von Martin Schmidtner - 22.08.2010
Ganz groß oder ganz klein?
Einen gewissen Anreiz scheint Deutschland als Ausrichtungsort des nächsten Eurovision Song Contests durchaus zu haben. Das Interesse an einer Teilnahme ist vorab groß. Verschiedene Länder suchen bereits nach ihren Interpreten oder Interpretinnen - teilweise stehen bereits Vorausscheidungstermine fest und hartnäckig hält sich das Gerücht, dass es eine Rekordanzahl teilnehmender Länder zu erwarten gäbe. Selbst Österreich rechnet sich wieder Chancen aus und will diesmal dabei sein.
Doch für manche Länder könnte es bei einer Absichtsbekundung bleiben - gerade kleine Länder wie etwa das Fürstentum Liechtenstein könnten an den Gebühren und Konditionen, die für eine Mitgliedschaft in der European Broadcasting Union (EBU) und eine Übertragung des Song Contests nötig werden, im Vorfeld scheitern.
Konzepte
Ähnlich geht es den Städten, die das Ereignis so gerne austragen würden. Wir leben eben nicht in einer Halb-Monarchie, wo irgendein Oligarch oder Präsident oder wer auch immer eben mal eine große Olympiahalle für 6 Wochen sperren lässt und per Dekret anordnet, dass für den ESC nahezu unbegrenzte Mittel zur Verfügung zu stehen hätten.
Vielmehr will das Recht auf die Austragung des Musikwettbewerbs teuer bezahlt sein und so haben etliche der Städte, die ihr Interesse Anfang des Sommers noch bekundet hatten, nun doch keine Bewerbungsunterlagen beim NDR eingereicht.
Vier Städte sind übrig geblieben und schickten dem NDR vergangenen Freitag ihre Konzepte: Berlin als Hauptstadt, Hamburg als Heimat des NDR und der traditionellen Reeperbahn-Party, Hannover als Heimatstadt Lenas mit einem landeseigenen Messegelände (siehe Kosten) und Düsseldorf als Messestadt und Landeshauptstadt, mit der im Voraus sicher niemand gerechnet hat - aber wir erinnern uns: auch als Austragungsort des Flashmobs zum Osloer Intervall-Akt hatte nie jemand mit Düsseldorf gerechnet, das dann jedoch den Zuschlag bekommen hatte.
Egal, wo es stattfinden wird - eines soll bereits jetzt feststehen, wie Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungschef, in einer Pressemitteilung verlauten ließ: "Eins lässt sich schon nach der ersten Sichtung der Bewerbungsunterlagen vorhersagen: Deutschland wird ein guter Gastgeber sein und die Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit werden einen sensationellen Eurovision Song Contest erleben!"
Wie das Rennen um die vier Städte ausgehen wird, bleibt noch ein paar Wochen offen. "Im Spätsommer" soll die Entscheidung fallen, gab der NDR bekannt. Getroffen wird sie von ARD, NDR und vor allem auch der EBU. "Die besten Produktionsbedingungen für drei Fernsehshows, die überzeugendste Infrastruktur und die günstigsten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" sollen dabei die entscheidende Rolle spielen - die Hauptrolle in dem spannenden Drama spielt jedoch ganz sicher die Finanzierung.
Berlin
Ein klein wenig von den Konzepten ist mittlerweile auch bekannt geworden. In Berlin zum Beispiel haben alle auf die O2-Arena als moderne Mehrzweckhalle gesehen, doch eine private Halle wie die O2-Arena ist eben nicht einfach für 6 Wochen zu bekommen - die Kosten wären unerschwinglich gewesen. Deshalb sah man sich nach landeseigenen oder landesnahen Alternativen um. Lange im Rennen war wohl das Messsegelände in Charlottenburg, das eine ausgezeichnete Infrastruktur gehabt hätte und mitten in der Stadt gelegen wäre. Doch präferieren Senat und Berlin Marketing nun den stillgelegten Flughafen Tempelhof
Auch wenn wir aus Lokalpatriotismus natürlich der Messe in Charlottenburg den Vorzug gegeben hätten, finden wir die Hangars und das Freigelände des ehemaligen Stadtflughafens keine schlechte Wahl. Bilder von der Luftbrücke oder von Marlene Dietrichs Ankunft in Tempelhof sind in ganz Europa bekannt und bieten viel Stoff für Intervall-Akte. Einziger Wermutstropfen könnte hier die Zuschauerkapazität sein. In Internetforen befürchten Fans seit gestern schlimmes: nur 8000 oder 9000 Zuschauer sollen bei den Shows dort reinpassen - das wäre allerdings heftig bei einem Song Contests, zu dem eine Rekordzahl an Zuschauern erwartet wird. Leider war es uns jetzt am Wochenende nicht möglich, dafür eine Bestätigung oder Aufklärung zu bekommen - warten wir es erst mal gelassen ab.
Auch wenn wir aus Lokalpatriotismus natürlich der Messe in Charlottenburg den Vorzug gegeben hätten, finden wir die Hangars und das Freigelände des ehemaligen Stadtflughafens keine schlechte Wahl. Bilder von der Luftbrücke oder von Marlene Dietrichs Ankunft in Tempelhof sind in ganz Europa bekannt und bieten viel Stoff für Intervall-Akte. Einziger Wermutstropfen könnte hier die Zuschauerkapazität sein. In Internetforen befürchten Fans seit gestern schlimmes: nur 8000 oder 9000 Zuschauer sollen bei den Shows dort reinpassen - das wäre allerdings heftig bei einem Song Contests, zu dem eine Rekordzahl an Zuschauern erwartet wird. Leider war es uns jetzt am Wochenende nicht möglich, dafür eine Bestätigung oder Aufklärung zu bekommen - warten wir es erst mal gelassen ab.
Auch zwei weitere Bewerberstädte haben angeblich dieses Problem - auch in den Konzepten von Hamburg und Hannover soll die Zuschauerzahl auf unter 10000 begrenzt sein. Aber wie gesagt - dies sind für uns alles noch Gerüchte, näheres werden die kommenden Wochen bringen.
Hamburg
Hamburg jedenfalls wirbt mit seinem Flair und mit einem ESC der kurzen Wege zwischen Messegelände und Hotels und hat sicher sehr gute Chancen. In den letzten Jahren hat der NDR immer eine gute Standortpolitik für Hamburg gepflegt und so ist Hamburg sicher mit dabei im Rennen.
Hannover
Hannover hat frühzeitig die landeseigene Messe angeboten und wirbt mit seiner Erfahrung als Messestadt und natürlich mit dem Kind der Stadt Lena Meyer-Landrut. Diese wurde inzwischen allerdings fast ausgebürgert, als sie sich im Juli in einem Radiointerview des Sender N Joy für Berlin als Austragungsort des ESCs aussprach: "Hannover ist natürlich auch total geil", denn wenn sie "jetzt entscheiden könnte, dann würde [sie sich] wahrscheinlich für die Hauptstadt entscheiden, weil das für [sie] plausibel klingt. Hauptstadt ist irgendwie immer gut".
Düsseldorf
Düsseldorf soll sich dagegen mit einer ganz anderen Lösung beworben haben: der überdachbaren Esprit-Arena, Heimat der Fortuna mit 50.000 Sitzplätzen. Was bei den anderen drei Städten ein zuwenig an Sitzplätzen darstellt, könnte hier leicht ein zuviel werden - vor allem was die beiden Semi-Finale angeht, die sich erfahrungsgemäß eher schlecht verkaufen. Allerdings kann eine solche Arena ja sicherlich auch auf 20000 Plätze verkleinert werden.
Chancen scheint sich jedenfalls das Hotelgewerbe der Stadt auszurechnen - waren vor 3 Wochen noch Doppelzimmer für 70 Euro verfügbar, so schnellten nun die Preise verfügbarer Zimmer im Zentrum der Stadt auf 180 bis 450 Euro pro Nacht. Düsseldorf wäre dann wie Hannover wohl eher eine Austragungsstadt der langen Wege.
In wenigen Wochen wissen wir hoffentlich mehr und dann kann die Planung richtig losgehen. Dann wird sich zeigen, ob der ESC, der auf so großes Interesse im In- und Ausland stößt, dieses Interesse bedienen kann und zu einem ganz großen Ereignis wird oder eher zurück zu neuer Bescheidenheit auf seine Fahnen schreiben wird.
Man möge es uns verzeihen, aber wir selbst halten es natürlich mit unserer Siegerin von Oslo und finden auch: Berlin wäre als Hauptstadt "ganz cool".
Lena Meyer-Landrut | Foto: Martin Schmidtner
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