Fünf Länder haben ihre Beiträge für den Eurovision Song Contest an den letzten beiden Wochenenden ausgewählt, damit stehen 13 Beiträge fest – Zeit für uns, unseren Blog auf den aktuellen Stand zu bringen.
Armenien
In Armenien gibt es ein Internationales Filmfestival, das nicht etwa nach der Hauptstadt Eriwanale heißt, sondern Goldene Aprikose. Zur Eröffnung weiht ein Geistlicher der Armenisch-Apostolischen Kirche Körbe voller Aprikosen, die an die Zuschauerinnen und Zuschauer verteilt werden.
Die Aprikose – botanisch korrekt Prunus armeniaca (sic!) – ist eben das armenische Nationalobst.
Ausgestattet mit diesem wertvollen Schatz an landeskundlichen Informationen erhält der Text des armenischen Siegertitels auch schon eine besondere Bedeutung. Gewonnen hat die 1987 geborene Eva Riva mit ihrem Lied Apricot Stone.
Beginnend mit den Klängen der Duduk, der armenischen Flöte, folgt ein charmanter Song, den man sehr schnell im Ohrgang hat und der bei der bisherigen Bewerberlage für einen der vorderen Plätze gut ist.
Doch der Text ist trotz der üblichen Bekenntnis zur Liebe (But to make your way through cold and heat, Love is all you need) schon zum Gegenstand von Spekulationen ob eines politisches Inhaltes geworden.
Reichen die Probleme mit Aserbaidschan denn nicht aus? Wird mit diesen Textzeilen wirklich eine Aufforderung zur Rückgabe von Gebieten der heutigen Osttürkei gefordert?
Apricot stone, hidden in my hand
Given back to me from the motherland
Apricot stone, I will drop it down in the frozen ground
I’ll just let it make its round
Polen
Nicht ganz so politisch, dafür aber auch weniger angenehm anzuhören, präsentiert sich Polen.
Der Fernsehmoderator und Sänger Marcin Mrozinski , 1985 geboren, singt das Lied Legenda und es geht um eine für immer währende Liebe. Nachdem schon Norwegen einen Sänger ins Rennen geschickt hat, der auf Tenor macht, gibt es nun den polnischen Halbbruder.
Der Text erscheint 0815 ESC-Ware. Doch blickt man auf die sechs polnisch gesungenen Zeilen, zeigt sich dann doch die romantisch-schwermütige Seele unserer östlichen Nachbarn:
„Hinter den Wälder, über den Bergen lebte einst ein Ritter namens Pfauenfeder – er raubte eine Prinzessin, die Jagd auf ihn schlug fehl – und die Moral der Geschichte ist: Der Ritter mochte die Prinzessin überhaupt nicht..“
In Oslo werden wir mehr erfahren, was das alles bedeuten soll….
Malta
Malta setzt wie im letzten Jahr auf eine Einzelkämpferin. Diesmal ist es nicht Chiara, sondern Thea Garret, ein Neuling bei Eurovision-Vorentscheidungen, was für Malta eine Besonderheit ist.
Thea Garrett, 1992 geboren, hat sowohl Musical als auch Gesang studiert und singt derzeit unter anderem in einem Gospel-Chor. Insofern wird eine schöne Ballade präsentiert, die hausbacken und malta-typisch ist, und damit natürlich schnell einen festen Platz im Herzen manchen Fans finden wird. Ob die Bühnenshow mit flügelschlagendem Mann noch verändert wird, bleibt abzuwarten und zu hoffen
Mazedonien
Mazedonien überrascht wie im letzten Jahr – der Rock scheint Nationalmusik zu sein, denn wieder kommt Garagenband-Sound aus dem Land mit der Sonne auf der Landesflagge. Ein wenig Hip-Hop-Rap wurde noch für die Jugend dazugefügt, damit der 33jährige Sänger Gjoko Taneski mit seinem Titel Jas ja imam silata (Ich habe die Stärke) möglichst viele Anrufe aus dem Balkan bekommt. Bei der Jury in der mazedonischen Vorentscheidung kam er auf den Platz 1, beim Publikum auf Platz zwei, also 12 + 10 Punkte.
Der Sieg war übrigens hauchdünn, der Liebling vom Publikum war Vlatko Ilievski, der aber von der Fachjury auf Platz 2 verwiesen wurde, und bei Gleichstand hatte die Fachjury das letzte Wort (10 + 12). Zum Trost: es wäre nicht besser geworden...
Slowenien
In den für Slowenien startenden Titel des Ensembles Roka Žlindre & Kalamari - Narodnozabavni rock - kann man sich am besten hineinhören, wenn man sich in Gedanken auf eine Alm in die Alpen begibt, sich dann auf die Holzbank vor der Almhütte setzt, ein wenig an die Geierwally denkt, um dann den Blick langsam auf ein paar fesche Burschen mit einer Maid in Trachten schweifen zu lassen, zu denen sich dann noch ein nicht so ganz ins idyllische Bild passender Schickeria-Rocker gesellt. Passender Weise heißt der Titel übersetzt auch Folk-Rock.
Noch verstehen wir nicht was Naj booooooo und Naj seeeeeee bedeuten, (aktualisiert, siehe Kommentar unten!) aber diese Mischung aus Volks- und Rockmusik fällt auf und sorgt für Stimmung auf der Alm,und ist zumindest originell im bisher eher erschreckenden Teilnehmer-Feld.
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