Fußball-Bundesliga Fünf mal "Helau" in Köln

von Björn Rosigkeit - 22.02.2010
Dieser 23. Spieltag hatte es wirklich in sich. Abwechslungsreich und überraschend gestalteten sich die Spielausgänge, dabei dürfte man vor allem in Köln froh sein, wenn der Karneval endgültig vorrüber ist.

Bereits das letzte Wochenende lief schon mehr als bescheiden für den 1. FC Köln, die schlechte Stimmung in der Stadt am Rhein wurde an diesem Spieltag allerdings noch getoppt. Im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart wollten sich die Kölner den Frust von der Seele schießen, der sich nach den letzten Spielen aufgebaut hatte, nachdem der Start in die Rückrunde eigentlich ganz gut geklappt hatte. Aus diesem Vorhaben wurde allerdings nichts, stattdessen setzte es eine deftige 1:5 Niederlage. Überragender Mann auf dem Spielfeld war ein Stürmer, den man eigentlich schon fast vergessen hatte (oh wie hätte man sich in der Domstadt gefreut, wenn diese Aussage dem Prinzen Lukas P. gegolten hätte). Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva, besser bekannt unter seinem Trikotnamen "Cacau" - der Name geht übrigens wirklich auf seine frühkindliche Leidenschaft für das schokoladige Getränk zurück - schaffte in der ersten Halbzeit einen lupenreinen Hattrick und steuerte zum Abschluss des Spiels auch noch einen vierten Treffer bei. Dabei war der flinke Stürmer, der sich im Sommer bis in den Rang eines deutschen Nationalspielers vorgekämpft hatte, seit Rückrundenbeginn mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden. Nun ist Cacau wieder da und versüßt seinen Stuttgartern den Bundesligaalltag, in Köln wird man wohl auch zukünftig lieber "Kölsch" trinken.

Das einzige Getränk, welches der Mannschaft von Hannover 96 noch zu helfen vermag, wäre wohl der vom gallischen Druiden Miraculix gebraute Zaubertrank. Auch im ehemaligen Westfalenstadion zu Dortmund wurde es nichts mit dem ersten Punktgewinn unter Trainer Mirko Slomka, stattdessen gab es eine weitere deutliche Abfuhr. Bitter wird es für eine Mannschaft immer dann, wenn man relativ hoch verliert, so wie am Samstag mit 1:4 gegen den BVB, und der eigene Torwart dabei der beste Mann ist sowie einen Liga-Saison-Rekord für die meisten abgewährten Großchancen aufstellt. Es verwundert dann auch nicht, wenn der Trainer nach dem Spiel nicht allzu erfreut über die Darbietung seiner Mannschaft ist, zeugt aber auch nicht von wahrer Größe, wenn er sie öffentlich als Schülermannschaft bezeichnet und für das nächste Spiel personelle Konsequenzen ankündigt. Vielleicht hätte er sich erstmal bei dem eigens von ihm unter der Woche eingestellten Psychologen erkundigen sollen, wie er seine Wut besser hätte verarbeiten können.

Noch ein kleines Dorf wehrt sich

Wenn es in der letzten Woche noch hieß, dass nur das kleine Dorf namens Leverkusen derzeit in der Lage ist dem Rekordmeister aus München Paroli zu bieten, dann muss dieser Satz nach dem  23. Spieltag ergänzt werden. Auch ein kleiner Ort im fränkischen Land hat sich erfolgreich erwährt und eine Niederlage gegen die bayrische Großmacht verhindern können. Beim 1:1 des 1. FC Nürnberg gegen den FC Bayern München bekamen die Zuschauer eine fränkische Abwehrschlacht vom allerfeinsten zu sehen, die mit einem Punktgewinn belohnt wurde. Nach Punkten ist der "Club" somit mit dem drittletzten Hannover gleichgezogen und kann somit vorerst zufrieden sein. Auch Bayern-Trainer van Gaal wollte keine Kritik an seinem Team aufkommen lassen und reagierte auf diesbezügliche Fragen der Reporter ziemlich barsch. "Haben Sie gesehen, dass Nürnberg mit elf Spielern in der eigenen Hälfte stand? Und haben wir nicht ein sehr schönes Positionsspiel gespielt?" Doch, habe ich gesehen und ein Punkt ist auch mehr als genug, nicht wahr :-)

Den Ausrutscher der Bayern konnte der Tabellenführer aus Leverkusen allerdings nicht nutzen, um sich abzusetzen. Im Weserstadion von Bremen verteidigte die Bayer-Betriebsmannschaft durch ein 2:2 zwar ihre Spitzenposition, verschenkte allerdings einen möglichen Sieg. Beim 1:1 durch Claudio Pizarro griff der sonst so sichere Keeper Rene Adler völlig daneben und ermöglichte dem Stürmer ein simples Abpraller-Tor nach einem Naldo-Freistoß, das Tor zum 2:2 fiel erst in der Nachspielzeit, nachdem es die Leverkusener versäumt hatten vorher für die Entscheidung zu sorgen. 

Lebenszeichen und auf der Stelle treten

Ein ganz dickes Ausrufezeichen setzte die Hertha aus Berlin hinter den Versuch des Nichtabsteigens. Im direkten Duell mit dem SC Freiburg gab es ein absolut verdientes und vor allem auch überzeugendes 3:0 im Dreisamstadion. Natürlich ist die Mannschaft aus der Hauptstadt damit noch nicht gerettet, hat diesen letzten Strohhalm aber mit Bravour ergriffen. Auch die Zwischenbilanz der Rückrunde liest sich nun viel besser, denn 9 Punkte aus 6 Spielen klingen so, als wäre mit der alten Dame echt wieder zu rechnen. Nur um diesen Gedanken noch einmal zu verdeutlichen, die Herthaner haben nur noch 2 Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, es fehlen ferner auch nur noch vier Punkte zu einem Nichtabstiegsplatz. Und weil ich die zarte Pflanze "Euphorie" noch weiter erhalten will hier noch ein Fakt der Rückrunde. Die Mannschaft Berlins hat in diesem Jahr bereits mehr Punkte gesammelt, als die drei vor ihr liegenden Teams (Nürnberg, Hannover und Freiburg) zusammen.

Gar nicht euphorisch stellt sich die Situation in Hoffenheim oder Gladbach dar. Beide Mannschaften bewegen sich nicht so recht voran, scheinen sich festgefahren zu haben und das in Tabellenregionen, wo beide Mannschaften nicht hinwollten. Nach dem Unentschieden der beiden Vereine vom Freitag, welches die TSG 1899 erst mit einem Elfmeter in der Schlussminute sicher stellen konnte, belegen die Teams die Ränge 10 und 11 mit jeweils 29 Punkten. Damit stehen sie im absoluten Niemandsland, kein Weg führt mehr nach oben und auch nach unten passiert da wohl nicht mehr viel. 

Ein Lebenszeichen hat auch der VfL Wolfsburg von sich gegeben. Bislang lief bei den Wölfen in der Rückrunde noch nicht viel zusammen, allerdings zeichnete sich schon in der Europaleague eine Trendwende ab. Beim spanischen Top-Club FC Villareal holten die VWler ein 2:2, nun ließen sie ein 2:1 gegen den FC Schalke 04 folgen. Ein durchaus bemerkenswerter Schachzug des neuen Wolfsburger Trainers Lorenz-Günther Köstner bestand dabei darin, mit Ausnahme des Torwartes Marvin Hinz, der in Abwesenheit von Diego Benaglio und André Lenz sein Bundesligadebüt feierte, die Mannschaft spielen zu lassen, die der Schalker Trainer Felix Magath in der letzten Spielzeit noch zum Meister gemacht hatte. Vor allem VfL-Goalgetter Grafite dankte seinem Ex-Coach auf intensive Weise und erzielte einen Doppelpack zum 2:1-Sieg.

Langeweile und Vorfreude

Nicht viel los war an diesem Wochenende bei den Begegnungen zwischen Hamburg und Frankfurt sowie dem Spiel zwischen Mainz und Bochum. Fußballspiele ohne Tore sind immer wie Salz ohne Suppe, öde und fade. Den Hamburgern mag man eine schwächere Leistung ja durchaus zugestehen, immerhin musste der HSV nur 40 Stunden vor dem Kick gegen Frankfurt im internationalen Geschäft antreten (dabei gab es ein 1:0 gegen den PSV Eindhoven). Aus diesem Grund können die Hanseaten wohl auch einigermaßen mit dem Punkt leben, Frankfurt verpasste aber die Chance den Rückstand auf die internationalen Plätze zu verkleinern und bleibt hinter Bremen Siebter. Bochum und Mainz hat die laue Nullnummer nicht wirklich weiter gebracht. Die Ruhrstädter haben den Anschluss ans Mittelfeld verpasst, Mainz versäumte es zu Frankfurt und Bremen aufzuschließen.

Am nächsten Wochenende werden alle Freunde des Fußballsports ihre Freude haben. Gleich zwei absolute Derbyknaller stehen auf dem Programm. Am Freitag empfängt der BVB seinen Erzfeind aus Gelsenkirchen, am Samstag kommt es dann zum Duell zwischen Leverkusen und Köln und auch der Sonntag hat es mit dem Gipfel zwischen Bayern München für den Süden und dem Hamburger SV für den Norden in sich.

Verlinken Sie auf diesen Beitrag:

http://www.vorwaerts.de/trackback/9865
Channel: Sport  

Mit Kachingle und Flattr können Sie den Online-Journalismus auf vorwaerts.de unterstützen (wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel).

Das Aktuellste aus der Sozialdemokratie - der vorwaerts-Newsletter

Advertising