Doch nun hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auch der Hilfe suchenden Karstadt-Mutter Arcandor für jedermann hörbar die Tür geöffnet. Staatshilfe für die Händler und Versender sei keineswegs ausgeschlossen, sagte der die Kasse verwaltende Sozialdemokrat im ARD-Morgenmagazin. Solche Hilfe könne man schon deshalb nicht rundweg verweigern, weil Karstadt-Quelle mit 50.000 Menschen sogar mehr Personal habe, als es bei Opel direkt Beschäftigte gebe.
Bislang stieß der finanziell wankende Versand- und Warenhauskonzern mit seiner Bitte um einen Bürgschaftsrahmen von 650 Millionen Euro zumindest bei Unionspolitiker auf offene Ablehnung oder doch stumm-hinhaltendes Zögern. Dieselben Politiker zeigen dagegen bisher keinerlei Scheu, den um ihre Zukunft bangenden Opelanern gleich mit mehreren Milliarden Bürgschaftsgeld unter die Arme zu greifen.
Mann am Band gegen Frau an der Kasse
Wie soll man sich das erklären, dass auch die Öffentlichkeit am Schicksal von Opel bisher weit stärker Anteil nimmt als am Sein oder Nichtsein von Karstadt: Der Mann am Fließband erfreut sich offensichtlich einer viel höheren öffentlichen Wertschätzung als die Frau an der Kasse. Die Schließung der Opelwerke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern wäre wirtschaftlich tatsächlich ein Desaster für die vier Gastgemeinden und ein existentieller Absturz für die dort Beschäftigten. Doch die Verkäufer und Verkäuferinnen, auch wenn es jeweils nur einige hundert sind, trifft die Schlie0ung ihres Kaufhauses nicht weniger hart. Ohne ein großes Kaufhaus verlieren Innenstädte an Anziehungskraft, und nicht alle Kunden können oder wollen für ihre Besorgungen hinaus zu den Einkaufszentren auf Grünen Wiese fahren. Dem Klimaschutz tut dies auch nicht gut.
Zu viele Kaufhäuser oder zu viele Fabriken?
Die stets allwissenden Wirtschaftskommentatoren schreiben nun, die Universal-Kaufhäuser in den städtischen Zentren hätten ihre guten Zeiten hinter sich und müssten Spezial-Kaufhäusern oder der billigeren Konkurrenz vor den Toren der Städte Platz machen. Das Geld der anderthalb Millionen Menschen, die täglich ein Kaufhaus von Karstadt betreten, sollte, meint man. gleichwohl ausreichen, zumindest die Kosten zu decken. Doch hat der grandiose Ex-Chef von Karstadt, Thomas Middelhoff, törichter Weise alle Immobilien verkauft, die man nun teuer zurückmieten muss. Unbezahlbare Mieten haben auch den früher zu Karstadt gehörenden Hertie-Kaufhäusern bereits das Rückgrat gebrochen. Sind diese Mieten eigentlich eine unantastbare Größe, an denen auch in der Krise niemand etwas ändern kann oder will?
Mag es in einigen Innenstädten auch mehr Kaufhäuser als für den Bedarf nötig geben, so gewiss gibt es auch in Deutschland mehr Autofabriken, als der Markt bestenfalls an Stückzahlen abnehmen kann. Wo das Bürgschaftsgeld des Staates besser angelegt ist, ob nun im Handel oder in der Industrie, ist heute nur schwer abzusehen. Doch dass jeder Investor, egal, was er heute verspricht, Abstriche bei den Arbeitsplätzen und am Ende auch bei den Werken von Opel machen wird, darauf kann man getrost wetten.
Retten, was Zukunft hat!
Die so genannten Ordnungspolitiker von CDU und FDP mögen sich mit der Frage plagen, ob der Staat solche Entscheidungen treffen darf, die man zu anderen Zeiten den Unternehmern überlassen konnte. Parteien wie die SPD sollten lediglich sorgfältig abwägen, welchen Unternehmen man mit Staatsgeld über die Krise hinweghelfen kann.
Die Eigner der Kaufhof-Kette bieten zwar an, dieselbe mit den Häusern von Karstadt zu einer Deutschen Kaufhaus AG zu verschmelzen. Aber es liegt auf der Hand, dass man sich die Schwäche von Karstadt zunutze machen will, um sich die Filetstücke der Konkurrenz billig einzuverleiben. Zig Warenhäuser und Tausende Beschäftigte blieben dabei auf der Strecke.



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.