Finanztransaktionssteuer jetzt einführen – Verursacher an den Kosten beteiligen

von Carsten Sieling - 10.02.2010

Mehr als Tobin-Steuer

Eine Finanztransaktionssteuer ist mehr als die bekannte „Tobin-Steuer“. Sie erfasst alle börslichen und außerbörslichen Transaktionen von Wertpapieren, Anleihen und Derivaten und alle Devisentransaktionen und besteuert diese mit 0,01 bis 0,05% des Handelsvolumen. Technisch ist die Erhebung der Steuer problemlos möglich. 
Betroffen sind von einer Finanztransaktionssteuer insbesondere schädliche und volkswirtschaftlich unnütze Spekulationen und der automatisierte Computerhandel. Denn je häufiger eine Transaktion stattfindet, desto stärker die Belastung. 
Privatpersonen werden im Rahmen ihrer tagtäglichen Finanzgeschäfte wie z.B. bargeldlosen Bezahlen, Abhebungen am Geldautomaten oder bei Überweisungen nicht von der Steuer betroffen sein.

Weitere Materialien:

Antrag SPD-Fraktion zur FTS (Drs. 17/527):

Antrag SPD-Fraktion Maßnahmenbündel gegen Spekulation (Drs. 17/526)

Plenarprotokoll zu beiden Anträgen (17/20) S. 1757ff. Plenumsbeitrag von Carsten Sieling ab S. 1774

Wir befinden uns zur Zeit in der schlimmsten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 80 Jahren. Der bislang entstandene Schaden wird auf mindestens 3,4 Billionen Dollar beziffert, mehr als 20 Millionen Jobs wurden vernichtet. Gleichzeitig erzielen Investmentbanken bereits wieder Rekordgewinne und schütten Milliardenboni an ihre Banker aus. Die SPD will die Verursacher der Wirtschafts- und Finanzkrise an der Bewältigung der Kosten beteiligen.

Mit 22 Milliarden Euro für direkte Kapitalspritzen musste der Bankensektor allein in Deutschland vor dem Kollaps bewahrt werden. Dieses Geld fehlt jetzt für Investitionen in Forschung und Bildung, für die Bekämpfung von Armut oder für Maßnahmen gegen den weltweiten Klimahandel.

Nach Berechnungen des Wiener WIFO-Institutes könnte Deutschland mit Steuermehreinnahmen von 10-20 Milliarden Euro jährlich durch die Einführung der Finanztransaktionssteuer rechnen.

Die SPD, Grüne und Linke im Deutschen Bundestag drängen – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung – auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Die schwarz-gelbe Koalition ist auch bei diesem Thema tief zerstritten. Die führenden Köpfe der Union bis hin zur Kanzlerin fordern die Einführung einer Finanztraktionssteuer, während die FDP diese strikt ablehnt. Die „Partei der Besserverdienenden“ hantiert stattdessen in der Debatte mit Belastungen für Riester-Sparer und Kleinanlegern, die jeglicher Grundlage entbehren. 

Den vollmundigen Versprechungen der CDU/CSU folgen bisher keine erkennbaren Taten. Auf internationale Ebene wird sich die schwarz-gelbe Koalition kaum schlagkräftig für die Durchsetzung der FTS einsetzen können. 
 

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