Filmarbeiten - das Berlinale-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Dokumente aus dem Nahen und Mittleren Osten

von Marc Schulte - 17.02.2010
Dokumentarfilme haben auf der Berlinale ein weit höheres Gewicht und bekommen mehr Aufmerksamkeit als auf der Mitternachtsschiene der Fernsehsender.

Neben den Spielfilmen sind natürlich auch Dokumentarfilme bei der Berlinale zu finden. Da der Mensch nun einmal in erster Linie visuell Informationen aufnimmt, haben gerade diese Filme, die reale Ereignisse festhalten, eine unglaubliche Informationsdichte. Man versteht Konflikte besser, ist über die Realitäten entsetzt, fühlt sich motiviert, sich weiter zu informieren oder selbst aktiv zu werden. Diese Filme werden von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten meistens in die Mitternachtsschiene gesetzt.
Während der Berlinale bekommen diese Filme ein besonderes Gewicht dadurch, dass sich meistens natürlich noch eine Fragerunde mit dem Filmemachern anschließt.

Zwei Filme seien hier beispielhaft genannt: Budrus von Julia Bacha. Sperranlagen zwischen Israel und dem Westjordanland sollen errichtet werden und zwar auf den von den Palästinensern landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Es kommt zu Protestaktionen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Budrus, die friedlich ablaufen sollen. Zwar kommt es im Laufe der Auseinandersetzungen zu Steinwürfen, Sachbeschädigungen, Verhaftungen und Übergriffen, dennoch sind die Aktionen des Aktivisten Ayed Morrar letztlich erfolgreich – die Planungen für die Grenzanlagen werden verändert. Besonders beeindruckend ist die dargestellte Zusammenarbeit mit Friedensaktivisten aus Israel („My friends from Israel.“) Die Filmemacherin bemüht sich, sämtliche Facetten des Konfliktes zu beleuchten ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu urteilen. Auch eine israelische Soldatin und der Armeepressesprecher kommen zu Wort. Und wieder zeigt der Film eindrücklich: Bei diesem Konflikt gibt es kein Schwarz und Weiß – besonders einprägsam für mich die Szene, in der ein israelischer Soldat zu den Protestrufen der Palästinenser gedankenverloren mitwippt.


Budrus | © Berliner Filmfestspiele

 

Wie unpolitisch politisch der Konflikt im Iran vor den Präsidentschaftswahlen ist, zeigt der Film Red, White & the Green (Farben der iranischen Flagge) von Nader Davoodi. Mir Hossein Mussawi wird wie ein Popstar gefeiert, die Farbe der Hoffnung ist grün, die Tage des Amtsinhabers Mahmud Ahmadinedschad scheinen gezählt. Vor allem die jungen Menschen, die ihr Leben auskosten und ihre Individualität ausleben wollen, tragen mit unglaublich zur Schau getragenem Selbstbewusstsein die Farbe Grün. Die konkreten politischen Inhalte erscheinen zweitrangig, es geht um die Grundstimmung und das Gefühl, Freiheit zu spüren.
Mit der faszinierenden Idee, die Bilder schwarz-weiß zu belassen, und nur die grünen Elemente farbig zu zeigen, und sei es auch die Sprite-Flasche, wird deutlich, wie mutig dieser Schritt, grün zu zeigen ist. Und umso bedrückender ist es dann zu wissen, dass diese Hoffnungen nach dem Wahltag am 12. Juni 2009 wie ein Kartenhaus zusammengebrochen sind.


Red, White & The Green | © Berliner Filmfestspiele

 

 

Weitere Vorstellungen:

Budrus:Sa., 20.2. um 20:00 h im CineStar 7

Red, White & the Green: Mi, 17.2., 15:00 CineStar 7 und Do., 18.2. um 17:30 h im Cubix 7

 

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