Zum Afghanistan-Konflikt Lernt ihr denn nie...?

von Kurt Nickel - 27.07.2010
Jene neuen Erkenntnisse zum Afghanistan-Einsatz, die im Internet auftauchten und als „geheim“ eingestuft waren, offenbaren die Sinnlosigkeit jenes Einsatzes in seinem ganzen Ausmaß.

Dabei stellt sich dann die Frage, ob sich die Regierungen der am Einsatz beteiligten Länder überhaupt bewusst sind, welche Perspektivlosigkeit jener Einsatz überhaupt hat, welchen Gespenstern dort nachgejagt wird und dass eine Lösung mit einem zufriedenstellenden Abschluss gar nicht möglich ist. Alle bisherigen Opfer, sei es an Menschen oder Material waren umsonst und zwar genauso, wie es weitere Opfer sein werden.

Reichte es denn nicht, dass seinerzeit schon die Russen feststellen mussten, dass man in Afghanistan keinen Krieg gewinnen kann?

Reichte es denn nicht, dass die Amerikaner in Vietnam, Korea und Irak mit ihrem Konzept scheiterten oder scheitern werden?

Was muss denn noch geschehen, bis dass man endlich begreift...?

Und trotzdem sind sie dem Kriegstreiber Busch alle gefolgt mit der Vision, das einzig Gewalt den Frieden bringen kann!

Lernt ihr denn nie, dass man anderen Völkern nicht seinen Willen und Kultur aufzwingen kann?

Dass Gewalt nie die Lösung des Problems war und nur Gegengewalt schürt?

Dass die Besessenheit Demokratie zu missionieren nur zu Tod und Trauer führt?

Dass einzig der Dialog und die gegenseitige Achtung der Ansichten und Gebräuche verschiedener Völker das Miteinander ermöglicht?

Man die Völker allein entscheiden lassen sollte, wie sie leben und regiert werden wollen.

Dass die Kulturen für Manche zwar suspekt wirken, was trotzdem nicht heißen darf, dass die Unsere die wahre Kultur ist?

Dass sich die Kulturen dem Menschen und der Mensch seiner Kultur anpassen und was sich Jahrtausende bewährte nicht wirklich falsch sein kann?

Fest steht, der Terror ist durch den Einsatz in Afghanistan eher geschürt, als dass er bekämpft wurde. Ausbildungscamps des Terrors sind längst anderorts und unsere denkbar schlecht ausgerüsteten Soldaten wissen im Grunde gar nicht, was sie dort überhaupt sollen, einzig als Werkzeug von Besessenen zu dienen, die die Welt ihre politischen Anschauungen aufzwingen wollen, die zudem noch von kommerziellen Interessen geprägt sind.

Man sollte den Menschen anderer Kulturen selbst überlassen, wie sie leben wollen und selbst bestimmen lassen, wer sie regiert. Zwar heißt das nicht, dass Völkermorde uns nichts angehen mögen, doch Tod und Elend durch „Befreiungen“ dort hin zu tragen ist ebenfalls verwerflich und blockieren eher Lösungen als dass sie stattfinden. Nicht selten wird dann eine Seite unterstütz, die nicht besser ist, als die bekämpfte.

Saddam Hussein war einer, der als anschauliches Beispiel dienen könnte, einstmals von den Amerikanern gefördert worden zu sein. Wie die Geschichte dann weiter ging, dürfte allseits bekannt sein...

Um den Irrsinn des Mechanismus anschaulich darzustellen, ließ ich mir eine kleine Erzählung einfallen. Ich hoffe sehr, dass die Botschaft jener etwas suspekt klingenden Zeilen verstanden wird.
Ich nannte Sie:

Der mit dem Kopf schüttelte

Es gab da zwei Reiche. Das eine nannte sich „Mühlenreich“, das andere „Klapland“. Im Grunde wären die Völker friedlicher Natur, wären da nicht ihre Herrscher und Prediger gewesen.

Paradoxerweise glaubten beide Seiten an den Schöpfer und wussten nur zu genau, was Gut und was Böse war. Jeder hatte seine Methoden und Rituale, mit denen er dem Schöpfer huldigte und seiner Kultur angepasste.

Doch Gewinnsucht und Machtstreben ließen ihre Gedanken in Richtungen kanalisieren die sie sich schließlich schön redeten. Diese geniale Technik ließen ihre Hirne schließlich immun werden gegen das schlechte Gewissen. Jeder glaubte, das Richtige zu tun und war sich sicher, dass es auch so war.

Falsch machte es nur die Gegenseite, nur einzig die eigene Seite schlug den richtigen Weg ein. Jede Seite hatte zu Ehren ihres Schöpfers wunderschöne Häuser gebaut. Leider schienen jene, die das Wort des Schöpfers verkündeten irgendetwas missverstanden zu haben, indem sie sich selbst mit Prunk umgaben und kleideten und so taten, als seien sie der Schöpfer selbst. Sie stellten sich selbst mehr in den Mittelpunkt als der, dessen Wort sie verkünden sollten. Mit geteiltem Herzen wurde das Wort des Schöpfers allzu oft zum Eigennutz der Prediger missbraucht. Und jene, die ihren Worten lauschten, nahmen die Worte auf, wie süßesten Nektar und glaubten vorbehaltlos.

Und obwohl beide Seiten so unterschiedliche Ansichten hatten träumten sie alle von einem gemeinsamen „Klapmühlenreich“. Natürlich dabei unter der Herrschaft des jeweiligen Träumers.

Und es beobachtete sie dabei Jemand, der mit dem Kopf schüttelte.

Neben dem Glauben hatte auch jede Seite ihre eigenen politischen Ansichten. Zwar war für die Freiheit der Gedanken eine Verfassung vorhanden, die allen Menschen diese Freiheit garantierte, doch die war nur Papier und nicht die Realität. Sogar jene, die diese Papiere verfassten hatten den Glanz der Macht oder Dollarzeichen in den Augen.

Und so versuchte es jede Seite, auf ihre Art, der anderen Seite überlegen zu sein. Unter der Fahne, die die Freiheit bringen sollte, wurde in vielen Ländern einmarschiert. Äußerte einer der Kommandeure seine Bedenken, dann gab man einfach vor, dort Brunnen bauen zu wollen. Und oftmals billigten die Herrscher der Reiche sogar das Vorgehen, um ihre eigene Macht zu festigen. In vielen Reichen passierte im Grunde immer wieder das Gleiche und es gab im Laufe der Zeit Millionen von Opfer.

Doch keines der Reiche lernte daraus, weil die Machthaber stetig wechselten und jeder Neue glaubte dann, die bessere Idee zu haben. Um dann auch alles richtig gemacht zu haben, ließen sich die Herrscher dann von denen, die das Wort des Schöpfers verkünden, die Waffen segnen.

Und es beobachtete sie dabei Jemand, der mit dem Kopf schüttelte.

Natürlich waren viele Menschen der betroffenen Völker nicht einverstanden. Fremde im Reich, die ihnen den Willen und die Denkweise aufzwingen wollten waren für sie unwillkommen. Und so organisierten und wehrten sie sich. Und je mehr sie sich wehrten, umso grausamer wurden sie. Oftmals dann angestachelt von Jenen, die das Wort des Schöpfers verkündeten und ihnen für ihre Taten das Paradies versprach. Dass auch diese dem Eigennutz frönten, merkten sie dabei nicht.

Und es beobachtete sie dabei Jemand, der mit dem Kopf schüttelte.

Zerfetzte und verdrehte Leiber, abgetrennte Gliedmaßen, in Stücke gerissene Kinder. Not, Elend und Trauer. Vorangegangene Jahrhunderte gefüllt mit Blut und Tränen. Dabei nicht ein einziges Mal daraus gelernt! Und das alles im Namen des Schöpfers?

Jemand fragte den, der mit dem Kopf schüttelte: „Das soll das von Dir geschaffene Reich sein?“

Der, der mit dem Kopf schüttelte antwortete nur lächelnd: „Nein, das ist lediglich das Irrenhaus meines Reiches…“

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"Hört auf, meine Leute zu töten".

Interview mit der afghanischen Friedensaktivistin Malalai Dschoja

"..die USA und die Nato lügen oft, wenn sie Unschuldige
töten, und sie hindern auch die Medien daran, über zivile
Opfer zu berichten. In entlegenen Teilen des Landes - wo
es keine Medien gibt, die darüber berichten könnten, so
dass keine Notiz davon genommen wird -, gibt es die meisten
zivilen Opfer. In vielen Fällen (veröffentlicht) die Nato,
wenn es zu Toten kommt, Statements, in denen es heißt: Viele
Aufständische wurden getötet. Doch wenn man versucht, von
den Menschen vor Ort etwas zu erfahren, findet man heraus,
dass in Wirklichkeit Frauen und Kinder - und nicht
Aufständische - getötet wurden."
http://zmag.de/artikel/interview-mit-der-afghanischen-friedensaktivistin...

Die Bundeswehr ist verantwortlich für einen Luftangriff
der NATO-Truppen auf zwei von den Taliban entführten
Tanklastwagen in Nordafghanistan. Ein AFP-Korrespondent
beschreibt diesen Angriff als ein »Horror-Inferno«:

»Der Gestank von verkokeltem Fleisch hängt am frühen
Freitagmorgen über den Ufern des Flusses Kundus. Überall
liegen zerfetzte Leichen von Dorfbewohnern.« Während
Einheimische noch am selben Tag in einem eilig ausgehobenen
Massengrab ihre Toten bestatteten, kämpften Dutzende
Verletzte in einem Krankenhaus in der Provinzhauptstadt
Kundus um ihr Leben. Die Flure der Klinik waren überfüllt
mit den Opfern des Angriffs. Viele wurden mit schwersten
Brandwunden eingeliefert, bei vielen lagen die Muskeln frei.

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Afghanistan/massaker4.html

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36 Milliarden Euro für einen brutalen Krieg
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Wie das Manager-Magazin vom 27.05.2010 auf seiner Homepage
berichtet, belaufen sich die Kriegskosten für Deutschland
auf etwa 36 Milliarden Euro für den Krieg am Hindukusch,
wenn ab 2013 mit dem Abzug deutscher Truppen begonnen wird.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,697021-2,00.htm...

Afghanistan: So teuer ist der Einsatz
http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/fotostrecke-54964.html

Dieses Geld fehlt im Sozialhaushalt oder könnte zur
Ankurbelung der Binnennachfrage eingesetzt werden. Wie
viel Arbeitsplätze könnten mit diesem Geld geschaffen
werden? Wie viel Schulen saniert oder Kindergartenplätze
geschaffen werden? Auch die Krankenkassenbeiträge müßten
nicht erhöht werden.

Die Politiker in Berlin sollten eigentlich dem Wohle des
deutschen Volkes dienen. Was sie hier treiben, dürfte wohl
eher das Gegenteil sein.

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Das Trauerspiel von Afghanistan
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Bereits das Britischen Empire hat in den Jahren 1839–1842,
1878–1880 und 1919 versucht, Afghanistan unter seine Kontrolle
zu bringen. In den Jahren zwischen 1979 und 1989 intervenierte
die Sowjetunion in Afghanistan. Ab dem Jahre 2001 okkupierten
die USA und ihre Verbündeten Afghanistan.

Den Afghanen ist es bisher immer gelungen, seine Okkupanten
zu vertreiben. Sie werden solange kämpfen, bis auch die
NATO-"Schutztruppen" vertrieben sind. Die Taliban, heute als
Terroristen bezeichnet, waren noch Freiheitskämpfer, als sie
mit Hilfe des Westens die Russen vertrieben.

Der Krieg gegen Afghanistan hat wenig mit einem Krieg gegen
den Terror zu tun. Es geht hier um strategische Interessen
der NATO und um die Kontrolle der natürlichen Ressourcen des
Landes.

Zum Schluß noch ein Gedicht von Fontane zu Afghanistan,
welches nachdenklich stimmen sollte:

Theodor Fontane
Das Trauerspiel von Afghanistan

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
"Wer da!" - "Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan."

Afghanistan! Er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

"Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt."

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all',
Sir Robert sprach: "Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So lasst sie's hören, dass wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!"

Da huben sie an und sie wurden's nicht müd',
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen - es kam die zweite Nacht,
Umsonst, dass ihr ruft, umsonst, dass ihr wacht.

"Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan."

Volle Solidarität

Bild von Kurt Nickel

Lieber Anonymus,
Sie haben meine volle Zustimmung zu Ihrem Kommentar, wie Sie sicherlich auch aus anderen Beiträgen von mir entnommen haben. Sie sollten auf Grund Ihrer Anklage, der ich mich anschließe, einen eigenen Beitrag verfassen.
Liebe Grüße
Kurt Nickel

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