Fußball-Bundesliga Bayer allein zu Haus

von Björn Rosigkeit - 30.11.2009
Normalerweise sollte es ein Vorteil sein im eigenen Stadion zu spielen, an diesem Wochenende gab es für die Heimmannschaften allerdings nicht viel zu bestellen.

Einzig Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach gelang am 14. Spieltag ein Heimsieg, alle anderen Heimmannschaften konnten ihren Vorteil, im eigenen Stadion zu spielen, nicht ausnutzen. Der Sieg der Leverkusener fiel dafür umso spektakulärer aus, denn die kriselnden Schwaben aus Stuttgart wurden gleich mit 4:0 abserviert; Nationalstürmer Stefan Kießling traf dabei gar dreimal. Damit schaffte es die Werkself zugleich sich erstmals mit drei Punkten vom Ligazweiten abzusetzen und auch das Torverhältnis spricht für Leverkusen.

Ob es sich bei diesem Vergleich um das letzte Spiel des Stuttgarter Trainers Markus Babbel handelt bleibt abzuwarten, nach den heftigen Schimpftiraden des sportlichen Leiters Horst Heldt in der Halbzeitpause und nach dem Spiel - unter Anderem bezeichnete er seine Mannschaft als "dämlich" und als "Vollkatastrophe" - ist jedoch stark anzunehmen, dass sich in Kürze etwas an der Struktur der Mannschaft verändern wird. Und weil man nicht zuerst die Spieler rausschmeißt, wird es wohl den Trainer treffen...

Werder Bremen unschlagbar

Zumindest einen gefühlten Sieg konnte auch der aktuelle Tabellenzweite Werder Bremen verbuchen. Zwar reichte es gegen den Deutschen Meister aus Wolfsburg im Endeffekt nur zu einem 2:2, da der Ausgleichstreffer aber in buchstäblich letzter Sekunde erzielt wurde, feierte ganz "Grün-weiß" den Punktgewinn überschwänglich. Naja, ganz  Grün-weiß stimmt dann doch nicht so ganz. Trainer Thomas Schaaf fand auf gewohnt nüchterne Weise wenig Gefallen an dem Spiel insgesamt, vor allem die Tatsache, dass seine Mannschaft nicht in der Lage war ihr eigentliches Potential abzurufen, brachte den Bremer Coach auf die Palme. Und auch Tim Wiese fand ein Haar in der Suppe. Der zweimalige Nationalkeeper war bei dem entscheidenden Eckball kurz vor Spielschluss mit nach vorne geeilt und stand einköpfbereit hinter dem Torschützen Per Mertesacker. Wiese beschreibt die Situation so: "Ich habe noch gerufen, aber der Lange hat das Dingen selbst reingemacht. Warum hat er ihn nur nicht durchgelassen...". Doch auch wenn dem derzeit formstarken Torsteher somit sein vermeintlich erstes Bundesligator verwehrt blieb, überwog letztendlich dennoch die Freude und die Erkenntnis, dass der SV Werder derzeit angesichts einer Serie von 21 Spielen ohne Niederlage unschlagbar zu sein scheint.

"Ja, ne, is klar!"

Wobei wir auch schon beim Tabellendritten und dem zweiten Heimsieg wären. Dieser wurde allerdings nicht etwa von Schalke 04, sondern von der Borussia aus Mönchengladbach eingefahren. Dass der Sieg für Gladbach ganz wichtig war, leuchtet auf den ersten Blick ein, doch auch Schalkes Trainer Felix Magath schien nach dem Spiel überglücklich zu sein. Die Begründung seiner guten Laune lag in der Tatsache, dass seine Mannschaft durch die Niederlage nicht auf den vorübergehenden Platz 1 sprang. Denn das, so der Coach, wäre für seine junge und unerfahrene Mannschaft einfach zu früh gewesen. Da ist er wieder, der Meister im Understatement, der bereits in der letzten Saison noch am 28. Spieltag behauptete, dass der VfL Wolfsburg niemals Deutscher Meister werden würde, weil ihm dazu die Kaltschnäuzigkeit fehlte. Bei uns sagt man dazu: "Ja, ne, is klar!"

Bayerndusel

Der FC Bayern ist wieder da! Nach dem sensationellen, begnadeten und unfassbaren 1:0 Heimerfolg in der Champions-League gegen die Weltauswahl von Maccabi Haifa ließen die Bajuwaren nun in der BuLi ein nicht minder begeisterndes 3:0 bei Hannover 96 folgen. Ob sich nun eine neue Form des vom Neupräsidenten Uli Hoeneß geforderte "Mia-san-mia-Gefühls" bildet, darf aber immer noch kritisch hinterfragt werden. Aus meiner Sicht wird hier eher eine andere Münchener Tugend deutlich, nämlich der unglaubliche "Bayerndusel". Während sich die Elf von Chefstratege Luis van Gaal zu einem 1:0 gegen Haifa quälte, schlug Girondins Bordeaux, als wäre es das Normalste der Welt, Juventus Turin mit 2:0. Nur wegen diesem Ergebnis hat der FCB jetzt noch die Chance aus eigener Kraft das Achtelfinale der CL zu erreichen. Und während am Wochenende außer Leverkusen die ersten acht Mannschaften der Tabelle nicht gewinnen konnten, holten die Bayern drei ganz lockere Punkte...

In Zukunft ohne Absteiger - zur Logik des BVB-Geschäftsführers

Der Rest des Spieltags ist schnell erzählt. In Hoffenheim schlug Tradition das Geld, zumindest wenn man in der Welt des Joachim Watzke lebt; und obwohl man dem BVB diesen Sieg durchaus gönnen kann, hätte Dortmund für die dummen und polemischen Worte ihres Geschäftsführers eigentlich eine Abreibung verdient. Dieser vertritt nämlich die Meinung, dass sein Verein auf Grund des langen und erfolgreichen Bestehens mehr Fernsehgeld verdient hätte, als Emporkömmlinge wie Hoffenheim oder Wolfsburg - das klingt für mich so logisch wie die Idee, in Zukunft ohne Absteiger zu spielen, damit die Manager langfristig planen können.

In einem langweiligen Duell zweier Aufsteiger besiegte Freiburg den 1. FC Nürnberg mit 1:0, natürlich auswärts. Noch viel schlimmer war der Kracher am Freitag, als es zwischen Bochum und Köln zu einem so schlechten 0:0 kam, dass sogar die wirklich nicht verwöhnten Bochumer Fans Tränen in den Augen hatten. Der erste Titel steht für mich damit in dieser Saison schon fest, die langweiligste Mannschaft der Liga: 1. FC Köln. Nach 14 Spieltagen haben die Geißböcke 7 Tore erzielt, insgesamt fielen in Spielen mit Kölner Beteiligung nur 22 Treffer (zum Vergleich bei Spielen des HSV fielen bislang 46, bei denen des SC Freiburg immerhin 47 Treffer). Brrr!

Hertha - ohne Worte

Zur Hertha sagt man besser nichts mehr, einfach nur grauenhaft. Spannend scheint nur die Frage, ob die Vorstandswahlen den Verein jetzt endgültig in Chaos stürzen oder die kaum noch für möglich zu haltende Wende einleiten können.

Zum Abschluss noch ein Aufruf im Auftrag des Hamburger SV. Nach dem 1:1 beim FSV Mainz sucht man an der Elbe noch ganz dringend unverletzte und gesunde Feldspieler. Der 5. Platz in der aktuellen Tabelle sollte doch Ansporn genug sein. Insbesondere im Angriff und in der Verteidigung werden noch Ergänzungen gesucht. Bei Interesse bitte einfach mal beim HSV-Trainingsgelände vorbeifahren, am besten schon umgezogen :-)

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