von Marc Schulte - 19.03.2009
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Auslosung der Startplätze
Da zeigt sich mal wieder, dass die Fernsehvorderen ganz Europas ein ausgeprägter Spieltrieb verbindet. Da man als Unterhaltungsredakteur schon nicht bei der Fußball-WM dabei sein darf, schafft man sich zumindest eine damit vergleichbare Auslosungs-Prozedur.
Die im Live-Stream übertragene Show zur Bestimmung der Startreihenfolge bei den Semifinale und dem Finale drehte sich somit auch um Lose und Töpfe.
Nachdem Kinder ehrgeiziger Eltern als Matrjoschkas großer Eurovisions-SiegerInnen in lustigen Kostümen deren Hits zum Besten gegeben hatten und uns erahnen ließen, was bei den Shows in Moskau im Mai so alles auf uns zukommen wird, wurde munter drauf los gelost.
Dima Bilan, der mit Believe den ESC letztes Jahr nach Moskau holte spielte – jetzt mit längeren Haaren und ähnlichem englischen Akzent - die Glücksfee.
Zunächst wurden für beide Semifinale „Joker“ gezogen, das heißt die gezogenen Länder durften sich ihre Startpositionen aussuchen. Gewählt wurden - wie nicht anders zu erwarten, denn inzwischen gibt es seitenweise Abhandlungen über die besseren Chancen eines späteren Startplatzes, die hinteren Startplätze. Lediglich Bulgarien entschied sich für Platz 11.
Dann wurde das Feld mit den restlichen Losen gefüllt – alle Lose waren übrigens auch in kleinen Matrjoschkas versteckt. Die Aufgabe, den ESC mit Startplatz Nummer 1 im ersten Semifinale am 12.Mai zu eröffnen fiel übrigens Montenegro zu – das Lied Just Get Out Of My Life stammt aus der Feder von Ralph Siegel, so dass „wir“ hier in Deutschland gewissermaßen doch noch für einen deutschen Titel abstimmen dürfen, sofern wir dies denn wollten!
Die Aufteilung der Länder auf die beiden Semifinale erfolgte schon im vergangenen Jahr. Man wollte Nachbarn auseinander reißen und Blöcke aufspalten, so dass der häufig erhobene Vorwurf der „Nachbarschaftswertungen“ bei den Televotings diesmal nicht so stark zum Tragen kommen soll.
Und hier die Startreihenfolge der Semis:
Semifinale 1 am 12.Mai:
- Montenegro
- Tschechien
- Belgien
- Belarus
- Schweden
- Armenien
- Andorra
- Schweiz
- Türkei
- Israel
- Bulgarien - durch Joker
- Island
- FYR Mazedonien
- Rumänien
- Finnland
- Portugal - durch Joker
- Malta - durch Joker
- Bosnien Herzegowina
Semifinale 2 am 14.Mai:
- Kroatien
- Irland
- Lettland
- Serbien
- Polen
- Norwegen
- Zypern
- Slowakei
- Dänemark
- Slowenien
- Ungarn
- Aserbaidschan
- Griechenland
- Litauen
- Moldawien
- Albanien
- Ukraine - durch Joker
- Estland - durch Joker
- Niederlande - durch Joker
Für das Finale am 16.Mai sind bereits 5 Länder fest gesetzt, die sich nicht durch ein Semifinale qualifizieren müssen – dazu gehören neben dem Siegerland des letzten Jahres und damit Gastgeber Russland die so genannten „Big Four“, also die größten Financiers des ESC: Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.
Unter diesen fünf wurde wiederum ein Startplatz als Joker gezogen – Spanien, das mit Platz 25 für den Abschluss des Wettbewerbs entschied – die anderen vier wurden dann ausgelost. Deutschland landete dabei auf Startplatz 17. „Das ist gut – das ist phantastisch“ kommentierte der russische TV-Moderator Andrey Malahov, der auch durch die Shows in Moskau führen wird. Patricia Kaas landete für Frankreich auf Platz 3, Russland muss als zehntes Land antreten und Großbritannien geht als 23. Land an den Start. Die Plätze dazwischen werden mit den Besten aus den Semifinalen gefüllt.
Der letzte Teil der Auslosung betraf dann die Reihenfolge bei der Abgabe der Wertung im Finale des ESC – da diese Wertungsabgabe eh arg verkürzt und verstümmelt wurde (es werden nur die Punkte 8, 10 und 12 vorgelesen) wollen wir diese Liste hier nicht dokumentieren.
Ankündigung der Planungen für Mai
Der Generaldirektor des russischen Fernsehsenders Kanal 1, Konstantin Ernst, erläuterte zusammen mit dem Produzenten Yury Aksyuta bei einer anschließenden Pressekonferenz Moskaus Pläne für die Shows im Mai:
Durch die beiden Semifinale werden der Moderator Andrey Malahov, der auch die Ziehung der Lose präsentiert hatte, und die russische ESC-Zweite des Jahres 2000 Alsou führen. Im Finale meldet unter anderen esctoday, sei Model und Schauspielerin Milla Jovovich kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrages – dies wäre sicherlich eine Überraschung, ist jedoch noch nicht bestätigt.
Die Shows werden mit der bei ESCs üblichen Mischung aus folkloristischen und tänzerischen Darbietungen gefüllt werden. Die Matrjoschkas werden selbstveratändlich auch dabei nicht fehlen wie auch die zwischen den einzelnen Beiträgen traditionellen "Postkartengrüße", mit denen sich das Gastgeberland präsentiert - diesmal mit Hilfe der aktuellen "Miss Russia" und "Miss World 2008".
Beim Finale soll es um den russischen Winter gehen. Und natürlich singt Vorjahressieger Dima Bilan.
Ferner wurde bestätigt, dass die Wertungen in den Semi-Finalen Televotings sein und die Wertungen des Finales sich aus 50 % Televotings und 50 % Jury-Bewertungen zusammensetzen werden. Näheres dazu wird erst noch bekannt gegeben.
Die Wiedereinführung der Jurys wird mit den so genannten „Nachbarschaftswertungen“ erklärt. Warum aber ausgerechnet Jurys, die in den ersten 40 Jahren des ESCs nicht gerade durch Objektivität aufgefallen waren (Zypern an Griechenland und Griechenland an Zypern jeweils „douze points“) bei diesem oft ins Feld geführten, aber nicht wirklich untermauerten Phänomen Abhilfe schaffen sollen, erschließt sich nicht auf Anhieb – wir werden sehen müssen, was dabei rauskommt. Eventuell eine Verbesserung der Platzierung für die „Big Four“ (Großbritannien, Deutschland, Spanien und Frankreich), die in den vergangenen Jahren nicht mit guten Plätzen durch die Publikumsgunst gesegnet wurden. Abwarten….
Da sich Georgien, so der offizielle Sprachduktus, von einer Teilnahme zurückgezogen hat, wurden 42 Länder als Starterfeld bestätigt, wobei die Prüfung der eingereichten Titel noch nicht abgeschlossen ist – Überraschungen dürften dabei aber nicht mehr zu erwarten sein.
Und schließlich wurden neue Mitglieder in die so genannte Reference Group (also ins Exekutivkomitee des ESCs) gewählt, bzw. im Amt bestätigt. Für die Big Four stellte sich Delegationsleiter Manfred Witt vom NDR zur Wahl, jedoch wurde sein Gegenkandidat, der Spanier Federico Llano in seinem Amt bestätigt. Dass Manfred Witt für den Posten kandidierte mag ein Indiz dafür sein, dass der NDR seine Aufgabe als den ESC für die ARD ausrichtende Sendeanstalt auch nach dem Wettbewerb in Moskau beibehalten wird. Der NDR hatte ja außerdem im Januar angekündigt, dass direkt nach dem Song Contest ein neues Konzept für einen deutschen Vorentscheid bekannt gegeben werde und kürzlich erklärte auch Ralf Quibeldey, Leiter des Ressorts „Talk und Unterhaltung“ gegenüber der Musikwoche, dass es nächstes Jahr wieder einen Vorentscheid geben werde..
Was sonst?
Der Ticketverkauf für die Olympiyski Arena mit ihren etwa 20.000 Plätzen hat vergangenen Montag begonnen. Tickets kosten für die Generalproben zwischen 7 und 40 Euro, fürs Finale bis zu 667 Euro. Der Online-Verkauf begann mit großen Problemen, teilweise funktionierte die Zweisprachigkeit der Website nicht, teilweise brach sie zusammen, und wer es denn geschafft hatte, ein Ticket zu reservieren hatte Probleme mit der Online-Zahlung. Viele mussten deshalb die Tickethotlines anrufen und alle Daten noch fernmündlich bestätigen.
Momentan gibt es keine Karten fürs Finale, wohl aber noch für die Proben und die Semi-Finale.
Die „Promos“ und Vorbereitungen für den Song Contest gehen natürlich auch in anderen Ländern weiter. Am 17.April wird in London eine große Eurovision-Preview-Party mit etlichen Teilnehmern des ESCs vom letzten Jahr stattfinden, am Tag danach in Amsterdam ein Eurovisie Concert mit den ESC TeilnehmerInnen aus Dänemark, Belgien, Island, Montenegro, Zypern, Litauen, Bulgarien, Slowenien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Armenien und Moldawien.
Das macht nicht nur den Fans Laune und bietet den KünstlerInnen eine Plattform zum Warmsingen für Moskau, sondern erhöht auch die Chance auf Punkte beim Televoting. Meist steigert ein Wiedererkennungseffekt die Bereitschaft zur Stimmabgabe!
Alex Swings Oscar Sings, die deutschen Teilnehmer, werben dagegen noch um Unterstützung in Deutschland selbst – nach einem Live-Auftritt in der NDR-Talkshow werden sie am 4. April bei „Verstehen Sie Spaß“ auftreten. Hungrige Fans können sich beim NDR mit einem Gewinnspiel um Tickets bewerben.
Tipps und Wetten
Jetzt, wo das Starterfeld klar ist, haben natürlich auch Tipps, Wetten und „Expertenmeinungen“ Hochkonjunktur.
Bei den Fans auf esctoday gibt es wöchentliche Charts – mitstimmen darf, wer sich mit einem Benutzernamen eingeloggt hat. Norwegen wird in etlichen Abstimmungen hoch gehandelt, aber Fan-Meinungen waren noch nie ein guter Indikator für das tatsächliche Ergebnis.
Geschmacksache ist es sowieso – die Einen stöhnen über zu viele Balladen, die anderen über zu viel Rhythmus-Nummern. Die einen schwören auf große Namen wie Patricia Kaas, andere dagegen auf originelle Newcomer.
Wir finden, dass es – und das ist nun unser persönlicher Geschmack – ein guter Jahrgang geworden ist, auch wenn es im Januar noch nicht so aussah. Wir würden gerne nächstes Jahr den ESC in Barcelona feiern, aber auch viele Balladen gefallen uns ausgesprochen gut. Und was die Nachbarschaftswertungen angeht (wir hier in Deutschland dürfen beim ersten sehr gut besetzten Semifinale am 12. Mai unsere Stimme abgeben), so würden wir uns freuen, wenn die Schweiz den Einzug ins Finale diesmal schaffte – Österreich ist ja erst gar nicht angetreten!.
Wir haben alle Titel in den vergangenen Blogs vorgestellt und verlinkt, meist auf die Auftritte aus den Vorentscheiden – auf dem offiziellen youtube-Kanal der EBU werden in den nächsten Tagen alle Titel als offizielle Preview-Videos online gestellt werden – in wesentlich besserer Qualität, aber mit dem Nachteil, dass sie natürlich nicht live sind.
Dann kann ein jeder und eine jede ihre eigenen Favoritenlisten führen – wie eingangs erwähnt: allzu sehr unterscheidet sich der Song Contest eben nicht von einer Fußball-WM.
Alle bisherigen Beiträge finden sich über den Link: ESC-Blogs
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