Dopingschutzproblematik… ähm, Datenschutz meinte ich

von Andreas Griess - 24.04.2009
Wenn Dopingbekämpfung und Datenschutz aufeinander treffen, gibt es Diskussionsbedarf. Doch ist der Anti-Doping-Kampf der WADA so überhaupt noch möglich?

Dass Doping, neben einer langen Liste anderer unschöner Dinge, der Zerstörer von fairem Sport ist, steht wohl außer Frage. Aus diesem Grund versucht die WADA, die Weltantidoping-Agentur, stets Herr der Lage zu werden und ist dabei naturgemäß immer einen Schritt zurück. 

In Zukunft könnte bildlich gesprochen ein zweiter oder gar dritter Schritt hinzu kommen. Denn laut der EU-Arbeitsgruppe "Artikel 29" sind die Meldepflichten des WADA-Codes 2009 für Leistungssportler ein Verstoß gegen EU-Recht. Das Ergebnis der Arbeitsgruppe wird als Grundlage für eine Grundsatzentscheidung der Europäischen Kommission dienen. 

Worum geht es konkret? Es geht konkret um die Auflage, dass Spitzensportler aus dopingträchtigen Disziplinen für drei Monate in Voraus jeden Tag eine Stunde nennen sollen, zu der sie für Doping-Kontrollen erreichbar sind. Sprich Ort und Zeit. 

In der Praxis ist dies nicht immer leicht durchzuführen, aber kommt diese eine Stunden-Regel dem Sportler schon sehr entgegen. Die nationalen Dopingkontrollen der deutschen Leichtathleten waren früher da durchaus weniger zimperlich: Rechtzeitig abmelden, wenn man für einen längeren Zeitpunkt nicht Zuhause oder in der Nähe seines Wohnortes auffindbar war. Und der Kontrolleur kam einfach irgendwann vorbei, wenn er vorbei kam. Prinzipiell muss der Sportler auch heute noch 24 Stunden am Tag zu Tests bereit sein, aber das ist sehr theoretisch. 

Noch mal in Erinnerung gerufen: Bei der derzeit kritisierten Variante geht es um eine Stunde am Tag, die man angeben soll! Eine Stunde, die der Sportler so legen kann, dass sie sein Privatleben nicht stört. Doch diese eine Stunde soll gegen EU-Recht verstoßen?! 

Wie soll bitte ein effektiver Anti-Doping-Kampf unter diesen Voraussetzungen möglich sein? Mein Handy-Anbieter, google und co. dürfen mehr über mich wissen, als die Anti-Doping-Agentur? Nicht nur dürfen mehr wissen, sondern wissen mehr! 

Ebenfalls in der Kritik ist das Abmeldesystem ADAMS. In Belgien haben 65 Sportler Klage gegen das System eingereicht. Die Daten seien nicht sicher genug und das Ganze verstoße gegen die Europäische Konvention für Menschenrechte. Vermutlich haben sie sich die Textwerke dazu vorher bei Amazon bestellt. Warum sie seitdem Kaufempfehlungen für juristische Bücher per Email bekommen, ist ihnen ein Rätsel. 

Den Vogel schießt jedoch die FIFA ab. Sie verlangt, dass Fußballer im Sommerurlaub quasi „Dopingtestfrei“ haben und nicht für Test zur Verfügung stehen müssen. Das alles kann nicht der Weg sein! So bekommt man die Doping-Problematik nicht in den Griff und macht dadurch langfristig den Sport kaputt! 

Das alles ist natürlich nur meine Meinung zum Thema. Aber immerhin die Meinung eines Sportlers, der selbst bereits mehrfach Dopingtests und „Abmeldeverfahren“ kennen gelernt hat. 

PS: Die spanische Regierung hat mit einem königlichen Dekret Dopingtests in ihrem Land zwischen 23.00 Uhr und 08.00 Uhr verboten.

 

Andreas Grieß ist Online-Journalismus-Student an der Hochschule Darmstadt. Zuvor leistete er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport beim LandesSportBund NRW ab. Selbst ist er aktiver Leichtathlet. Neben dem Studium publiziert er als freier Journalist an verschiedenen Stellen und auf seinem persönlichem Blog (http://griess.wordpress.com). 
Weitere Infos gibt es auf seiner Homepage 
www.andreasgriess.de

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