Zunächst - "Diskussion" ist das falsche Wort. Eine Diskussion findet nicht statt. Die Beiträge weniger Autoren erzeugen so gut wie kein Echo. Wenn ein Beitrag wie Karstens "Der Piratenpartei fehlt die Medienkompetenz" vom 15.09.2009 mal 9 Kommentare hat, dann ist das fast schon der Spitzenreiter.
Die Qualität der Beiträge ist - durchwachsen. Einer gelungenen Analyse zum Thema "Wie kann eine politische Bewegung noch effektiver und demokratischer werden?" (Igor Eidman, 01.02.2010) stehen Plattitüden entgegen wie "Weiche für das digitale Zeitalter" (Olaf Scholz, 02.03.2010, wobei ich mir grade zu diesem Thema von diesem Politiker eine etwas ausführlichere Analyse gewünscht hätte).
Der - auch und gerade für außenstehende - interessanteste Beitrag bislang ist m.E. "SPD Online-Beirat 2.0? " (Benedikt Schmitz, 18.02.2010). Dieser Artikel und die Kommentare dazu geben einen tiefen Einblick in die Abläufe innerhalb der SPD und die Probleme, die "Internet-Fans" wie Björn Böhning damit haben, die gute alte Tante SPD ins 21. Jahrhundert zu bringen.
Daß der ehemalige Online-Beirat nun unter anderem Namen wieder aufersteht, ist grundsätzlich positiv. Daß der Parteivorstand die Besetzungsliste weitgehend bestimmt hat und der "Netzgemeinde" im Nachhinein die Möglichkeit eingeräumt wird, 3 (drei!) Mitglieder des neuen Arbeitskreises innerhalb von knapp 3 Tagen bestimmen zu können (und Karsten stundenlang mit der händischen Auswertung der Abstimmung beschäftigt war), zeigt, daß die Strukturen der SPD noch lange nicht in diesem "Internetz" angekommen sind.
Einzelne Ideen wie die Mindmap (Henning Tillmann, 25.01.2010) sind zwar nett gemeint, scheitern m.E. aber: warum ist das Anmelden dort nur mit aktiviertem Javascript möglich? Was soll dieses Spinnennetz mir eigentlich sagen? Wo sind die Inhalte hinter den Schlagworten? Warum ist das bei einem externen Dienstleister gehostet, dessen Datenschutz-Statement in Englisch verfaßt ist?
Daß das Interview mit Martin Dörmann ("Die SPD hat in der Netzpolitik einen Nachholbedarf", 16.12.2009) ein für diesen Bereich recht großes Echo hervorgerufen hat (26 Kommentare, aber darunter ein paar Wiederholungen...), sagt auch viel über den Interviewten aus. Martin Dörmann ist für die "Internet-Gemeinde" das schwarze Schaf der SPD, steht er doch für das Versagen der SPD-Fraktion u.A. bei der Behandlung des Zensursula-Gesetzes wie auch als personifiziertes Beispiel eines "Umfallers".
Als Außenstehender bin ich sehr erstaunt darüber, daß er nun in die Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestages einzieht. Wie es scheint, ist die Personaldecke der SPD(-Fraktion) in Sachen Internet recht dünn. Aber das ist ein ganz anderes Thema ...



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