Ich schätze die Artikel unseres vorwärts-Autoren und Bloggers Christian Söder und lese sehr gerne auch das Blog rotstehtunsgut.de. Er ist uns beim vorwärts eine sehr gute Hilfe, um uns Tipps zu geben, was man im Netz machen könnte.
Kurz nach Weihnachten hat er allerdings einen Kommentar auf seiner Seite erstellt, der meines Erachtens eine unfaire Kritik darstellt. Er schreibt:
Die letzteNachricht auf „spd.de“ ist vom 23.12., seither ist auf der Website nichts mehr passiert. Die SPD-Bundestagsfraktion hat ebenfalls Pause gemacht und seit dem 23.12. nichts mehr veröffentlicht.
Ich finde, es vollkommen in Ordnung, dass sowohl das Willy-Brandt-Haus als auch die SPD-Bundestagsfraktion Winterpause macht. Hier in Berlin passiert im Augenblick auch nichts, die meisten Ministerien sind bis auf ein paar Mitarbeiter geschlossen, es finden wenig Veranstaltung hat - warum sollten dann die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der SPD in ihren Büros sitzen anstelle bei ihren Familien Weihnachten zu geniessen?
Bei den Video-Aufrufzahlen gibt es natürlich nichts zu beschönigen - da hat uns im Augenblick die CDU voraus, dass sie ein Format, dass während des Wahlkampfs intensiv genutzt wurde, auch nach der Bundestagswahl weitergepflegt wurde. Im WBH gab es ja, wie jeder weiß, ein paar Änderungen in der Mannschaft, die zusammen mit den notwendigen Einsparungen dafür gesorgt, dass die vielen Video-Formate, die im Wahlkampf auf SPDVision ausprobiert wurden, nicht weiter durchgeführt wurden.
Der wöchentliche Video-Blog ist erstmal ne gute Idee, finde ich. Andrea Nahles wird zunehmend lockerer und hoffentlich nutzt sie die Video-Botschaft im nächsten Jahr intensiv, um Schwarz-Gelb anzugreifen, die SPD-Basis zu mobilisieren und die Diskussion voranzubringen. Es gibt bei uns in der SPD eine Menge Leute, die sich mit Youtube gut auskennt - ich hoffe, dass Andrea und ihre Mannschaft auf diese Leute zu gehen und sie einbinden.
Wahlkampf09 - schwieriges Thema. Christian ärgert sich, dass
"wahlkampf09.de“ anscheinend komplett abgeschaltet wurde; offensichtlich, ohne die Inhalte zu retten
Aber die Frage war doch, was wäre die Alternative gewesen? Jeder hätte sich doch lustig darüber gemacht , wenn die SPD noch monatelang auf Wahlkampf09 und den anderen Seiten die alten Inhalte präsentiert hätte. Da ist es doch besser, wenn man einen deutlichen Schlussstrich zieht und die Seite abschaltet. (Ich vermute, dass es auch teilweise finanzielle Gründe hatte, dass man das CMS von Wahlkampf09 nicht mehr weiter verwenden wollte.)
Im Nachhinein stellt sich die Frage: war es sinnvoll, die vielen Wahlkampfplattformen aufzubauen und danach wieder abzuschalten? Dazu gab es ja bei vielen in der SPD heftige Kritik, auch schon während des Wahlkampfs. Man kann es so machen wie die Grünen - eine Plattform wie www.gruene.de langsam aufzubauen.
Ich glaube, man wollte damals im Wahlkampf über die verschiedenen Plattformen die unterschiedlichen Zielgruppen besser erreichen. Ob das geklappt hat, kann ich nicht sagen - ich würde aber rückblickend auch sagen, dass es besser gewesen wäre, entweder www.spd.de konsequent auszubauen oder hier beim vorwaerts die Kapazitäten zu bündeln. Leider war das nicht gewollt im WBH damals.
Manchmal ist es natürlich so, dass der Aufwand, eine bisherige Seite umzugestalten, größer ist, als eine neue einzurichten. Ich hab das im Wahlkampf in Thüringen auch erlebt - wie standen ja vor der Wahl, dass Websozi-CMS zu nutzen oder eine neue Seite thueringen09.de zu erschaffen. Im Nachhinein hat man sich entschieden, thueringen09.de abzuschalten, obwohl man darauf hätte aufbauen können.
Grundsätzlich hat Christian, und natürlich die vielen anderen Kritiker recht: die SPD hat bisher immer wieder neue Plattformen aus dem Boden gestampft, ohne sich um die langfristige Nutzung der Plattformen zu kümmern. Hoffentlich wird das anders. Aber man muß der SPD zu gute halten, dass hier auch ausprobiert wird und dass auch versucht wird, neue Wege in der Online-Kommunikation gegangen wird. Wenn man hier manchmal die vielen Bedenkenträger immer erst zu Wort kommen lassen, dann hätten wir in der SPD wahrscheinlich immer noch statische HTML-Seiten.
Zu den Blogs: ja, das stimmt, ein SPD-Blog wäre gut. Das Problem scheint mir aber zu sein, dass in der SPD jeder Landesverband, jede Fraktion, jeder Abgeordnete sein eigenes Süppchen kochen will. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist manchmal doch nicht so groß. Das ist eben die Kehrseite der Experimentierfreudigkeit - jeder macht sein Ding ohne sich um die Vernetzung zu kümmern.
Beispiel: wir stellen hier auf vorwaerts.de sowohl den Abgeordneten als auch den Untergliederungen als auch den SPD-Mitgliedern die Möglichkeit zur Verfügung, über ihre Themen zu berichten. Das wird mehr und mehr genutzt, worüber wir uns natürlich freuen. Aber meistens belassen es die Mitarbeiter vor Ort darin, uns Pressemitteilungen zu schicken, mit der Aufforderung, diese abzudrucken oder ins Netz zu stellen. Ich würde mir da mehr Engagement wünschen, die bereitgestellten Kanäle auch zu nutzen.
Ich glaube, wir haben alle in der SPD noch eine Menge zu lernen und zu tun, um zu unserer alten Diskussionsfreudigkeit zurückzukehren. Das Internet kann uns dabei helfen, wenn wir die Tools gemeinsam nutzen und nicht jeder seine eigene Insel der Glückseligkeit baut.
Ich freu mich natürlich über das Lob von Christian über vorwaerts.de - danke dafür! Aber auch wenn Du mit Deiner Kritik zum Teil Recht hast, Christian, die SPD ist noch lange nicht irrelevant deswegen, weil sie gerade erst wieder beginnt, die Diskussion im Netz ernst zu nehmen. Ich glaube, Irrelevanz wäre dann gegeben, wenn die SPD die Diskussionen, die in der Gesellschaft stattfinden, nicht mehr aufnehmen würde. Den Eindruck habe ich nicht, auch nicht in der Netzpolitik.



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.