Euro-Vision 2010 - Das ESC-Blog von Marc Schulte und Martin Schmidtner Countdown 2010

von Marc Schulte - 29.12.2009
Das Vorurteil, der ESC sei eine unpolitische Veranstaltung, konnten wir hier im Vorwärts bereits in diesem Jahr mit unserer Berichterstattung aus Moskau entkräften. – wie politisch er bisweilen sein kann, auch wenn er nicht per se integralen Bestandteil des Feuilletons einer sozialdemokratischen Zeitung ist, zeigte sich erneut heute Morgen: in Israel tagte der Kulturausschuss der Knesset und beriet über den ESC. Aber auch ohne parlamentarische Verwicklungen stehen die ersten Teilnehmerländer in den Startlöchern für den Song Contest, der vom 15.-29. Mai 2010 in Oslo stattfinden wird.
 
Starterfeld
 
Die Finanzkrise macht auch vor Fernsehanstalten nicht Halt: Und so gab es aus dem Teilnehmerfeld des letzten Jahres Absagen aus Andorra, Montenegro, Tschechien und Ungarn. Auch Litauen hat sich bis zum 14. Dezember, dem offiziellen Anmeldeschluss, noch nicht angemeldet – man hoffe noch auf einen Sponsor und auf die Möglichkeit einer Nachmeldung. Nachdem Georgien 2009 in Moskau nicht angetreten war bzw. nicht antreten durfte, weil es ein Schmählied gegen Putin ins Feld geführt hatte, ist es jetzt wieder dabei.
Andere Neu- bzw. Wiedereinsteiger gibt es nicht – der ORF schmollt weiter - der vorletzte Platz im Semifinale 2007 war zuviel für unsere österreichischen Nachbarn, zum dritten Mal sind sie seitdem nicht mehr dabei. Seit 1994 auch nicht dabei: Italien (mit der Ausnahme 1997) und Luxemburg. Damit starten aus dem 27er EU Feld 21 bzw. 22 (inkl. Litauen) Staaten. Insgesamt rechnen wir mit 38 bzw. 39 Teilnehmern.
Erwähnenswert bleibt auch, dass Armenien nach der Verhängung einer Geldstrafe für das Nachbarland Aserbaidschan durch die EBU (European Broadcasting Union) nun doch am ESC teilnehmen wird – auch wenn die Geldstrafe nach Informationen von esctoday mit 2.700 € eher lächerlich ist, genügte Armenien die symbolische Ächtung der Regelwidrigkeiten Aserbaidschans anscheinend, um von einem Boykott abzusehen. Wie hoch die Strafe für die spanische Sendeanstalt ausfiel, die das erste Moskauer Halbfinale regelwidrig zeitversetzt ausgestrahlt hatte, ist uns nicht bekannt.
 
Vorauswahl und Vorentscheidungen
 
Einige Länder verzichten auf eine mühsame Vorentscheidung, andere veranstalten ein mehrwöchiges Spektakel. In Belgien, Bulgarien, Israel und in der Schweiz wurde die Entscheidung über den Künstler schon getroffen - das Lied steht aber noch nicht fest, hier wird das Fernsehpublikum in Bulgarien und Israel bei der Auswahl mit einbezogen.
Bemerkenswert ist, dass bisher nur Männer benannt wurden.
Für Belgien geht der 20jährige Liedermacher Tom Dice, Teilnehmer der Casting-Show X-Factor, an den Start. Bulgarien schickt den 33 jährigen Sänger Miroslav Kostandinov, genannt Miro, der als Gaststar beim Konzert von Rihanna in Sofia auftreten durfte. Die Schweiz vertritt der 38jährige Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2000 Michael von der Heide.
Und Israelschickt den 28 jährigen Harel Skaat ins Rennen, der seit 2004 in Israel durch eine Casting Show bekannt wurde, wo er angeblich wegen Manipulationen beim Televoting nur Zweiter wurde. Im letzten Jahr hinderte ihn ein Rechtsstreit mit seiner Plattenfirma an einer Teilnahme, obwohl sein Name auch da schon gehandelt worden war. Und auch jetzt gab es zunächst Fragezeichen. Denn in Israel konkurrieren zwei Produktionsfirmen um das Recht, den Titel zu präsentieren – und so tauchte plötzlich ein zweiter Name auf: Vladi Bleigberg, auch ein Casting-Show-Talent. Im Zuge der Debatte im Kulturausschuss der Knesset über die schlechten Ergebnisse der israelischen Beiträge der letzten Jahre wurde dann heute Morgen Havel Skaat als israelischer Teilnehmer bestätigt.. Hier eine Kostprobe von ihm.
 
Niederlande
 
Die Niederlande hat ein ganz neues Verfahren entwickelt: Hier ist ein Lied - macht was draus, dann sehen wir weiter. Der Schlümpfe-Sänger Vadder Abraham, eigentlich Pierre Kartner, wurde für eine Komposition beauftragt. Er hat das geliefert, was zu befürchten war: ein Lied, dessen Text mehr als einfältig ist, zu einer Melodie, die gelinde gesagt, eher auf einer Musikkassette der Achtziger aus dem Kinderzimmer zu finden ist.
 
 
Jetzt dürfen sich sieben Künstler mit dieser Vorlage herumquälen und ihre eigene Version davon dem niederländischen Publikum präsentieren. Sieben Mal also dieser Song – wer dann noch nicht weggezappt hat, erfährt, wen Pierre Kartner für würdig erachtet, nach Oslo zu fahren, denn die Entscheidung trifft wiederum Vadder Abraham!
Zum Vormerken jetzt schon mal der Refrain:
 
Shalali shalala shalali shalala,
het gaat niet uit m'n kop
Shalali shalala shalali shalala
ik sta d'r 's morgens mee op.
Ik ben verliefd op jou,
daarom vergeet ik alles gauw en weet ik het niet meer
Shalali shalala shalali shalala,
zo gaat het ongeveer.
Fast so "schön" wie das Original ist die Google-Übersetzung dazu:
:
Shalali shalala Shalali Shalala,
es ist nicht meine Tasse
Shalali Shalala Shalala Shalali
Ich bin d'r Morgen mit ihm.
Ich bin in dich verliebt,
so bald alles vergessen und ich weiß nicht
Shalali shalala Shalali Shalala,
so geht es rund.
 
 
Albanien
 
Albanien schickt wieder den Sieger des nationalen Liederwettbewerbs Festival i Këngës. Am 24. Dezember präsentierte sich das Hauptfeld mit den erfahrenen Künstlerinnen und Künstlern mit 17 Beiträgen, am 25. Dezember wurden aus der Nachwuchsgruppe zwei ausgewählt, die das Hauptfeld ergänzten, das sich am 26. Dezembert noch einmal präsentieren durfte und am 27. Dezember kam es dann zur Entscheidung im Großen Finale.
Sieger wurde die 29 jährige Juliana Pasha mit ihrem Lied Nuk mundem pa ty (Ich kann nicht ohne dich) – ein folgerichtiger Sieg: 2007 errang sie im Kongresspalast von Tirana den 3. Platz, 2008 den 2. Platz und jetzt endlich den 1. Platz.
Juliana Pasha beginnt rockig mit „Oh yeah yeah yeah“. Getragen vom Stampfrhythmus glaubt man ihr die Liebesbotschaft sofort. Kritiker werfen ihr ein Plagiat bei Womanizer vor, aber aus den letzten Jahren wissen wir ja: die albanischen Beiträge werden bis zum Auftritt auf großer Bühne noch um einiges aufgefrischt. Insofern haben wir hier eh' nur die Rohfassung:
 

 

 

 

  

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