Frauentag Bedingungsloses Grundeinkommen

von Amely Weiß - 09.03.2010
Jeder Mensch, egal ob Frau, Mann oder Kind, braucht ein Einkommen, um leben zu können - eine eigenständige Existenzsicherung für jeden und jede. Die Frage ist: Braucht er oder sie dafür zwingendermaßen eine Erwerbsarbeit?

Auch wenn manchem der Gedanke nicht gefällt: Die traditionelle Erwerbsarbeit nimmt im Zuge der Technisierung immer mehr ab. Eine Folge davon: Angst vor Arbeitslosigkeit und der damit verbundene finanzielle Abstieg.

In der Frauen- und damit in der Gesellschaftspolitik ist die Zeit zum Umdenken gekommen. Der Diskurs über die Verelendung, über die nach wie vor schlechten Bedingungen von Frauen im Erwerbsleben und über die so genannte Faulheit der Hartz-IV-EmpfängerInnen lähmt! Die Angst, die bei Betroffenen ausgelöst wird, lähmt kreatives Denken und Handeln.

Es ist Zeit, die Trennung von Produktions- und Reproduktionsarbeit aufzuheben, die Arbeit gerecht zu verteilen und jedem Menschen zu ermöglichen, sein eigenes Leben als Kunstwerk zu gestalten und gleichzeitig an der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung teilzuhaben. Wie kann das gelingen?

Hier tritt ein schillerndes und utopisch anmutendes Gesellschaftskonzept in die verfahrene Diskussion über unsere Sozialen Sicherungssysteme: Das Bedingungslose Grundeinkommen, kurz BGE.
Es steht allen Bürgerinnen und Bürgern auf Basis eines individuellen Rechtsanspruchs zu, ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, ist einkommens- und vermögensunabhängig und es zwingt nicht zur Erwerbsarbeit.

Das BGE bedeutet die konsequente Entkopplung von Arbeit und Einkommen.
Unabhängig von einer Erwerbsarbeit besteht eine Einkommenssicherung für jeden Menschen.
Wer darüber hinaus Einkommen erwerben will oder aus anderen Gründen einer Arbeit nachgehen möchte, muss sich auch zukünftig für den Arbeitsmarkt qualifizieren, eine entsprechende Beschäftigung suchen oder sich selbständig machen. Doch besteht dazu weder eine normative Verpflichtung noch ein finanzieller Zwang. Jeder kann sich entscheiden, seinen Beitrag zu leisten, wo immer er oder sie es für richtig hält.

Oh Schreck - dann arbeitet ja keiner mehr!
 
Die gesellschaftlichen Auswirkungen, die ein BGE entfalten würde, wären vermutlich durchaus positiv. Die Bürgerinnen und Bürger dürften wesentlich mehr Verantwortungsgefühl gegenüber einer verbindenden Gemeinschaft - unserem Staat - empfinden, der berechenbar und bedingungslos ihre Existenz sichert, als dies heute der Fall ist. Eine gesellschaftliche Ausgangslage, die es allen ermöglicht, einen erfüllenden Beruf frei von finanziellen Zwängen zu wählen, würde ganz andere kreative Potenziale in Deutschland freisetzen, als es die momentane Situation erlaubt.

Natürlich wird es immer Menschen geben, die keine Neigung in irgendeiner Form verspüren, sich in die Gesellschaft einzubringen. Aber diese gibt es auch schon heute unter dem bestehenden System. Sie sind jedoch ein wesentlich geringerer Prozentsatz als jene Menschen, die unfreiwillig im jetzigen Gefüge ihrer Würde beraubt werden.

Das BGE bedeutet nicht das Ende der Erwerbsarbeit, wohl aber trägt es der Tatsache Rechnung, dass Erwerbsarbeit endlich ist.

Erwerbsarbeit kann außerdem nicht der einzige Sinnstifter menschlicher Existenz sein.
Wenn man es ganz nüchtern betrachtet: Arbeit hat erstmal keinen Zweck an sich, sondern dient der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen, die Absatz finden. Insofern hat auch die Wirtschaft nicht die Aufgabe, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Werte zu erzeugen. Dies geschieht nur dann bestmöglich, wenn Arbeitsbedingungen herrschen, die Leistung fördern. Leistung entsteht aber nicht aus Angst, sondern aus positiver Motivation. Wenn jeder Mensch frei ist in der Wahl seines Berufes bzw. seiner Beschäftigung, ist das der beste Garant für Kreativität, Leistungsfähigkeit und damit auch Wohlstandssteigerung.

Einige Feministinnen stehen dem BGE skeptisch gegenüber. Sehen wir Erwerbsarbeit als einzigen Ort, an dem Identität entsteht, dann wird Teilhabe an Erwerbsarbeit zur Messlatte erreichter Gleichstellung von Mann und Frau. In dieser Konzeption verwirklicht sich der Mensch nur durch Arbeit selbst - Persönlichkeit, Neigungen und Interessen spielen eine untergeordnete Rolle.

Nicht Freiheit ist das höchste Gut, sondern der Zugang zu Erwerbsarbeit

Tragen wir aber der Tatsache Rechnung, dass der Sinn des Lebens und die Vorstellung von Teilhabe für jeden Menschen ganz unterschiedlich aussehen können, dann ist Lebensglück nicht zwingend an Erwerbsarbeit geknüpft. Freiheit in Form von finanzieller Unabhängigkeit und Selbstbestimmung (das sind im Übrigen „ur-feministische“ bzw. emanzipatorische Forderungen) sind somit ein übergeordnetes und höheres Gut. Dieses wird durch ein BGE verwirklicht.

Im Übrigen soll mit einem Grundeinkommen ja nicht Arbeit abgeschafft oder der Zugang zu Erwerbsarbeit versperrt werden, schon gar nicht speziell für Frauen. Beseitigt werden soll der Zwang zur Arbeit.

Da ein BGE pro Kopf ausbezahlt wird, stünde Familien bzw. Alleinerziehenden durchschnittlich ein wesentlich höheres Gesamteinkommen zur Verfügung als heute. Damit gibt es praktisch nur noch „Zuverdiener“. Die geschlechtsbezogenen Rollenbilder „Haupternährer“ und „Familienarbeiterin“ dürften an Bedeutung verlieren. Auseinandersetzungen um eine gerechte Aufgabenverteilung in Partnerschaften würde es zwar immer noch geben. Diese können aber losgelöst von finanziellen Zwängen und unabhängig vom Geschlecht,entsprechend der eigenen Neigungen und Interessen geführt werden.

In diesem Sinne Frauen und Männer: Lasst uns mehr Freiheit wagen!

 

Stefanie Gemählich, Amely Weiß, AsF-Nürnberg
 

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Gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen!

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10,50 EUR Mütter-Frauen Mindestlohn

Bild von Wendula Strube

"Das BGE bedeutet die konsequente Entkopplung von Arbeit und Einkommen." Der Mindestlohn von 10,50 EUR, für Mütter-Frauen bedeutet Anerkennung und Unabhängigkeit für eine bisher unentgeltliche Dienstleistung am und im Staat.

Man kann 100 Jahre nach dem 1. Frauentag nicht länger hinnehmen, dass Frauen stets für Kinder und Haushalt zuständig sein sollen, Männer aber weiterhin kaum. So lautet immer noch oft genug der Wunschgedanke, vieler und insbesondere männlicher Konservativer unserer Gesellschaft, aber auch bis hin zu intellektuellen Frauen, dass Frauen für Haushalt und Kinder unbezahlt zuständig sein sollen.

Allein der Wunsch nach Hilfe für "Insidework", der an Männern gerichtet wird, reicht nicht aus. Jede Frau und Mutter-Frau muss einzeln dafür zu Hause kämpfen, dass ihr Partner im Haushalt hilft. Um den Frauen und Mütter-Frauen im Kampf um diese selbstverständliche Arbeit Hilfe zu leisten, müssen Männer notfalls gesetzlich dazu verpflichtet werden, im Haushalt mit anzupacken. Gleichzeitig müssen Sie über die Quote in der Arbeitswelt zum Loslassen aufgefordert werden und den Frauen den Raum geben, sich Möglichkeiten zu erobern.

Ein gesetzliches Instrumentarium dafür wäre, die sofortige Abschaffung des Ehegattensplittings, ein anderes die Quote in der Arbeitswelt. Eine dritte Möglichkeit ist die Einführung des Mütter-Frauen-Mindestlohn in Höhe von 10,50 EUR, der gerne auch an Väter-Männer erteilt werden darf.

Damit würde endlich über die Wertigkeit des Geldes signalisiert, dass Kinderbekommen, deren Hintern zu putzen, Essen zu kochen, Schulaufgabenhilfe zu geben, Terminpflege für die Aktivitäten der Kinder, Datenpflege...für die Familie ebenfalls einen Geldwert innerhalb des Staates bedeutet.

In Diskussionen ist immer noch heraus zu hören, dass nur die Arbeit Anerkennung verdient, die Geld erwirtschaftet. Vor allem wird es von Frauen und Männern behauptet, die selbst die Erfahrung Kinder zu erziehen nur aus Märchenbüchern kennen und sich erlauben, Urteile über ein Gebiet zu äußern, das sie nie betreten haben. Dazu fällt mir spontan immer das Sprichwort ein, "SchusteRin bleib bei deinen Leisten". Da aber jedes groß gezogene Kind in den Gesamthaushalt Geld einspeist – Stichwort: Kind = Einfamilienhaus - und dieses Geld zunächst den Eltern vollständig verloren geht, kann die adäquate Antwort darauf nur heißen:

10,50 EUR Mütter-Frauen-Mindestlohn!

Mütter-Frauen müssen mit 10,50 EUR Mütter-Frauen-Mindestlohn bezahlt werden. All diejenigen, die sich eine derartige Mütter-Frauen-Dienstleistung bisher auf der Basis des Ehrenamtes oder sollte man sogar von Schwarzarbeit reden, erschlichen haben, müssen begreifen, dass es eine Dienstleistung ist, Mutter-Frau zu sein. Damit die weit über 119 Stundenwoche (= 168 Wochenstunden – ca. 49 h Schlaf) anerkannt wird, die bisher unentgeltlich verrichtet und auch von den meisten Menschen, die keine Kinder zur Welt bringen, nicht als ernstzunehmende Arbeit, endgültig als Tätigkeit im Dienstleistungssektor anerkannt wird.

Daher meine Forderung von 10,50 EUR Mütter-Frauen-Mindestlohn.

10,50 X 119 h X 4= 4.998,00 EUR Bruttogehalt X 60 % = 2.998,80 EUR Nettogehalt für Mütter-Frauen sofort, her damit!

Hierbei sind weder Feiertags-, Spät- noch Nachtschichtzulagen einbezogen, die könnte man auch noch einbeziehen.

Wenn man nun noch Prämien mit einbeziehen würde, sagen wir mal, ab dem zweiten Kind 5.000,00 EUR p. a. dann sähe es noch besser und gerechter aus!

Lieben Gruß an alle Schwestern und Mütter-Frauen

Wendula Strube
13. Abteilung - Am Luisenbad -

"Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind; wir sehen sie so, wie wir sind." (Anais Nin)

Das ist moderne Sozialdemokratie

Bild von Patrick O. Ehrmann

den Menschen von wirtschaftlichen Zwängen befreien. Das Faustrecht des wirtschaftlich Stärkeren in notwendige Schranken weisen.

Oder warum verdienen Frauen für gleiche Arbeit immer noch weniger ?

deutscher nachhaltigkeitspreis

Bild von winfried merkel

Hallo GrundeinkommensbefürworterInnen,

wählt Götz W. Werner, damit er den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewinnt.
Durch diesen Preis wird die Grundeinkommensidee gestärkt, da Götz Werner deutschlandweit der bekannteste Vertreter dieser Idee ist.

http://www.deutscher-nachhaltigkeitspreis.de

Mit sonnigen Grüßen
Wime

www.meinespd.net

Bild von Guenter

Bei meinespd.net kann sich jede/r registrieren, SPD Mitglied zu sein ist nicht notwendig.

Einkommen

Bild von Iovialis

Braucht der Mensch wirklich ein Einkommen, um leben zu können? Wie wäre es mit Sauerstoff, Wasser, Nahrung, Kleider und ein Dach über dem Kopf? Das perverse daran ist, daß eben diese Dinge Geld kosten, das man (sollte man's nicht schon haben) irgendwie durch "Arbeit" verdienen muß. Dieser Begriff "Arbeit" ist dabei ein Problem, denn bezahlt wird man fast ausschließlich nur für etwas, was dem Bezahlenden eine entsprechende Geldsumme wert ist. Wer von Arbeitslosigkeit spricht, sollte sich Gedanken über seinen Wertbegriff machen. Die Parole beim Grundeinkommen lautet: "Haltet uns nicht durch Geldverdienen von der Arbeit ab!"

bedingungsloses Grundeinkommen

Bild von Guenter

kommt zu meinespd.net und diskutiert mit uns das bedingungslose Grundeinkommen.

Wir haben in der SPD community das größte Forum zum bGE mit inzwischen über 10.000 Beiträge.

Für ein sozialdemokratisches Grundeinkommen!!!

@Guenter Wie schön, dass

Bild von H. Heyne

@Guenter

Wie schön, dass das "größte Forum zum bGE" nur für registrierte Mitglieder zu lesen ist .... Für eigene Beiträge sieht man das ja ein, aber sich mal einen Überblick verschaffen sollte man ja wohl auch so können.

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