von Martin Schmidtner - 30.06.2010
Eurovision 2011
Heute gaben die EBU (European Broadcasting Union) und der NDR den Termin für den Eurovision Song Contest 2011 bekannt: das Finale wird am Samstag, dem 14. Mai, die beiden Halbfinale am Dienstag, dem 10. und am Donnerstag, dem 12. Mai 2011 stattfinden.
Ursprünglich hatte die EBU den 21. Mai favorisiert, doch dieser Tag ist durchs DFB-Pokalendspiel blockiert, für das die ARD im nächsten Jahr die Übertragungsrechte besitzt – so zog man das Ganze einfach um eine Woche nach vorne.
Vom 2. bis 15. Mai dauert nächstes Jahr also die Veranstaltung – doch für die Buchung eines Hotels ist es immer noch zu früh; den Austragungsort haben EBU und NDR noch nicht bekannt gegeben. Die Entscheidung darüber wurde – ausgesprochen spät - für September angekündigt.
Sie holten den ESC nach Deutschland | Foto: Martin Schmidtner
Es seien mehrere „Bewerberstädte“ im Rennen – der NDR nennt auf seiner Homepage Hamburg, Berlin, Hannover, Köln, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Mannheim und München.
Und tatsächlich läuft das Ganze so ähnlich wie bei einer Olympia-Bewerbung ab.
So hat sich zum Beispiel gestern der Rat der Stadt Mannheim auf Antrag der SPD-Fraktion mit dem Thema ESC befasst und möchte sich als Austragungsort bewerben, der „die Pop-Kultur wie kein anderer verkörpert“. Und bereits am 3. Juni hat im Berliner Abgeordnetenhaus der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in der Beantwortung einer mündlichen Anfrage des Abgeordneten Özcasn Mutlu (Grüne) Lena zu ihrem Sieg gratuliert und bekräftigt:
„Wir haben signalisiert, dass wir an der Austragung dieses Wettbewerbs in der Hauptstadt interessiert sind. Berlin bietet die besten Voraussetzungen dafür, ohne dass ich damit etwas gegen andere Standorte sagen will. Wir sind der Auffassung, dass Berlin der richtige Standort wäre, und unterstützen diesen Vorschlag, soweit wir können.“
Ob es seitdem Neuigkeiten gibt, haben wir Klaus Wowereit am Wochende gefragt - es gab leider noch keine!
Ob es seitdem Neuigkeiten gibt, haben wir Klaus Wowereit am Wochende gefragt - es gab leider noch keine!
Denn erst in den kommenden Wochen sollen die Bewerberstädte dem NDR ihre Vorschläge und Konzepte unterbreiten – erst dann soll die Entscheidung fallen.
Persönlich glauben wir ja an ein Rennen zwischen Berlin und Hannover. Immerhin ist die Berliner O2-World im Mai noch frei - nicht jedoch im April, denn da ist zum Beispiel für den 13. April ein Lena-Konzert terminiert. Und bekanntlich muss die Halle ja für mindestens 4 Wochen für alle Vorbereitungen und Proben zur Verfügung stehen.
Deshalb scheinen für das Messegelände Hannover gute finanzielle und organisatorische Gründe zu sprechen. Auch wenn uns da immer Barbara Schöneberger in den Sinn kommt, könnte der spröde Charme der Messestadt am Ende doch siegen.
Aber dies ist persönliche Spekulation – letztendlich werden weder unsere Wünsche noch die Verbundenheit anderer Bewerberstädte mit Lena, dem ESC, der Popmusik oder der Kultur an sich ausschlaggebend für den Zuschlag sein, sondern die Frage nach Preis und Leistung.
Banges Warten steht uns also noch bevor.
Egal wo - Lena ist mit dabei!
Kein Warten allerdings bei der Auswahl des nächsten deutschen ESC-Beitrags. Der NDR bestätigte heute, dass Lena Meyer-Landrut nächstes Jahr ihren Titel verteidigen soll.
Eine versuchte Titelverteidigung im Folgejahr gab es in der ESC-Geschichte so erst einmal: Lys Assia, Siegerin des allerersten Grand Prixs 1956 trat auch 1957 für die Schweiz an - sie erreichte den achten von zehn Plätzen.
Aber auch ohne Geschichtsexkurs will uns die Idee nicht ganz einleuchten. Geboren wurde sie ja direkt nach Lenas Sieg auf ihrer Pressekonferenz - Vater des Gedankens war Stefan Raab, Lena selbst wirkte davon auch etwas überrumpelt.
Und seitdem will sich außer Raab eigentlich niemand so recht dafür begeistern. Mühevoll hatte die ARD durch ihre Medienpartnerschaft mit Raab endlich ein gelungenes Vorentscheidungskonzept in der Tasche- da stellt sich die Frage, ob dies Stefan Raab schon wieder zu langweilig geworden ist? Es sei doch selbstverständlich, dass eine Siegerin ihren Titel verteidigt, hatte er den Plan in Oslo begründet – eine Selbstverständlichkeit, die wir nicht erkennen können. In Stefan Raabs Bundesvision Contest ist es ja auch nicht zum Prinzip geworden, obwohl Raab da alles selbst und allein hatte planen konnte.
Doch nun hat der NDR als ausführende Rundfunkanstalt dem Ganzen zugestimmt. Heute klang durch, dass es wohl einen Vorentscheid für Autoren und Komponisten geben wird, das würde heißen Lena steht als Interpretin fest – wir wählen nur noch den passenden Song.
Dies wird in vielen Ländern so praktiziert und ist keine schlechte Idee – aber die Dynamik einer Unser-Star-für-Oslo-Casting-Show wird es schwer erreichen.
Bei der Pressekonferenz am 29.5. noch skeptisch: Lena Meyer-Landrut | Foto: Martin Schmidtner
Und die passende Tournee gleich dazu
Aber natürlich lässt sich auch dieses neue Konzept hervorragend vermarkten. Just heute Morgen wurden nämlich auch die Termine von Lena Meyer-Landruts lang erwarteter Tournee bekannt: Auf Lenas Homepage heißt es: „Den Eurovision Song Contest hat Lena bereits mit „Satellite“ gerockt – sie ist Europas neue Musikkönigin. Nun wird es Zeit, dass sie auch die Hallen der Nation mit Live-Konzerten zu ihrem Album „My Cassette Player“ zum Beben bringt.“
„Nun wird es Zeit“ bezieht sich in diesem Fall jedoch auf Konzerttermine im April nächsten Jahres: zwischen dem 13. und 29. April wird Lena ihr Debütalbum My Cassette Player vorstellen – und zwar in Hallen wie der O2-World in Berlin und Hamburg, der Lanxess-Arena in Köln, der Olympiahalle in München und der Schleyer-Halle in Stuttgart.
Das ist nicht nur eine Enttäuschung für die jetzt wartenden Fans, sondern ließe sich ohne neuerlichen Lena-Hype auch gar nicht durchführen. Doch bei aller Sympathie und aller Bewunderung für unsere Siegerin von Oslo will der Zweifel in uns nicht verstummen, ob dies denn so alles funktionieren wird. Eine ein- bis zweistündige Live-Show vor einem riesigen Publikum? Nicht das Spiel mit der Kamera, das sie so bezaubernd beherrscht, sondern die Interaktion mit dem Publikum ist bei einem solchen Konzert gefragt. Und bei letzterem hat die Siegerin des ESCs noch Schwierigkeiten.
Aber wir wollen nicht unken, sondern sind einfach mal skeptisch gespannt.
So richtig laut traut man sich ja gegen eine Idee Stefan Raabs auch nicht anzuschreiben – das meiste, was er in seiner Karriere angefasst hat, wurde zu Gold und an einen ersten Platz Lenas in Oslo hatten wir auch nicht wirklich geglaubt!
So ähnlich mag sich vielleicht auch der NDR gefühlt haben, als er dem Titelverteidigungs-Plan Stefan Raabs zugestimmt hat.
Oslo Rückblick - Jurywertung und Televoting
Die EBU hat vorgestern einen weiteren Schleier vom zurückliegenden ESC gelüftet, indem sie einen Überblick über die Resultate des Wettbewerbs in Oslo veröffentlicht hat, aufgeteilt nach Jury- und Televoting-Ergebnissen.
Die erfreuliche Zusammenfassung aus deutscher Sicht: Lena hat sowohl bei den Jurys als auch beim Publikum den ersten Platz belegt, wenn auch in der Jurygunst nur sehr knapp mit zwei Punkten Vorsprung vor Belgien.
Alle Tabellen gibt es hier auf der Seite der EBU nachzulesen – auch die Ergebnisse der Halbfinale.
Und die erfreuliche Nachricht aus unserer persönlichen Sicht:Uns freut es, dass unsere persönlichen Halbfinal-Lieblinge, InCulto aus Litauen und Kuunkuiskaajat aus Finnland beide nach reiner Publikumsgunst ins Finale eingezogen wären. Das Publikum hat mehr Geschmack als man ihm in den letzten Jahfren zugetraut hat!
Nun warten wir nur noch auf die Veröffentlichung aller einzelnen Länderergebnisse.
Alle bisherigen Beiträge zum ESC finden sich über den Link: ESC-Blogs
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