Was sind das für verrückte Fußballtage! Schiedsrichter schicken sich merkwürdige SMS und e-Mails und scheinen sexuell orientierungslos zu sein. Diego Maradonna beschert der Nationalmannschaft nach dem Vertragshickhack die nächste Krise und auch in der Bundesliga ist dieser Tage scheinbar alles möglich.
Es war definitiv kein gutes Spiel der deutschen Nationaltruppe gegen die Auswahl Argentiniens. Keine einzige echte Torchance über 90 Minuten und ein Gegentor aus der Kategorie "überflüssig wie ein Kropf". Was die ganze Sache auch nicht besser gemacht hat, war der vergebliche Versuch des Fernsehkommentators, das Spiel krampfhaft schön zu reden. Wenn ich nämlich eine Aussage höre, die so klingt: "Das ist ein absolut packendes, hochklassiges Fußballspiel, auch ohne Torraumszenen", dann denke ich mir: "Nö, stimmt nicht". Es gibt kein gutes Fußballspiel ohne Torraumszenen, das ist genauso wenig möglich, wie ein leckeres Bier ohne Alkohol zu brauen! Allerdings sind es bis zur WM zum Glück noch ein paar Tage, es bleibt also genug Zeit den Kader und die Kommentatoren noch in Top-Form zu bringen.
Spitzentrio
An der Spitze der Liga wird es gerade noch einmal so richtig eng. Die Mannschaft der Stunde ist Schalke 04. Die Knappen ließen dem Derbysieg (der an sich ja schon eine kleine gefühlte Meisterschaft ist) ein absolut überzeugendes 4:1 in Frankfurt folgen. Während die Eintrachtler damit weiter eine Wundertüte bleiben, die allerdings auch in dieser Saison mit dem internationalen Geschäft nichts zu tun haben wird, springen die Königsblauen auf den zweiten Tabellenrang. Gerüchten zur Folge hat Felix Magath bereits den Aktenordner aus der letzten Spielzeit aus seinem Schrank geholt, um nachzulesen mit welchen rhetorischen Mitteln er seine Mannschaft möglichst unauffällig zur Meisterschaft bugsieren kann.
Großen Anteil an Schalkes zweitem Platz hat der FC Nürnberg. Den Franken war es an diesem Wochenende vorbehalten die erste Mannschaft zu sein, die dem Team aus Leverkusen in dieser Saison eine Niederlage zufügt. Das Problem der rheinischen Werksmannschaft ist bekannt, einer tollen Hinrunde folgt in der Regel in der so genannten "Moneytime", also dann wenn es um die Wurst geht, der Einbruch. Ich möchte es an dieser Stelle bestimmt nicht beschreien, aber die entscheidende Phase beginnt erst jetzt und der letzte Leverkusener Sieg ist auch schon vier Wochen her.
Tabellenführer bleibt weiterhin der FC Bayern, nach wie vor jedoch nur mit einem hauchdünnen Vorsprung. Ähnlich wie in Nürnberg gelang auch gegen das Kellerkind aus Köln auswärts kein Sieg. Trotzdem war beim 1:1 gegen die Geißböcke für jeden etwas dabei. Erst traf Prinz Poldi zum ersten Mal nach 1420 Minute wieder in ein gegnerisches Tor und bewies nach dem Spiel auch noch seinen Sinn für Humor. Als ihn ein Kommentator fragte, wie er denn die lange Zeit der Torlosigkeit empfunden habe, antwortete Poldi ganz cool, dass er schon überlegte, ob er sich die Zahl eintätowieren lassen soll - noch ein Treffer für Poldi. Ich will an dieser Stelle zwar nicht unken, anmerken muss man jedoch schon, dass Poldi bei seinem Treffer reichlich Mithilfe des Bayern-Fängers Jörg Butt hatte. Dieser machte nämlich eher einen auf "fliegenden Fisch" als auf Torwächter und boxte sich den zentralen Freistoß mehr oder weniger selbst in die Maschen. Da im zweiten Durchgang der "Schweini" den Ausgleich markieren konnte, waren am Ende alle zufrieden. München bleibt Erster, Schweini und Poldi treffen wieder und Louis van Gall wird bald Nationaltrainer.
Kampf ums internationale Geschäft
Auch hinter dem Spitzentrio geht es weiterhin richtig zur Sache. Im direkten Duell um den 5. Platz trafen am Samstag Stuttgart und Bremen aufeinander. Die Schwaben standen zum Beginn der Rückrunde noch im Tabellenkeller haben sich durch eine imposante Siegesserie allerdings bis in die vorderen Regionen vorgespielt. Auch Bremen hat sich nach desaströsen Rückrundenbeginn wieder gefangen, einem unterhaltsamen Spiel stand also nichts im Wege. Zu einem solchen kam es dann auch tatsächlich, denn die Zuschauer bekamen beim gerechten 2:2 Torszenen in Hülle und Fülle geboten, nur einer konnte bei dem schönen Spiel nicht so recht mithalten, der braune Rasen. Dieser wird am Montag ausgetauscht, leider zu spät für Stuttgarts Cacau, der in der ersten Halbzeit völlig freistehend verzog, da der Ball kurz vor seinem Schuss unberechenbar aufsetzte. Ein Highlight abseits des Platzes lieferte VfB-Schlussmann Jens Lehmann, der öffentlich damit kokettierte seine Karriere doch noch mal um ein Jahr zu verlängern. Ich würde mich sehr über diesen Entschluss freuen, schließlich ist Lehmann immer für eine Schlagzeile gut, beim VfB ist man sich diesbezüglich nicht so sicher, warten wir also mal ab, wie es mit Jens Lehmann weitergeht.
Rehabilitation leistete der aktuell Fünftplazierte Borussia Dortmund im Duell der "Borussias" gegen Mönchengladbach. Beim 3:0 entzauberte vor allem BVB-Stürmer Mohamed Zidan die Fohlen und versöhnte die Anhänger nach der Schlappe im Revier-Derby aus der Vorwoche. Dortmund um Trainer Jürgen Klopp setzt sich somit auf dem letzten zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigenden Platz fest.
Auch der HSV konnte mal wieder ein Erfolgserlebnis verbuchen. Gegen die traurigste Mannschaft der Liga gelang ein wenig überzeugender 1:0 Sieg, der den Hanseaten - und das ist im Prinzip das Einzigste wo zählt (wie man bei uns so sagt) - aber einen 4-Punkte-Vorsprung vor dem Tabellensechsten beschert.
Mittelmaß und Existenzkampf
Im Kampf um die "goldene Ananas" hat der VfL Wolfsburg zur Zeit die besten Aussichten. Offensichtlich hat sich der amtierende Deutsche Meister gefangen, beim überzeugenden 4:1 gegen Bochum boten die Wölfe jedenfalls echt guten Fußball. Für den Autowerksclub gibt es trotzdem in der Meisterschaft nichts mehr zu holen, allerdings besteht immerhin noch die Chance in der Euroleague für Furore zu sorgen. Für Bochum geht es nur darum nicht abzusteigen, noch scheint das Polster groß, zu sicher sein sollte man sich in der Ruhrstadt aber nicht.
Hoffenheim spielt auch noch um die berüchtigte exotische Frucht, lässt dabei aber weiter Federn. Gegen die ebenfalls nicht übermäßig toll spielenden Mainzer setzte es jetzt sogar eine Heimniederlage. Für Mainz läuft damit alles nach Plan, mit dem Abstieg hat der Aufsteiger aber auch mal so gar nichts zu tun, auch wenn es für die oberen Plätze nicht mehr reichen wird, so winkt doch zumindest ein einstelliger Tabellenplatz am Saisonende. In Hoffenheim können sie auch schon für die nächste Saison planen, mal schauen was dabei rumkommt.
Einen echten Knaller gab es in Freiburg - der heimische SC gegen Hannover 96, das war Überlebenskampf pur. Nun will ich hier keine verfrühte Totenmesse halten, aber nach dem 96er Sieg, sieht es doch ganz so aus, als ob sich die Breisgauer auf den Weg in die 2. Liga machen. Nach unzähligen sieglosen Spielen auf dem viertletzten Tabellenrang, sind die Freiburger mittlerweile da hingekommen, wo sie, man muss es leider so sagen, auch wenn der Verein an sich sehr sympathisch ist, hingehören. Wäre da nicht die Hertha, der SC wäre zu Recht das traurige Schlusslicht. Im Gegensatz dazu dürfte den Spielern und Verantwortlichen von Hannover ein mittleres Gebirge vom Herzen gefallen sein. Der erste Sieg nach einer unbegreiflich langen Zeit und endlich Licht am Ende des Tunnels. Die 96er sind gefallen und wieder aufgestanden, jetzt heißt es für den Rest der Saison: Stehen bleiben!
Ein frommer Wunsch zum Schluss
Mein Bruder hat heute Geburtstag: Er ist ein echt feiner Kerl, hat allerdings ein großes Problem, er ist Fan von Hertha BSC Berlin. Da ich meinen Bruder sehr mag wünsche ich mir an dieser Stelle, dass noch ein Wunder passiert und die Berliner irgendwie das Spiel in der nächsten Woche gegen Nürnberg gewinnen. Denn obwohl man es kaum glauben kann, bis zu einem Nichtabstiegsplatz (den hat ausgerechnet jetzt der 1. FC Nürnberg inne) sind es immer noch nur sechs Punkte. Also drückt die Daumen ihr Hertha-Fans, denn sonst dürfte nicht mehr viel helfen...



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