf dem Arbeitsmarkt verschaffen. Außerdem können natürlich die Nutzer von Mozilla-Produkten etwas zurückgeben, dafür dass sie die Software kostenlos nutzen können.

Für mich war das Gespräch mit Zbigniew Braniecki sehr interessant. Gerade seine Aussagen zur Community: „You don’t managed communitys, you support communitys“ fand ich sehr einleuchten und sollte den Weg in viele Organisationen und Unternehmen finden. Auch seine Erfahrungen über die Motivierung von Freiwilligen sollte man beherzen und versuchen sie in die eigene Arbeit mit einzubeziehen.

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