Bundesliga und ein Nachtrag zur Frauen-EM Europameister zur Unzeit

von Björn Rosigkeit - 14.09.2009

Ereignisreiche Tage liegen hinter uns. Während die Frauen-Europameisterschaft mit einem Sieg Deutschlands endete, nahm die Bundesliga nach der Länderspielpause wieder ihren Betrieb auf.

Als aus Dortmund stammender Werder Bremen Fan hatte ich an diesem Wochenende nicht viel zu lachen. Erst die Demontage des BVB durch den widererstarkten FC Bayern im eigenen Stadion, dann die triste Nullnummer in Nordderby gegen Hannover.

Dass ausgerechnet Werder, eine Mannschaft, die für ihren Offensivfußball bekannt und beliebt ist, der Bundesliga das erste 0:0 beschert, ist irgendwie bezeichnend für die derzeitige Heimschwäche der Grün-Weißen. Die 96er brauchten noch nicht einmal Nationaltorwart Robert Enke, um sich in Bremen einen Punkt zu ergaunern, dazu reichte der zweite Mann namens Florian Fromlowitz, der allerdings seine Sache auch recht gut gemacht hat. Man sollte zwar auch jetzt noch nicht vorschnell bewerten, dennoch scheint klar, dass dem SVW eine weitere Mittelfeldsaison droht, wenn er nicht bald zurück zu alter Heimstärke findet. Aus den bisherigen drei Spielen gab es nur 4 Punkte, und das gegen Gegner wie Frankfurt, Mönchengladbach und eben Hannover.

Ganz bitter der Auftritt von Borussia Dortmund. In den ersten 20 Minuten sah es zwar noch ganz gut aus, was die 09er gegen den übermächtigen FCB fabrizierten, dann besann man sich jedoch leider auf die anscheinend unabstreifbare Angst vor den großen Bayern. Spätesten als Keeper Roman Weidenfäller gekonnt Schweinsteigers zugegeben festen Schuss beim 1:2 auswich, war klar, das wird auch heute nichts. Dafür läuten die BVB-Fans jetzt einen ganz neuen Trend ein, anstatt bei jedem Sieg von der Meisterschaft zu träumen, betreibt man nun einen Wettlauf im schnellen Stadionverlassen. Aus Erzählungen von Stadionbesuchern weiß ich, dass die ersten Verwegenen schon bei Riberys 3:1 die Ausgänge gestürmt haben sollen...

Apropos Ribery, wie der Luis "dem Tulpengeneral" van Gaal bei seinem Torjubel um den Hals gefallen ist, war eines der Highlights des Spieltags. Keine andere Aktion habe ich beim Schauen der ARD-Sportschau so oft in der Zeitlupe gesehen, wie den beherzten Sprung auf seinen standfesten Trainer, nur gut, dass Marc von Bommel seine Freude nicht so ausdrückt - zumindest für van Gaal.

An der Spitze marschieren weiter der HSV und Bayer Leverkusen im Gleichschritt. Beide besiegten am Wochenende durchaus nahmhafte Gegner, der HSV immerhin den VfB Stuttgart und Bayer 04 den amtierenden Meister aus Wolfsburg. Während es also für die siegreichen Teams nach wie vor hervorragend läuft, droht Suttgart und Wolfsburg das Mittelmaß. Jetzt beginnt auch noch die Doppelbelastung durch die Champions-League, lassen wir uns überraschen, wie die beiden Mannschaften damit fertig werden.

Den ersten Saisonsieg bejubelte man im Frankenland. Damit ist der 1. FC Nürnberg dem Kölnern ein großes Stück voraus. Im Rheinland konnte man zwar den ersten Saisontreffer von Prinz Poldi bewundern, geholfen hat es aber nicht. Dafür dürfen die Schalke-Profis nach dem Auswärtssieg nun auf eine entspannte Woche hoffen. Gerüchten zufolge plant Felix Magath in der nächsten Woche nur 26 Trainingseinheiten und keine weiteren Rauswürfe.

Abschließend will ich meinen Blick noch auf die zurückliegende Frauen-Europameisterschaft richten. Im Vordergrund steht dabei natürlich die tolle Leistung der deutschen Nationalmannschaft. Glaubt man britischen Fußballgelehrten, so stand der Sieg natürlich schon vorher fest, dennoch war das Endspiel gegen "flotte Engländerinnen" (Danke liebe Bild-Zeitung für diese tolle Zitatvorlage) wirklich gut anzusehen. Zur rechten Zeit konnte der deutsche Inbegriff des Frauenfußballs - nichts weniger stellt Bigit Prinz in meinen Augen dar - seine Torflaute überwinden, um zusammen mir der Torschützenkönigin der EM Inka Grings den Titel mit einem doppelten Doppelpack unter Dach und Fach zu bringen. Verdient war der Titelgewinn ohnehin, daran gibt es nichts zu deuteln.

Schade allerdings, dass auf Grund der offenbar mangelnden Akzeptanz oder Weitsicht innerhalb der FIFA, das Finale am Donnerstag um 18 Uhr angepfiffen wurde. Über die mangelnde Zuschauerresonanz vor Ort konnte man sich eh nicht mehr wundern, trotzdem ein Unding ein so bedeutendes Spiel zu einer Zeit anzupfeiffen, wo es kaum jemand im TV betrachten konnte. Man stelle sich nur mal vor, das Endspiel um die Herren-Europameisterschaft unter der Woche gegen 17.30 Uhr, da würde ein Sturm der Entrüstug (und das auch völlig zurecht) durch die Republik wehen. Aber gut, da sieht man, dass das Konzept des Frauenfußballs noch verbesserungswürdig ist. Da die nächste Frauen-WM zum Glück in Deutschland stattfindet, kann ich nur hoffen, dass das nächste Frauenfinale zur Prime-Time läuft, und die wäre in diesem Fall Samstag oder Sonntag  gegen 15.30 Uhr!

Freuen wir uns also auf die WM 2011 in Deutschland, mit vollen Stadien und sinnvollen Anstoßzeiten sowie, in naher Zukunft, auf den weiteren Verlauf des deutschen Lieblingskindes - der Bundesliga.

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