Das FDP-Problem heißt Westerwelle

von Christian Soeder - 12.02.2010
Die FDP hat bei der Bundestagswahl 2009 ihr historisch bestes Ergebnis erzielt, sie ist momentan auf dem Höhepunkt ihrer Macht, in so vielen Länderparlamenten vertreten wie niemals zuvor und an so vielen Regierungen beteiligt wie niemals zuvor. Sie stellt den Vizekanzler und besetzt wichtige Ministerien.

Das verdankt sie zum Großteil der überragenden Agitationskunst des Guido Westerwelle: er hat es geschafft, in den letzten 11 Jahren sich als die Stimme des scheinbar vergessenen Bürgertums zu profilieren, und dabei gleichzeitig die einstmals pluralistische FDP auf eine Westerwelle-Partei zu eichen: „FDP, c’est moi.“ Die FDP ist Westerwelle, und Westerwelle ist die FDP.

Nun wird aber von Umfrage zu Umfrage mehr und mehr deutlich: diese westerwellsche Gefangenschaft, in die sich die FDP freiwillig begeben hat, hat funktioniert, so lange die FDP in der Opposition war - in der Regierung indessen gerät die markttheologische Mövenpick-Partei in Turbulenzen; besonders in einer Zeit, die nach Regulierung lechzt, zu einer Zeit, wo Neoliberalismus nicht mehr als Allheilmittel angesehen wird.

Guido Westerwelle war es, der die FDP auf Gedeih und Verderb an die Union kettete; ein Westerwelle in einer Koalition mit Andrea Nahles oder Claudia Roth? Undenkbar. Westerwelle hat die FDP, die in der Vergangenheit gut mit der SPD regiert hat, derart radikal ausgerichtet, dass sozialliberale Koalitionen quasi undenkbar erscheinen. Das bedeutet: die einzige Chance der FDP, an die Regierung zu kommen, ist die Union; die Union indessen hat nicht nur die Grünen, sondern auch noch die oftmals viel zu handzahme SPD in der Hinterhand. Das spürt die Union, und die FDP spürt es natürlich auch - weshalb die Union die FDP nicht über Gebühr ernstnehmen muss.

Diese Verweigerung einer momentan bedeutenden Partei im parlamentarischen Spektrum, mit der anderen Volkspartei SPD auch nur zu reden, hat natürlich noch weitere Folgen: die Union hat damit quasi die Garantie, auf ewig die Kanzlerschaft inne zu haben (sofern die Option Rot-Rot-Grün nicht doch irgendwann genutzt wird - wonach es momentan allerdings nicht aussieht).

Die Westerwelle-FDP ist damit wieder zu einer CDU-Kanzlerschaft-Bewahrungspartei verkommen.

Wenn die FDP wieder selbstständig entscheiden will, mit wem sie koaliert, dann führt kein Weg daran vorbei: sie muss sich vom omnipotenten Guido Westerwelle emanzipieren, sie muss wieder eigenständige Kraft werden, die selbstbewusst genug ist, sich nicht auf die einzige Option „Union“ zu versteifen.

Ansonsten führt der Weg der FDP auf dem direkten Weg in die Bedeutungslosigkeit. So unwahrscheinlich das nach dem Bundestagswahlergebnis auch scheinen mag.

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Westerwelle?

Bild von Knud Weiß

Westerwelle ist kein Verführer, und die FDP ist kein Kindchen.

Die SPD muss schnell und deutlich machen, dass ihre Ansätze wirtschaftlich und sozial in die richtige Richtung führen und führten! Die Arbeitslosigkeit steht allen vor Augen, auch wenn sie nicht betroffen sind. Die Politik der Unübersichtlichkeit wurde von H. Kohl praktiziert und bestimmt noch immer unsere Kultur. Transparenz dagegen heißt: Klarheit und Einsicht in die geplanten Lösungswege.

Der Artikel von Christian Soeder über den Außenminister lässt sich auf die Schattenspiele ein, die tatsächliche politische Entscheidungen verdecken sollen.

Darum bitte ich: bringt Sachargumente, einigt Euch auf einen klaren Weg, der der bessere ist, und die rechte wie die linke Seite haben nichts gegen die Sozialdemokratie vorzubringen, sondern schlottern in ihren argumentationsleeren Beinkleidern. So wird die Kultur der sozialen Gerechtigkeit und eine Wirtschaftspolitik durchgesetzt, die nicht aus Angst vor Arbeitslosigkeit beteiligen lässt, sondern aus Interesse an einem Anteil an Gestaltung und Wohlstand.

"Ein Esel im Außenamt"

Bild von ROTER RITTER

Endlich sagt einen mal die Warheit:
Ein zizat von Heiner Geißler:
Geißler: "Ein Esel im Außenamt"

Über Westerwelles Aussage von der "spätrömischen Dekadenz" in der Hartz-IV-Debatte sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler der Tageszeitung "Die Welt": "Die spätrömische Dekadenz bestand darin, dass die Reichen nach ihren Fressgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat." Insofern stimme Westerwelles Vergleich, sagte Geißler weiter: Vor 100 Tagen sei "ein Esel Bundesaußenminister geworden".
Nicht nur das in der FDP Arrogante und Dumme leute sind nein die kann auch jeder kaufen.

Problem Westerwelle?

Bild von Andrea Arcais

Westerwelle ist nicht das Problem, er ist Ausdruck einer Entwicklung der FDP hin zu einer ideologiegesteuerten Partei, die eine andere Rolle im parlamentarischen System spielt. Es hat sicherlich politisch ästhetische Vorteile, wenn sich diese Partei ihres Vorsitzenden entledigen würde, an der Ausrichtung ändert dies nichts.
Die Personalisierung führt in diesem Falle - wie in fast allen Fällen- in die Irre.

Beste Grüße

Andrea Arcais

Ich sehe das anders.

Ich sehe das anders. Westerwelle ist gleichzeitig Ursache, Wirkung und Symptom. Er hat die FDP wie kein anderer in diese Lage gebracht - und es gibt FDPler, die mit dem momentanen FDP-Kurs nicht zufrieden sind.

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