Harald Klein von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam verreißt in einem Leserbrief an die „Süddeutsche Zeitung“ deren Berichterstattung über die dubiose Rolle der Stiftung beim Putsch und erklärt: „Die Stiftung hat sich bei der Einordnung der Geschehnisse in Honduras stets um Sachlichkeit und Differenziertheit bemüht.“
Eine tollkühne Behauptung. Denn der gewählten Präsidenten Manuel Zelaya hatte gegen den erbitterten Widerstand der Unternehmer und der von ihr beherrschten Presse die Mindestlöhne drastisch angehoben. Im August 2008 unterzeichnete er den Beitritt Nicaraguas zur „Alianza Bolvariana de las Américas“ (ALBA) mit Venezuela, Nicaragua, Ecuador und Kuba. Spätestens da sah die Stiftung Zelaya offensichtlich auf dem Marsch in den Sozialismus.
Schon zum ALBA-Beitritt las man im „Bericht aus aktuellem Anlass 54/08 von Lüth Erstaunliches: „In der Nacht zum 25. August, dem Tag des Beitritts, brannten sogar einige Autos in der Hauptstadt. Alles vergebens,(…)“. Vergebens? In Berlin sind in diesem Jahr schon Dutzende Autos aus vorgeblich politischen Motiven abgefackelt worden? Müssen wir jetzt auch hier mit einem bedauernden „alles vergebens“ der Stiftung rechnen
Armut schaffen wir allein
Was die Stiftung in Lateinamerika umtreibt, wird an einem Seminar deutlich, das die Stiftung 2008 vor den Kommunalwahlen in Nicaragua organisierte: „Sozialismus und Populismus: Verursacher von Armut“. Honduras wird seit mehr als hundert Jahren von einem rechtskonservativen Zwei-Parteien-System bestimmt. Liberale und Nationale Partei wechselten sich in der Regierung ab. Das Land ist eines der ärmsten des Kontinents geblieben, mehr als sechzig Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Was soll also die Drohung mit dem Sozialismus, der Armut hervorbringt? Das kriegen die Liberalen doch ganz allein hin.
Massive Verletzung der Menschenrechte
Und während die Naumann Stiftung den Militärputsch als „Legende“ abtut, beklagen Menschenrechtsorganisationen massive Menschenrechtsverletzungen durch die Putschisten. Die Organisation FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk) war mit einer internationalen Menschenrechtsdelegation von 15 Experten aus elf Ländern vor Ort und berichtet von brutalen Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung nach der Aufhebung von Grundrechten und nach der von der Putschregierung verhängten Ausgangssperre.
Mindestens fünf Menschen seien bisher getötet und 1 275 wegen Verstoß gegen die nächtliche Ausgangssperre verhaftet worden. Die Pressefreiheit sei massiv eingeschränkt, Journalisten, die von Staatsstreich sprächen, würden verhaftet. Rundfunksender seien von der Armee besetzt worden, Fernsehkanäle seien abgeschaltet, Telefonanschlüsse seien gekappt, viele Journalisten erhielten Morddrohungen. Unter den Toten des Putsches seien der 19jährige Isis Obed Murillo, Gabriel Fino Noriega, ein Journalist von Radio Estelar, Ramon Garcia, Parteivorsitzender der kleinen Partei Demokratische Union (UD) und der Gewerkschafter Roger Ivan Bados.
Freiheit, die wir meinen
Da interessiert doch die Stellungnahme der „Friedrich Naumann-Stiftung für die Freiheit“, so der volle Name, zu diesen Vorfällen. Im Leserbrief an die „Süddeutsche“ schreibt Harald Klein über den „angeblich von einer Armeekugel herbeigeführten Tod des Demonstranten Murillo“, die forensische Untersuchung habe ergeben, die Kugel passe nicht zum Gewehrmodell, das die honduranische Armee üblicherweise benutzt. Woher er das weiß?
Aus der Zeitung „El Heraldo“ vom vergangenen Sonntag, wie er schreibt. Die gehört Jorge Canahuatti aus einer Großunternehmerfamilie. Er ist Parteigänger der Nationalen Partei. Aus Parteigründen, und weil er „bei Regierungsaufträgen außen vor blieb“, habe er sich schon von Anfang an gegen Zelaya gestellt, wie ein Kurzbericht der Friedrich-Ebert-Stiftung mitteilt. Das aber erfährt man von der Stiftung „für die Freiheit“ ebenso wenig wie etwas über die Verletzung der Menschenrechte, über die Knebelung kritischer Medien, über Verhaftung, Bedrohung, Verfolgung von Politikern auch der eigenen Liberalen Partei, von Oppositionellen, Journalisten, Gewerkschaftern, Künstlern oder auch von einfachen Bürgern.
Auf der Website www.abgeornetenwatch.de des Bundestagsabgeordneten Dr. Werner Hoyer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, findet sich mit Datum vom 11.07.2009 folgender Brief:
Sehr geehrter Herr Hoyer,
German Foreign Policy berichtet, dass Sie als außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion bereits Kontakt zum honduranischen Putschisten Roberto Micheletti aufgenommen haben.
Wie würden Sie die Rolle der FDP und der Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras beschreiben? Gehe ich recht in der Annahme, dass ihre Präsenz dort dem Putsch zumindest Vorschub geleistet hat? Wie positionieren Sie sich nun angesichts der internationalen Verurteilung der Vorgänge gegen Präsident Manuel Zelaya? Welchen Wert legt die FDP auf die Einhaltung von Recht und Gesetz im Ausland?
Vielen Dank im voraus für ihre Antwort.
MfG



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