Wer hat Angst vorm Internet? Kulturrevolution in den Amtsstuben

von Markus Winkler - 03.05.2010
Die Verwaltung weiß nicht was beim Thema Government2.0 auf sie zu kommt. Doch die Revolution in der Verwaltungskultur beginnt. Alleine lassen darf man sie dabei nicht.

Der 13. Verwaltungskongress „Effizienter Staat“ letzte Woche war schon eine kuriose Veranstaltung. Der Behörden-Spiegel, eine Zeitschrift des öffentlichen Dienst und Veranstalter des Verwaltungskongress, hatte sich dieses Mal Government2.0 auf die Fahnen geschrieben und mehrere hundert Beamte aus der Bundes-, Landes- und Kommunalebene sind gefolgt.

Government2.0 ist ein Sammelbegriff, welcher die Möglichkeiten des Web2.0 für die Regierung und Verwaltung zusammenfasst. Dabei stehen besonders Transparenz, Partizipation und Kollaboration im Vordergrund. Doch die Beamten und die wenigen Beamtinnen sprachen am ersten Tag nur über eGovernment, was schlicht und ergreifend die Übertragung von klassischen Verwaltungsaufgaben in ein digitales Format ist. Dies ist zwar wichtig für die BürgerInnen, die Unternehmen und auch für die Verwaltung selber, jedoch eigentlich nichts Neues und Innovatives. Doch zeigt dies wie weit Deutschland im Bereich des eGovernment im europäischen Vergleich hinterherhinkt.

Wenn es dann doch einmal um Gov2.0 ging, sah man schnell, welche Probleme unsere Verwaltung mit dem neuen Medium zu haben scheint. Das Web2.0 wird bei vielen als Lawine wahrgenommen, die unaufhaltsam auf einen zurollt und man dieser nicht entfliehen kann. Man weiß, dass die Welt um einen herum sich ändert und diese auch viele Vorteile bietet, doch ist eine ernsthafte Bereitschaft sich diesen Entwicklungen anzupassen kaum zu erkennen. Wie sonst ist es zu erklären, dass keine externen Experten aus der Community eingeladen waren?

Das Web2.0 bricht alte, festgefahrene Strukturen der Behörden auf und erzwingt neue, offenere Strukturen – wenn sie denn zugelassen wird. Doch wenn man das Soziale Netz innerhalb eines Amtes einsetzen würde um z.B. gemeinsam Wissen und Erfahrungen zu teilen, würde das bedeuten, das die Beamten ihr Herrschaftswissen preisgeben müssten. Wenn man sich dann auch noch den Bürgern öffnet und seine Daten freizugänglich macht oder bei Projekten zusammenarbeitet, dann würde das ein unvorstellbarer Machtverlust bedeuten.

Auch sonst steht die Verwaltung vor erheblichen Problemen. So braucht man eine Richtlinie, die festlegt, wie man mit einer Anfrage eines Bürgers via Twitter umzugehen hat, wenn man denn Twitter nutzen würde. Außerdem müssten alle Beamten einen Internetzugang erhalten, bei welchem nicht die Social Media Kanäle geblockt sind.

Unsere Verwaltung mit ihren festen, hierarchischen Strukturen sieht sich mit einem – für ihr Empfinden – völlig chaotischen und anarchischen Netz konfrontiert, welches der Behördenkultur in Deutschland absolut widerspricht. Doch muss man auch teilweise Verständnis für unsere Beamten haben. Sie sitzen zwischen zwei Stühlen, zwischen den Bürgern und der Regierung.

Solange keine Impulse von mindestens einer diesen beiden Seiten kommt, kann sich nichts ändern, denn sie brauchen nun einmal eine Rechtsgrundlage. Somit liegt es an uns, uns Bürgerinnen und Bürgern, auf die eigenen Regierung zu wirken, sei es auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, damit die Verwaltung sich öffnet und somit demokratischer wird.

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