Bundesliga Ein Jahr geht zu Ende

von Björn Rosigkeit - 30.12.2009
Das Jahr 2009 nähert sich seinem Ende, Grund genug die Geschehnisse des Jahres noch einmal revue passieren zu lassen und einige Auszeichnungen zu vergeben.

2009 bot eine Menge Abwechslung und bescherte dem Fußballfan einige unvergessliche Momente. Auf nationaler Ebene sorgten gleich zwei Vereine für bedeutsame Premieren. Zum einen feierte der VfL Wolfsburg die erste Deutsche Meisterschaft seiner Vereinsgeschichte und ließ einige hochgehandelte Favoriten hinter sich, zum anderen zog ein kleiner Verein im Kraichgau los, um die Großen das Fürchten zu lehren - gemeint ist die TSG Hoffenheim. Doch auch international wusste der deutsche Fußball durchaus zu überzeugen, Werder Bremen schaffte es ins UEFA-Pokal - Endspiel und die Frauennationalmannschaft errang ebenso wie die U-21 den Europameisterschaftstitel.

Einige Auszeichnungen

Den Titel der Mannschaft des Jahres teilen sich in meinen Augen somit die Wolfsburger und die Hoffenheimer. Die TSG schaffte es zwar nicht an den Blitzstart an die Bundesliga mit der gewonnenen Herbstmeisterschaft anzuknüpfen, etablierte sich aber als fester Bestandteil der Liga und spielt konstant um einen Platz im internationalen Geschäft mit. Zudem wird mehr und mehr deutlich, dass der Verein gut strukturiert ist, eine erfolgreiche Jugendarbeit und das neue Stadion sprechen da eine eindeutige Sprache.

Auch der VfL ist ein Senkrechtsstarter des Jahres. Die Meisterschaft hatte den Wölfen eigentlich kaum jemand zugetraut, zwar droht Wolfsburg nun wieder so ein bisschen ins Mittelmaß zurückzufallen, die Doppelbelastung durch Liga und Champions-League und der zusätzliche Druck nun ein Spitzenteam zu sein scheint das Team derzeit zu hemmen, dennoch ist der VfL Wolfsburg berechtigter Anwärter auf den Titel der Mannschaft des Jahres.

Die Mannschaft der Hinrunde der aktuellen Saison ist jedoch keins der beiden Teams. Stattdessen bin ich der Meinung, dass diese Ehre den Mannen von Schalke 04 zusteht. Die hatte eigentlich überhaupt keiner mehr auf der Rechnung, dennoch stehen sie zur Zeit auf dem zweiten Platz der Tabelle und begeistern die Anhänger in Gelsenkirchen mit den so genannten alten Tugenden - Laufen und Kämpfen. Auch Leverkusen wäre natürlich ein Anwärter gewesen, aber da will ich doch erst einmal die Rückrunde abwarten, schließlich hat Bayer schon einige tolle Hinrunden absolviert, dann aber sehr stark nachgelassen.

Der Trainer des Jahres vereint in meinen Augen beide Bereiche, er war der beste Trainer über das gesamte Jahr hinweg gesehen und ist auch der beste Coach der Hinrunde. Gemeint ist Felix Magath, der erst die Meisterschaft mit den Wölfen holte und dann auf Schalke binnen kürzester Zeit ein weiteres Spitzenteam geformt hat. Während er in Wolfsburg dazu ungeahnte finanzielle Möglichkeiten hatte und einige Stars verpflichten konnte, muss er in Schalke nahezu ohne finanziellen Aufwand arbeiten, meistert diese Situation offensichtlich jedoch bravourös. 

Natürlich gab es auch andere Anwärter auf diese Auszeichnung, aber obwohl Leute wie Thomas Schaaf, Jürgen Klopp oder vor allem auch Don Jupp Heynckes in ihren Vereinen tolle Leistungen abliefern, reichen sie nicht an die Errungenschaften eines Felix Magath heran.

Bei den Spielern ist es natürlich schwer aus der Vielzahl toller Kicker ein paar wenige herauszupicken, ich versuche mich trotzdem mal an einer "Elf des Jahres" (in Klammern immer die Spieler, die ich gewählt hätte, wenn ich nur die Hinrunde 2009/10 berücksichtigen würde)

Tor: Tim Wiese und Rene Adler (Wiese und Heinz Müller)

Abwehr: Heiko Westermann, Per Mertesacker, Jerome Boateng, Manuel Friedrich (Sami Hypiä, Naldo, Daniel van Buyten, Marcello Bordon)

Mittelfeld: Mesut Özil, Franck Ribery, Zwejzdan Misimovic, Josue (Özil, Toni Kroos, Jefferson Farfan, Misimovic)

Sturm: Mario Gomez und Edin Dzeko (Stefan Kießling und Lucas Barrios)

Internationale Erfolge

Bereits zu Beginn wurde auf die beiden Titel der Frauennationalmannschaft und der U-21 hingewiesen. Die U-21 setzte damit eine wahre Serie an Titelgewinnen im Jugendbereich der Nationalmannschaft fort, wie sie es bis dato noch nie gegeben hatte. Eng verbunden ist der Erfolg dabei mit Horst Hrubesch, der auch mit der U-19 den EM-Titel gewinnen konnte.

Die Frauen spielten eine tolle EM, deren Krönung ein ungefährdeter 6:2-Finalsieg über England war. Leider bekam man von der Leistung der Frauen nicht allzu viel mit, da die EM in Finnland fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wurde und Anstoßzeiten hervorzauberte, die ihres Gleichen suchten...

Auch die deutschen Vereine sorgten international für Furore. Im Uefa-Cup kam es zu einem deutschen Halbfinale zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen, welches Bremen letztlich auch dank der Hilfe eines Papierkügelchen gewinnen konnte. Zum UEFA-Pokal-Sieg reichte es für Werder dann zwar leider nicht, dennoch war Deutschland endlich mal wieder in einem europäischen Finale vertreten. Auch in dieser Saison lassen die Bundesligateams aufhorchen, Krönung einer tollen internationalen Bilanz war der 4:1-Sieg der Bayern gegen Juventus Turin, damit sind erstmals alle deutschen Mannschaften in die nächste Runde der verschiedenen Wettbewerbe eingezogen. 

Einige Kuriositäten

Alle Kuriositäten des Jahres aufzuzählen ist sicher nicht möglich, an einige unvergessliche Highlights soll an dieser Stelle aber dennoch erinnert werden. Dass eine Paperkugel ein Fußballspiel entscheidet klingt unglaublich war aber wirklich so. Im UEFA-Pokal-Halbfinale zwischen Hamburg und Bremen versprang einem Hamburger Verteidiger ein Ball auf der besagten Papierkugel so unglücklich, dass er ihn direkt ins eigene Toraus passte. Die anschließende Ecke nutzte Werder um den entscheidenden Treffer zu erzielen und ins Finale einzuziehen. Außergewöhnlich an dieser Partie war auch, dass sie eine von vier Begegnungen der beiden Mannschaften in nur drei Wochen war. Neben dem UEFA-Cup trafen beide Teams auch im DFB-Pokal aufeinander und spielten zum Abschluss zudem in der Bundesliga gegeneinander. Alle Partien gewann übrigens Werder, was bei den Hamburger Anhängern ein ziemliches Trauma verursacht hat.

Einmalig waren sicher auch die drei Eigentore von Hannover 96 in einem Spiel, aus denen im Endeffekt eine 3:5-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach resultierte.

Zu den Highlights des Jahres zählt außerdem das Hackentor von Grafite gegen die Bayern, die er damit endgültig in die Krise schoss. Auch Jens Lehmann sorgte in seiner Eigenschaft als Torwart des VfB Stuttgarts für einige Kabinettstückchen. Im ziemlich kalten St. Petersburg riss er beispielsweise seinem eigenen Mitspiel die Mütze vom Kopf und warf sie hinters Tor, um diesen wachzurütteln. Beim Spiel gegen Hoffenheim warf er einen Fußballschuh, den ein gegnerischer Stürmer vorher in einem Zweikampf verloren hatte, auf sein Tornetz und auch die Pipi-Affäre ist natürlich ein Begriff.

Ausblick auf 2010

Das nächste Jahr wird zweifelsohne noch spannender, in der Liga wird sich zeigen, ob Leverkusen an die Leistungen der Hinrunde anknüpfen kann, auch Schalke muss sich beweisen und die Bayern brennen darauf endlich wieder die Tabellenspitze zu erobern. Außerdem gibt es ja noch die WM in Südafrika, vieles also, worauf man sich freuen kann.

In diesem Sinn einen guten Rutsch und auf ein tolles Fußballjahr 2010.

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