Gut gebrüllt, Loewe Fighting for peace

von Werner Loewe - 07.09.2010
In der Nacht zum Montag, dem 6. September, haben sich die Spitzenpolitiker von Union und FDP auf längere Laufzeiten von acht Jahren für ältere Kernkraftwerke und von vierzehn Jahren für jüngere Atomreaktoren geeinigt. Die schwarz-gelbe Koalition strahlt.

Ein „Fahrplan, um das Zeitalter der erneuerbaren Energien möglichst schnell zu erreichen“, so  preist hymnisch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Entscheidung der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern.

Revolutionäre

Und setzt noch einen drauf: Das Konzept „ist nicht mehr und nicht weniger als eine Revolution im Bereich der Energieversorgung“. Da wollen auch andere Koalitionäre beim Revoluzzen nicht zurückstehen: „ Das war eine Entscheidung zum Klimaschutz von geradezu epochaler Bedeutung“, so der FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Niemals zuvor sei „eine so feste Brücke gebaut worden in das Zeitalter der erneuerbaren Energien“.

Quantenspringer

Sein FDP-Kollege, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht in dem Beschluss gar den Beginn einer „neuen Zeitrechnung“. CSU Chef Horst Seehofer macht im Energiekonzept einen „Quantensprung“ aus, ein Lobpreis, der nur unwesentlich davon geschmälert wird, dass er  den Quantensprung schon beim Rauchverbot in bayrischen Wirtshäusern, beim Lissabon-Vertrag, bei der Verordnung zum Öko-Landbau oder beim Gesundheitsfond zu entdecken glaubte.

Über diese Brücke sollst Du gehn

Die schwarz-gelbe Bundesregierung im Überschwang der Begeisterung. Das „Zeitalter der erneuerbaren Energien“ soll nun eingeleitet werden? Wie das? Durch Verlängerung der Laufzeiten der alten, längst abgeschriebenen Atomkraftwerke! Um mehr ging es ja gar nicht. Denn, allen Gutachten zum Trotz: Das Ergebnis stand ja längst fest. Die Laufzeiten der Atomkraftwerke werden verlängert. Das war schon im Koalitionsvertrag vereinbart. Atomkraft als Brückentechnologie? Wie lang soll diese Brücke sein?  Angela Merkel: „“Wir können nicht hundertprozentig sagen, wann das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen wird“.

Börsenprofi Merkel

Nicht einmal die vorab angekündigte Abschöpfung der Hälfte der Zusatzgewinne der Stromkonzerne durch die Bundesregierung kann durchgesetzt werden. In der Nacht vor der Einigung der Koalition auf ihr Konzept holt man sich noch rasch telefonisch das Plazet der vier großen Stromkonzerne. Die können zufrieden sein: Rund fünfzig Milliarden zusätzliche Gewinne hat ihnen Schwarz-Gelb gesichert. Die Börse reagiert dankbar mit satten Kursgewinnen für die Stromriesen. Merkel reagiert mit der verblüffenden Erkenntnis: „Aktienkurse bewegen sich ja andauernd herauf und herunter.“

Der Protest der amerikanischen Jugend gegen den Vietnamkrieg  hatte eine knappe Formel: „Fighting for peace is like fucking for virginity.“ Die Atomkraft als Schlüsseltechnologie für erneuerbare Energien – das ist „fucking for virginity“.

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