Wir brauchen dringend neue Wege im Bildungsbereich Europa- und Levanteschulen

von Wendula Strube - 30.03.2010
Merkel und Erdogan streiten über Türkische Gymnasien in Deutschland, dabei gibt es bereits Möglichkeiten, die ausbaufähig sind. Die Zauberworte heißen Respekt, Europa- und Levanteschulen.

Seit ca. sieben Jahren stelle ich diese Forderung beharrlich für eine bessere Beschulung der Türkisch- und Arabischstämmigen Kinder und wurde dafür oft ausgebuht. Einen Antrag innerhalb meines Kreises habe ich gestellt und nun muss ich zusehen, wie Angela M. und die Konservativen meine Pläne schneller umsetzen werden, als meine Partei reagiert. Seit Jahren schreibe ich immer wieder dasselbe.

Und ich bleibe dabei, wir müssen auf die Kinder zugehen und sie vorerst dort abholen, wo sie z. Z. stehen, nämlich in ihrer Sprachenisolation inmitten unter uns Deutschen. Darum sollten wir Deutsch-Türkische Europaschulen und Deutsch-Arabische Levanteschulen sofort zur Verfügung stellen, ehe es von den Konservativen als ihre Idee aufgegriffen und umgesetzt wird. Es ist das beste Mittel, wie wir Migranten in unserem System binden und was wir ihren Kinder bieten können, um den Anschluss an das Deutsche Schul- und Bildungssystem nicht zu verlieren.

Warum ich diese Möglichkeit am Besten finde, schildere ich nun:

• Die Herkunfts- oder meist Muttersprache der Kinder von Migranten, wird zunächst richtig erlernt. Diese Vorraussetzung ermöglicht es, weitere Sprachen zu lernen. Ohne Muttersprache kann keine weitere Sprache richtig erlernt werden, das ist wissenschaftlich fundiert.

 

• Die Kinder lernen in „ihrer“ Sprache lesen und schreiben, mit „ihrem“ kulturellem Background, den sie in Deutschland nur vom Hörensagen kennen lernen. Denn auch die jeweilige Landeseigene Kultur wird in einer bilingualen Schule automatisch vermittelt.

 

• Selbstverständlich lernen die Kinder spätestens ab der zweiten Klasse unser deutsches Alphabet und nebenher die deutsche Schrift- und die richtige Sprachweise. So werden Kinder z. Z. in den existierenden Europaschulen beschult, die in Deutschland bereits (oder sollte man besser sagen erst?) ca. 36 Mal existieren.

 

• Sie erlernen leider z. Z. noch in deutscher Sprache die Mathematik, was m. M. n. völlig unlogisch erscheint, da fast alle anderen Sprachen die Zahlen in ihrer tatsächlichen Reihenfolge sprechen. Fast nur in der deutschen Sprache werden zuerst die hintere Zahl und zuletzt die vordere Ziffer genannt, beginnend mit der Ziffer 12. Dadurch wird zusätzlich den Kindern von Migranten ein immens schweres Hindernis aufgestellt.

 

• Vom Hörensagen werden oft Märchen und Fehlinterpretationen über geschichtliche Ereignisse überliefert. Es führt zu romantisierten Vorstellungen von den Herkunftsorten und zu beschönigenden Gräueltaten der Vergangenheit, die wir selbst kennen. Es gibt in jedem Volk die „guten, alten und besseren Zeiten“.

 

• Die Kinder von bisher nicht integrierten Migranten könnten in „ihrer“ Sprache lernen und müssten nicht eine „fremde“ Sprache neu, falsch und brüchig lernen, so wie es bisher für sie der Fall ist.

 

• Dadurch hätten diese Kinder mehr Erfolgserlebnisse und sie wären viel entspannter und weniger frustriert.

 

• Die Kinder von Migranten könnten besser zum Erfolg der Klassen beitragen, sie fühlten sich ernst genommen.

 

• Sie bräuchten sich weniger durch Gewalt Luft machen, was dem friedlichen Miteinander dienen würde.

 

• Die Eltern dürften nun endlich ihre Kultur an uns herantragen. Durch das Geben und Nehmen erhielten die Erwachsenen Respekt, denn bisher prägen uns mehr Vorurteile als kultureller Austausch obwohl wir uns seit mehr als vierzig Jahren begegnen. Die Achtung, die Migranten zusteht, ist ihnen bedingt durch die Stellung als Bittsteller in unserer Gesellschaft bisher fast völlig versagt worden.

 

• Da Ansehen immer im Gegenzug erbracht wird, könnten wir das Selbe nun auch von ihnen erwarten, ein besseres Aufeinanderzugehen ist die Folge der Europa- und Levanteschulen.

 

• Viele Kinder könnten sich durch diese hervorragende Ausbildung bis zum Abitur und darüber hinaus weiterbilden und das sogar in „ihrer“ Sprache.

 

• Mädchen könnten diese Chancen nutzen und endlich den Männern das Kopftuchtragen überlassen, wenn sie es wollen. Einzig allein eine gute Bildung verschafft bekanntlich „Aufklärung“ und persönliche Freiheit.

 

• Die Kinder hätten als Erwachsene die Wahl, ob sie vielleicht in ihre Herkunftsländer zurückgehen möchten, die haben sie bislang nicht, weil sie auch in ihren Herkunftsländern faktisch marginalisiert und Migranten sind. Bisher kam ja noch niemand auf die Idee sie zu fragen, ob sie unbedingt hier bei uns Deutschen leben möchten, wo wir in vielerlei Hinsicht nicht gerade nett mit Kindern und Migranten umgehen.

 

• Die Kinder könnten endlich in den Genuss besserer Berufsausbildungen und Studien kommen.

 

• Die Kinder von Migranten würden eher nicht mehr beim Sozialamt oder schlimmer noch, chancenlos als Kriminelle enden. Es kommt kein Mensch auf die Welt und behauptet, er möchte gerne Hartz-IV-Empfänger oder Rechtswidriger werden. Jeder Mensch will Prinzessin oder Ritter, Feuerwehrmann oder Krankenschwester, Lehrerin oder Kindergärtner werden und vor allen Dingen will jeder Mensch in seiner Kindheit eine Familie mit einem „Haus am See“ haben. So viel zu den Vorteilen für die Kinder von türkischen und arabischen Migranten. Und was haben wir Deutschen davon?

 

• Wenn die deutschen Kinder in den Europa- und Levante-Schulen in Türkisch u. Arabisch ausgebildet werden, können unsere Kinder nach dem Studium oder nach der Ausbildung mit den reichsten Staaten der Welt verhandeln, z. B. den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Kuwait.

 

• Die türkische Sprache dient dabei als Brückenschlag zwischen unserer und der moslemisch- islamischen Gesellschaft. • Die arabische Sprache bringt uns dann direkt zu den reichsten Handelspartnern der Welt.

 

• Die Europa- und Levante-Schulen werden uns eher mit den Arabischen und Türkischen Migranten ins Gespräch bringen als bisherige Versuche.

 

• Außerdem wissen alle, dass die letzten Erdölvorkommen u. a. im Osten lagern, dort gehandelt und gefördert und die kommenden Kriege wegen der letzten Reserven geführt werden. Durch unser Engagement könnte das verhindert werden.

 

Vielleicht fällt Ihnen selbst noch etwas ein, Sie dürfen gerne ergänzen.

 

Ich meine, dass die o. g. Argumente ausreichen, um mindestens vier der jeweils genannten Schulen sofort zu gründen. Möglichst in den Brennpunkten der Städte Berlin, Köln und Frankfurt am Main. Zuerst muss Überzeugungsarbeit bei den jeweils betroffenen Migrantengruppen und bei Deutschen Eltern geleistet werden. Migranten mit denen ich gesprochen habe, zeigen inzwischen Angst, ihre eigene Sprache in Deutschland von ihren Kindern erlernen zu lassen. Wir sagen ihnen, lernt Deutsch, lernt Deutsch… aber das ist nicht der richtige Weg für diese Kinder.

Wir leben in der Europäischen Union und die Globalisierung steht im Vordergrund bei Berufschancen, wir können das Rad nicht zurückdrehen. Wir sollten nicht vergessen, dass wir unseren Wohlstand Ali u. Eiche zu verdanken haben. Sie kamen zu uns und haben ihre Heimat hinter sich gelassen, sie waren und sind fleißig. Jedes Kind in der Gesellschaft hat es verdient, dass es in Würde beschult wird und nicht seines wichtigsten Instrumentariums beraubt wird, seiner Herkunftssprache.

Wenn wir weiterhin massenweise Kinder und deren Zukunft ab dem fünften Lebensjahr „mundtot“ machen, werden sie uns als Erwachsene schelten, weil sie sich lange Zeit nicht artikulieren durften. Ich vertraue auf die Mitmenschlichkeit und die Liebe, die uns alle trägt, wir sind alle aufeinander angewiesen. Die Liebe ist ein Teil unseres Grundwertes, dass als GG von Menschen niedergeschrieben wurde, die nach dem zweiten Weltkrieg hohe Verantwortung trugen. Und weil ich, wie sie, unser GG liebe und achte, werde ich für dieses GG eintreten und wie für einen heiligen Gral dafür ringen, dass das Schubladendenken abgebaut und der sich immer mehr verbreitende Rechtspopulismus an die Seite gedrängt wird.

Unsichtbare Schlagbäume müssen aufgeschlagen werden, die einem großen Teil unserer Gesellschaft bisher wie ein undurchdringlicher Wall erscheinen muss, dem kein Visums- oder Aufenthaltsgenehmigungsstempel zum beruflichen Aufstieg verhilft. „Break down the wall!“

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Sie haben Ansichten und

Bild von jetzt11

Sie haben Ansichten und Ideen die nur von einem weltfremden Menschen kommen können.
Ausländer müssen hier genauso lernen wie unsere Kinder und sollten keine Sonderbehandlung bekommen, bekommen unsere auch nicht!
Natürlich könnte Deutschland mehr einsparen aber was sie aufzählen sind doch nur kleine Fische welche mit dem Großen und Ganzen nichts zu tun haben.
Mit einer Tempogeschwindigkeit auf 30 kmh ist doch wohl ein schlechter Witz wie kommen sie auf soetwas? Sie wollen sich doch nur dadurch die Erziehung erleichtern. Toleranz und Offenheit hat jeder Mensch verdient der dieses auch gibt und nicht nur vordert.
Was würden ihre Europaschulen denn kosten wäre das Geld nicht besser Angelegt um sichere und saubere Spielplätze zu
schaffen?
In meinen Augen sind sie total Realitätsverdrehend.

@jetzt11

Bild von Vendula Strube

Sofern Sie in die Arbeitsmarktblättchen gucken, werden Sie feststellen, wie oft inzwischen Türkische oder Arabische Muttersprachler gewünscht sind. Arbeitnehmer in festen Arbeitsverhältnissen spüren davon sicherlich kaum was, aber sollten sie ihre Arbeit verlieren, gehören sie spätestens in ca. 10 Jahren zu den Verlierern. Dann wird es kaum mehr einen Arbeitsplatz ohne Kenntnisse aus dem Levantinischen- oder Europäischen Sprachraum geben. Daher sollten wir doch möglichst dafür sorgen, dass unsere Deutschen Kinder ebenfalls wettbewerbsfähig gemacht werden und mehr als nur Englisch lernen. Denn dass alle Englisch lernen, setze ich voraus.

Europa- und Levanteschulen

Bild von Frau Müller

Auszug vom Beitrag "Leistungsdruck wächst." von Gero Fischer vom 15.03.10 siehe unten, zeigt oder leider zeigt nicht, dass die betroffenen Eltern ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Zumal Gewalt in den Familien täglich stattfindet. Und Fakt ist Gewalt erzeugt Gewalt. Alles soll der Staat, die Schulen regeln, ich finde an erster Stelle sollten die Eltern die Verantwortung tragen. Was nützen uns neue Schulen, wenn in den Familien die Missstände, Gewalt (physischer oder/und psychischer) und Desinteresse für die eigenen Kinder vorherrschen. Verantwortung muss eingefordert werden! Und dann in den bestehenden Schulen Erneuerungen durchgesetzt werden (zb.Renovierung etc.), außerdem müssten Sozialarbeiter/Schulpsychologen mindestens die europäischen Standards erreichen. Dennoch sehe ich in erster Linie die Verantwortung der Eltern, wer Kinder haben möchte, trotz Überbevölkerung, sollte doch auch die Verantwortung im normal Fall selbst tragen (dies schließt besondere Fälle, wie Krankheit etc. aus). Auch wenn die deutsche Regierung mehr Kinder fordert, ist dies Global gesehen, der falsche Weg.

Zitat von Gero Fischer:
"Wie hoch ist der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund, die eine Beratung in Anspruch nehmen?

Die Akzeptanz psychologischer Beratung in Migrantenfamilien, speziell aus arabischen Ländern oder der Türkei ist geringer als bei Deutschen. In meinem Beratungszentrum in Berlin beträgt der Anteil ca 25%, der Anteil der Schülerinnen und Schüler liegt aber bei 40%.

Unterscheiden sich ihre Probleme von denen der deutschen Schüler?

Die Probleme von Migrantenfamilien unterscheiden sich deutlich von deutschen Familien. Rund 70% der Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule nur mit einem Hauptschulabschluss, der Anteil ohne Abschluss und arbeitsloser Jugendlicher ist doppelt so hoch wie bei Deutschen. Besonders gravierend ist der hohe Anteil von jugendlichen Intensivstraftätern aus Migrationsfamilien. Hier liegt der Prozentsatz bei 80%."

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