Verfassungsschutzbericht Bayern Kein Grund zur Entwarnung vor rechter Gewalt

von Martina Plötz - 01.04.2009
Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist in Bayern 2008 zurückgegangen. Das ist natürlich zu begrüßen. Aber dieser Rückgang von 82 auf 68 registrierten Gewaltdelikten darf nun wahrlich nicht als Erfolg im Kampf gegen Rechts gewertet werden. Denn zum Ersten, so sagt es CSU-Innenminister Joachim Herrmann selbst, sind dies nur die üblichen Schwankungen in der Statistik, zum Zweiten werden längst nicht alle rechten Straftaten auch als solche erfasst und zum Dritten sagt die Statistik nichts über das rechte Gedankengut in den Köpfen aus.

In einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung stimmen 39,1 Prozent der befragten Bayern der Aussage zu, „die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“. Das zeigt, dass im Bereich der präventiven Bekämpfung von Rechtsextremismus noch viel zu tun ist.

Und so ist die Abqualifizierung der Studie durch Innenminister Herrmann, die er als „methodisch unseriös“ und „absolut einseitig interpretiert“ bezeichnete und sie gar als „Pauschalbeleidigung“ der Bayern sieht, doch sehr hinderlich auf dem Weg zu einer Festigung demokratischer Grundwerte.

CSU unternimmt zu wenig gegen Rechts

Zudem kann sich die Bayerische Staatsregierung nun wahrlich nicht das Verdienstkreuz im Kampf gegen Rechtsextremismus auf die Brust heften. Viele Initiativen gegen Rechts erfahren herzlich wenig Unterstützung vom Freistaat Bayern. In der CSU gilt es zudem immer noch als anrüchig, sich bei Demonstrationen in die Reihen der Protestierer gegen Rechts einzureihen.

Zu sehr fühlt man sich immer noch dem Diktat von Franz Josef Strauß verpflichtet, „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“. Dies muss fast schon zwingend zu einer widersprüchlichen Politik in Sachen Rechtsextremismus führen. Und so warten 60 Prozent der Bayern, die sich nicht überfremdet fühlen, immer noch auf klares und aktives Handeln der Bayerischen Staatsregierung gegen Rechts.

 

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