Wer die komplexe neue Dimension nicht aufarbeitet muß mit Einzelpositionen scheitern! Zwei Anträge auf dem Parteitag und vorher eine Verbotsdebatte: ein Anfang, aber noch weit entfernt von der neuen Welt.
Vorausgeschickt: das Dilemma der SPD im Umgang mit den „neuen Medien“ ist weder nur ihr Schicksal noch mit Anklagen zu lösen. Es ist das Ergebnis eines Prozesses, den so in der Geschwindigkeit und im Umfang viele weder vorhergesehen noch im Einzelnen heute schon begreifen konnten.
Ich schreibe hier bewusst „neue Medien“, da ich eine enge Beziehung zwischen Internet, Fernseh- und Bildträgerentwicklung sowie interaktiven Spielangeboten sehe. Zwischen all diesen gibt es unzählige fließende Übergänge, allen gemeinsame Fragestellungen, Probleme und Wirkungen auf die gesellschaftliche Realität hin.
Dabei lassen sich gemeinsame Problemfelder erkennen: Veränderung der Kultur, wirtschaftliche Interessen, Schutzrechte, Teilhabehürden, Werte, nationalisierte Globalisierung so wie globalisierte Nationalisierung, Individualisierung von Konsum und Aktion bei gleichzeitiger Isolation, um nur einige wesentliche Baustellen zu nennen.
Würden diese Medien aber nur kritisch zu betrachten sein, wäre ihre ungeheure Entwicklung und hohe Akzeptanz als Motor derselben kaum nachvollziehbar. Daher sollten zuerst diese positiven Aspekte erfasst und unterstützt werden. .
1. Die Frage für die SPD wäre demnach: Was aus sozialdemokratischer Sicht heraus erscheint begrüßens- und auch unterstützenswert? Wo könnten wir die Neuen Medien positiv fördern, bzw. deren User? Und wie ließen sich diese positiven Entwicklungen in der Partei nutzen, da ohne eigenes Praxisverständnis und praktische Anwendungen die Entwicklung von Forderungen schwer zu bewerkstelligen wären und auch unglaubwürdig erschienen?
2. Wo geben die „Neuen Medien“ selbst „sozialdemokratische“ Antworten? Wo sind diese gefährdet, bzw. wo werden sie ungenügend entwickelt oder gefördert? Kurz: wo können wir Unterstützer des Prozesses sein?
3. Gibt es im WEB, bei der Nutzung von Spielen etc. Gruppen, die unserer besonderen Unterstützung bedürfen? Und wie könnte diese Unterstützung aussehen? (Beispiel Internet und Datenschutz im Betrieb, Sportmöglichkeiten per Konsolen im betrieblichen Gesundheitsmanagement etc.)
4. Wo und wie sind traditionelle Werte, Grundrechte etc. in Gefahr und wie kann man ihnen begegnen um im positiven Sinne die „neue Dimension“ so sicher und wertvoll wie z.B. kommunale Kultureinrichtungen und –angebote werden zu lassen? Und dieses ohne dabei das „Abenteuerland“ zu sehr zu beschränken?
5. Wo und wie treiben sich die Finanz- und Gewinnjongleure dort herum, wieweit haben sie ihre Positionen bereits besetzt und welche „Mitbestimmung“ kann sie kontrollieren, bzw. ihre Energie in bessere Bahnen lenken? Und wo und wie lässt sich ganz ohne sie auskommen? Und wie kann dazu die Rolle des Staates im Innen- und Außenverhältnis definiert werden.
Es geht mir also zurzeit eher um die Suche nach den Erfolg versprechenden Fragen und weniger um die „richtigen“ Antworten. Es geht auch um das Bekenntnis möglichst vieler, die neuen Medien zu nutzen. Wenn nur ein kleiner Teil der SPD sich dazu bekennt, lässt sich dies große Thema schwer in die Partei hinein, noch schwerer aber nach Außen vermitteln. Mit Augen zu und „ich mag die nicht“ ist es heute nicht mehr getan. Im Gegenteil: wir lassen mit solchen Einstellungen die neuen Communitis allein und somit auch unsere Wähler.
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