Fußball-Bundesliga Er kam, sah und fiel...

von Björn Rosigkeit - 25.01.2010
Es war wieder einiges los an diesem Bundesligawochenende: Ein Trainer übte sich als Opossum, ein anderer war kurz vorm Fliegen und die Geißböcke verspeisten Wölfe.

Unglaubliche Szenen spielten sich wieder einmal im Bremer Weserstadion ab. Allerdings sorgte nicht etwa das sportliche Auftreten des ruhmreichen SV Werder im Nord-Süd-Gipfel gegen den FC Bayern München für kollektives Staunen, sondern das Verhalten des Münchener Trainers Louis van Gaal. Spätestens seid "Ice Age 2" weiß man, welch geniale Taktik Opossums anwenden, um sich vor einer akuten Bedrohung zu schützen; sie werfen sich auf den Rücken und stellen sich tot. Seid Arjen Robbens Freistoßtreffer, mit dem er das entscheidende 3:2 markierte, wissen wir, dass auch Louis van Gaal diesen Film gesehen hat.

Bereits in der Hinserie gab es eine kuriose Szene, damals lief Franck Ribery mit sichtlich erhöhter Geschwindigkeit auf seinen Coach zu, um sich über einen eben erzielten Treffer zu freuen. Damals rettete nur van Gaals Standhaftigkeit sein Überleben und da der Bayern Coach ein intelligenter Mensch ist, hat er sich für solche Fälle offenbar etwas Neues einfallen lassen. Als nämlich am Samstag Arjen Robben auf ihn zugestürmt kam, wollte er erst fliehen, merkte aber, dass dieses Unterfangen sinnlos war und ließ sich dann einfach elegant auf den Rücken fallen. Allerdings, geholfen hat es nicht, Robben hat sich einfach auf seinen Coach draufgeschmissen und so seinen Torerfolg zelebriert. Das Ganze sah übrigens so aus: www.youtube.com/watch

Für Bremen war dieser Nachmittag übrigens überhaupt nicht erheiternd. Die völlig verdiente Niederlage sorgt dafür, dass der SVW den Anschluss an die Euro-League-Plätze erstmal verloren hat, es droht genau so eine "Goldene Ananas-Saison" wie im letzten Jahr, als man am Ende langweiliger 10. wurde. Nachdenklich stimmt vor allem die Art und Weise der Niederlage, denn wenn man ehrlich ist, hätten sich die Bremer auch über ein 2:8 gegen den FCB nicht beschweren dürfen. Bleibt festzuhalten, dass die Bayern so langsam so richtig ins Rollen kommen, während die Bremer eher schlittern und zwar in eine Krise.

Wo wir gerade bei "unglaublich" waren

Kaum für möglich zu halten sind die aktuellen Auftritte des 1. FC Köln. Nachdem der FC bereits im letzten Spiel gleich zwei Tore erzielte aber letztlich trotzdem als Verlierer dastand, haben die Domstädter am Wochenende gleich drei Mal zugeschlagen. In Wolfsburg gab es einen 3:2-Erfolg, ein Befreiungsschlag für die Geißböcke, während die zahnlosen Wölfe nun endgültig im ganz grauen Mittelmaß angekommen sind. In der Autostadt zeigt sich, dass die Saison nach einem überraschenden Titelgewinn doppelt schwer ist. Von der Eleganz und dem Spielwitz der Meistersaison ist nicht viel übrig geblieben, insbesondere zu Hause fehlt den Wolfsburgern ein Erfolgserlebnis. Für Armin Veh wird die Luft am Niederrhein nun ganz dünn, verschiedene Nachfolger stehen bereits in den Startlöchern.

Mirko Slomka ist zwar nicht so unglaublich, kommt als Nachfolger für Armin Veh aber nicht mehr in Frage. Slomka hat nämlich im Laufe der Woche den Trainerstuhl von Andreas Bergmann in Hannover übernommen, um dort den drohenden Abstieg zu verhindern. Allerdings startete das Unternehmen Slomka denkbar ungünstig, so mussten die 96er gleich mal eine 0-1-Schlappe gegen den FSV Mainz hinnehmen. Zwar sah der neue Trainer bei seiner Mannschaft Fortschritte, die dürfte er aber vorerst ziemlich exklusiv wahrgenommen haben.

Wirklich unglaublich ist die derzeitige Lage bei Borussia Dortmund. Die knallen gerade alle weg, die ihnen vor die Flinte kommen und haben sich bereits bis auf den 4. Platz vorgespielt. Ein besonderer Anreiz für die nächsten Wochen dürfte die Tatsache sein, dass der BVB nur noch zwei Punkte hinter dem Erzrivalen aus Gelsenkirchen liegt. Beim 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV gelang dem BVB außerdem seit langer Zeit mal wieder ein "Big Point". Während in Dortmund also gejubelt wird, komplettiert der HSV ein ganz mieses Wochenende für den Norden. Hamburg, Bremen, Wolfsburg und Hannover haben alle verloren - Land unter!

Unentschlossen und unaufhaltsam

Für den Rest des Spieltags galt: Wohin geht der Weg? Aufwärts oder man weiß es nicht so genau. Im Fall von Bayer Leverkusen ist die Situation klar, einer tollen Hinrunde folgte ein mehr als gelungener Start in die Rückrunde. Nach zwei Siegen gegen Mainz und gegen Hoffenheim bleibt die Werkself an der Tabellenspitze. Auch wenn Toptorjäger Kießling noch nicht getroffen hat, scheint es so als hätte Don Jupp seine Mannschaft im Griff und könnte im unscheinbaren Leverkusen tatsächlich eine Meistermannschaft formen. Hoffenheim hingegen stagniert und ist neben Bremen, Freiburg und Hannover das bislang schlechteste Team der Rückrunde.

Freiburg, Berlin, Nürnberg, Mönchengladbach und Frankfurt treten derzeit irgendwie auf der Stelle. Während das für die Eintracht weniger schlimm ist, immerhin sind die Frankfurter Siebter des Tableaus, ist die Lage für die anderen Teams mehr als prekär. Berlin ist immer noch Letzter, hat durch das 0:0 gegen Gladbach aber immerhin einen weiteren Punkt aufgeholt. die Fohlen haben es hingegen verpasst sich durch einen Sieg in Berlin deutlich von den Abstiegsrängen zu distanzieren. Auch Nürnberg sieht noch kein Licht am Ende des Tunnels, zwar spielt die Mannschaft unter Neu-Trainer Dieter Hecking etwas verbessert, das 1:1 gegen Frankfurt im eigenen Stadion war jedoch letztlich zu wenig. 

Für Freiburg wird es langsam so richtig gefährlich. Zu Hause setzte es eine weitere Niederlage, dieses Mal gegen den VfB Stuttgart. Während die Breisgauer somit zu Hause seit gefühlten eine Millionen Minuten ohne eigenen Torerfolg sind und nahezu darum betteln, endlich auf einen Abstiegsplatz zu dürfen, setzen die Schwaben ihre Aufholjagd fort. Man kann nur gespannt sein, wo und wann die Serie der Stuttgarter endet oder ob vielleicht sogar eine ähnliche Serie möglich ist wie in der letzten Rückrunde,

Jetzt hätte ich fast die Schalker vergessen. Die haben im kleinen Ruhrderby nur ein 2:2 gegen den VfL Bochum geschafft. Den Bochumern gelang quasi mit dem Schlusspfiff der Ausgleich, womit sie Felix Magath so richtig auf die Palme brachten. Wer also in dieser Woche gerne einmal leidende Menschen sehen möchte, der sollte sich auf den Weg zum Schalker Trainingsgelände machen...

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