Doch wie soll man das anders verstehen, dass die Partei und ihr Kandidat Ahlhaus, der am Mittwoch zum Bürgermeister gewählt werden möchte, unbeirrt an ihrem Vorschlag für den Posten des Wirtschaftssenators, dem parteilosen Unternehmer Ian Karan festhalten. Der hat eine Karriere wie aus dem Märchen hingelegt. Vom Waisenkind aus Sri Lanka über Tellerwäscher in Hamburg zum Millionär und Mäzen, angekommen in der Hamburger feinen Gesellschaft. Ein wahrhaft märchenhafter Lebenslauf, in jeder Hinsicht. Musste der doch am Wochenende gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ eingestehen, Einzelheiten seiner Biographie äußerst phantasievoll frisiert zu haben.
Karan, der früher die britische Staatsbürgerschaft besaß, war erst 2009 deutscher Staatsbürger geworden und hatte auch im NDR-Fernsehen damit kokettiert, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn dazu aufgefordert habe. Auf Nachfrage der Zeitung gab er nun zu: „Das ist falsch. Angela Merkel hat mich niemals dazu aufgefordert.“
Vietnamprotest mit kleinem Schönheitsfehler
Passend zur 68er-Nostalgie auch ein anderes Detail aus Karans Biografie, das er gern kolportierte. Er sei als Student ohne Abschluss von der renommierten „London School of Economics“ geflogen, weil er gegen den Vietnamkrieg protestiert habe. Auch diese hübsche Geschichte hat einen kleinen Schönheitsfehler: Sie ist frei erfunden. Gegenüber seiner bisherigen Darstellung musste Karan einräumen: „Das stimmt nicht. Der wahre Grund waren meine hohen Fehlzeiten.“
„Ein toller Mensch“
Doch das sind noch nicht die einzigen biographischen Unschärfen. Bislang hatte der designierte Wirtschaftssenator eingeräumt, den wüsten Rechtspopulisten Ronald Barnabas Schill mit seiner Schill-Partei im Wahlkampf 2001 mit rund 20 000 Euro unterstützt zu haben. „Ich habe ihn unterstützt, weil er ein toller Mensch ist“, so Karan noch 2004, nachdem Schill schon von Bürgermeister von Beust entlassen worden war. Zu den ersten rund 20 000 Euro kamen ein paar Monate nach der Wahl noch einmal 20 000 Euro, weil Schill ihn darum gebeten habe, für den Aufbau der Geschäftstelle der Partei. Insgesamt sind, wie Kahan zugibt, 44 500 Euro an die Schill-Partei geflossen. Der CDU soll er, wie die „FAS“ berichtete, über mehrere Jahre hinweg 570 000 Euro gespendet haben.
Am vergangenen Dienstag erklärte Karan schriftlich: „Später wurde mir klar, dass ich mich in der Schill-Partei getäuscht hatte.“ Eine große Rolle hätten dabei die „herben persönlichen Verfehlungen“ Schills, wie dessen Rede vor dem Bundestag gespielt. Der wüste, ausländerfeindliche Erguss Schills vor dem Bundestag war bereits 2002. Doch noch 2004 hat er dessen Partei, der Schill inzwischen im Streit den Rücken gekehrt hatte, 5000 Euro gegeben, wie er gegenüber der „FAS“ zugeben musste. „Aus Mitleid“, wie er sagte.
Der doppelte Karan
Jetzt wurde bekannt, dass er beim Volksentscheid über die Einführung der Primarschule in Hamburg sowohl die Gegner der Reform, organisiert in der Initiative „Wir wollen lernen“, als auch die Befürworter um alle im Rathaus vertretenen Parteien, Gewerkschaften und Verbände in der Initiative „Chancen für alle“ unterstützt hat. Ein Rückversicherer möchte also Minister in der schwarz-grünen Landesregierung werden, die er in der Schulpolitik unterstützt, deren Gegner er aber gleichzeitig auch subventioniert hat.
Der Wirtschaftssenator in Hamburg ist gleichzeitig als Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburg Port Authority für den Hafen und die Schifffahrt zuständig. Ian Kahan scheint da wohl für die CDU mit seiner phantasievoll aus vielerlei Seemannsgarn gesponnenen Vita der ideale Kandidat zu sein. Die Phantasie an die Macht? Hier hat die CDU die 68er missverstanden.



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