Replik auf Blogbeitrag von Christian Söder Auch SPD-Mitarbeiter brauchen mal ne Pause!

von Karsten Wenzlaff - 31.12.2009
Die Online-Aktivitäten der SPD zu kritisieren ist ziemlich leicht - aber es ist auch leicht, über das Ziel hinauszuschiessen.

Ich schätze die Artikel unseres vorwärts-Autoren und Bloggers Christian Söder und lese sehr gerne auch das Blog rotstehtunsgut.de. Er ist uns beim vorwärts eine sehr gute Hilfe, um uns Tipps zu geben, was man im Netz machen könnte.

Kurz nach Weihnachten hat er allerdings einen Kommentar auf seiner Seite erstellt, der meines Erachtens eine unfaire Kritik darstellt. Er schreibt:

Die letzteNachricht auf „spd.de“ ist vom 23.12., seither ist auf der Website nichts mehr passiert. Die SPD-Bundestagsfraktion hat ebenfalls Pause gemacht und seit dem 23.12. nichts mehr veröffentlicht.

Ich finde, es vollkommen in Ordnung, dass sowohl das Willy-Brandt-Haus als auch die SPD-Bundestagsfraktion Winterpause macht. Hier in Berlin passiert im Augenblick auch nichts, die meisten Ministerien sind bis auf ein paar Mitarbeiter geschlossen, es finden wenig Veranstaltung hat - warum sollten dann die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der SPD in ihren Büros sitzen anstelle bei ihren Familien Weihnachten zu geniessen?

 

Bei den Video-Aufrufzahlen gibt es natürlich nichts zu beschönigen - da hat uns im Augenblick die CDU voraus, dass sie ein Format, dass während des Wahlkampfs intensiv genutzt wurde, auch nach der Bundestagswahl weitergepflegt wurde. Im WBH gab es ja, wie jeder weiß, ein paar Änderungen in der Mannschaft, die zusammen mit den notwendigen Einsparungen dafür gesorgt, dass die vielen Video-Formate, die im Wahlkampf auf SPDVision ausprobiert wurden, nicht weiter durchgeführt wurden.

Der wöchentliche Video-Blog ist erstmal ne gute Idee, finde ich. Andrea Nahles wird zunehmend lockerer und hoffentlich nutzt sie die Video-Botschaft im nächsten Jahr intensiv, um Schwarz-Gelb anzugreifen, die SPD-Basis zu mobilisieren und die Diskussion voranzubringen. Es gibt bei uns in der SPD eine Menge Leute, die sich mit Youtube gut auskennt - ich hoffe, dass Andrea und ihre Mannschaft auf diese Leute zu gehen und sie einbinden.

 

Wahlkampf09 - schwieriges Thema. Christian ärgert sich, dass 

"wahlkampf09.de“ anscheinend komplett abgeschaltet wurde; offensichtlich, ohne die Inhalte zu retten

Aber die Frage war doch, was wäre die Alternative gewesen? Jeder hätte sich doch lustig darüber gemacht , wenn die SPD noch monatelang auf Wahlkampf09 und den anderen Seiten die alten Inhalte präsentiert hätte. Da ist es doch besser, wenn man einen deutlichen Schlussstrich zieht und die Seite abschaltet. (Ich vermute, dass es auch teilweise finanzielle Gründe hatte, dass man das CMS von Wahlkampf09 nicht mehr weiter verwenden wollte.) 

Im Nachhinein stellt sich die Frage: war es sinnvoll, die vielen Wahlkampfplattformen aufzubauen und danach wieder abzuschalten? Dazu gab es ja bei vielen in der SPD heftige Kritik, auch schon während des Wahlkampfs. Man kann es so machen wie die Grünen - eine Plattform wie www.gruene.de langsam aufzubauen.

Ich glaube, man wollte damals im Wahlkampf über die verschiedenen Plattformen die unterschiedlichen Zielgruppen besser erreichen. Ob das geklappt hat, kann ich nicht sagen - ich würde aber rückblickend auch sagen, dass es besser gewesen wäre, entweder www.spd.de konsequent auszubauen oder hier beim vorwaerts die Kapazitäten zu bündeln. Leider war das nicht gewollt im WBH damals.

Manchmal ist es natürlich so, dass der Aufwand, eine bisherige Seite umzugestalten, größer ist, als eine neue einzurichten. Ich hab das im Wahlkampf in Thüringen auch erlebt - wie standen ja vor der Wahl, dass Websozi-CMS zu nutzen oder eine neue Seite thueringen09.de zu erschaffen. Im Nachhinein hat man sich entschieden, thueringen09.de abzuschalten, obwohl man darauf hätte aufbauen können.

Grundsätzlich hat Christian, und natürlich die vielen anderen Kritiker recht: die SPD hat bisher immer wieder neue Plattformen aus dem Boden gestampft, ohne sich um die langfristige Nutzung der Plattformen zu kümmern. Hoffentlich wird das anders. Aber man muß der SPD zu gute halten, dass hier auch ausprobiert wird und dass auch versucht wird, neue Wege in der Online-Kommunikation gegangen wird. Wenn man hier manchmal die vielen Bedenkenträger immer erst zu Wort kommen lassen, dann hätten wir in der SPD wahrscheinlich immer noch statische HTML-Seiten.

 

Zu den Blogs: ja, das stimmt, ein SPD-Blog wäre gut. Das Problem scheint mir aber zu sein, dass in der SPD jeder Landesverband, jede Fraktion, jeder Abgeordnete sein eigenes Süppchen kochen will. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist manchmal doch nicht so groß. Das ist eben die Kehrseite der Experimentierfreudigkeit - jeder macht sein Ding ohne sich um die Vernetzung zu kümmern.

Beispiel: wir stellen hier auf vorwaerts.de sowohl den Abgeordneten als auch den Untergliederungen als auch den SPD-Mitgliedern die Möglichkeit zur Verfügung, über ihre Themen zu berichten. Das wird mehr und mehr genutzt, worüber wir uns natürlich freuen. Aber meistens belassen es die Mitarbeiter vor Ort darin, uns Pressemitteilungen zu schicken, mit der Aufforderung, diese abzudrucken oder ins Netz zu stellen. Ich würde mir da mehr Engagement wünschen, die bereitgestellten Kanäle auch zu nutzen.

 

Ich glaube, wir haben alle in der SPD noch eine Menge zu lernen und zu tun, um zu unserer alten Diskussionsfreudigkeit zurückzukehren. Das Internet kann uns dabei helfen, wenn wir die Tools gemeinsam nutzen und nicht jeder seine eigene Insel der Glückseligkeit baut.

Ich freu mich natürlich über das Lob von Christian über vorwaerts.de - danke dafür! Aber auch wenn Du mit Deiner Kritik zum Teil Recht hast, Christian, die SPD ist noch lange nicht irrelevant deswegen, weil sie gerade erst wieder beginnt, die Diskussion im Netz ernst zu nehmen. Ich glaube, Irrelevanz wäre dann gegeben, wenn die SPD die Diskussionen, die in der Gesellschaft stattfinden, nicht mehr aufnehmen würde. Den Eindruck habe ich nicht, auch nicht in der Netzpolitik.

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Netzpolitik in der SPD

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Der Wähler zahlt uns kein Zeilenhonorar

Bild von Torsten Hofer

Es geht nicht darum, ob die SPD-Bundestagsfraktion jeden Tag x Pressemitteilungen ins Netz stellt. Erfolgreiche Oppositionsarbeit ist keine Frage der Menge. Der reine Schreibfleiß als solcher wird nicht honoriert; der Wähler zahlt uns kein Zeilenhonorar.

Es geht bei Oppositionsarbeit vielmehr darum, ein Gespür für Themen zu beweisen und sich zum richtigen Zeitpunkt als Alternative zur Regierung zu präsentieren. So gesehen kann ich allerdings mit der derzeitigen SPD-Oppositionspolitik nicht zufrieden sein. Die SPD ist mit ihren Konzepten und Ideen momentan in den Köpfen der Menschen nicht präsent.

Auch habe ich den Eindruck, dass die klassischen Medien nicht mehr automatisch - so wie das früher noch der Fall war - erst mal bei der größten Oppositionspartei "klingeln", wenn sie einen Oppositionskommentar zum schwarz-gelben Regierungschaos haben wollen. In den Fernsehschnipseln der Abendnachrichten sieht man stattdessen seit Wochen verstärkt Vertreter von Linkspartei und Grünen. Hier muss sich die SPD offensichtlich erst wieder einiges an Respekt zurückerarbeiten, damit sie überhaupt ernst genommen wird und ihre politischen Einschätzungen als gewichtig empfunden werden.

Sicherlich hat das Ergebnis der Bundestagswahl 2009 uns alle geschockt. Nach diesem Absturz in der Wählergunst mit all seinen Begleitfolgen für die individuelle Lebensplanung Einzelner im Umfeld von Partei und Fraktion musste man sich als Gesamtpartei erst mal neu sortieren und sich auf die neue Situation, nicht mehr Regierung, sondern Opposition zu sein, einstimmen. Doch sollte dieser Selbstfindungs- und Neusortierungsprozess jetzt auch mal abgeschlossen sein.

Das bevorstehende neue Jahr hält zudem eine Menge Zeit bereit, um die hoffentlich vorhandenen guten Vorsätze zur Verbesserung unserer politischen Arbeit zu realisieren.

In diesem Sinne guten Rutsch!

Jein ;-)

Bild von Norbert Müschen

Ende Februar sind die "berühmten" 100 Tage für unseren neuen Vorstand rum. Die sollte man ihm - nach außen zumindest - auch geben. Intern aber nicht, denn wir haben eigentlich keine Zeit zu verlieren. Meine Meinung.

Mal abgesehen von Meinungsfreiheit hätte ich es auch lieber gehabt, dass Christian, mit dem ich nun wirklich keine allzu großen "Schnittmengen" in der Meinung habe, wir uns aber irgendwie doch akzeptieren, sich hier vielleicht hätte zurückhalten können/sollen. Mein Gestelze zeigt schon, wie vorsichtig selbst ich bin...

Denn ich muss ihm leider zu einem großen Teil Recht geben inhaltlich. Falsch liegt er, da bin ich ganz bei Dir, Karsten, bei der Auffassung, dass ab Weihnachten nix kommt "von oben". Es müssen nicht unbedingt Pressemitteilungen produziert werden, wenn es nicht sein muss. Das würde ich mir im neuen Jahr übrigens auch mal so wünschen, denn was bringt es denn, wenn jede/r MdB zu einem Thema irgendwas noch sagen und mitteilen muss. Das nervt! Und wenn das sogar Sozis nervt, wie sehr nervt das dann wohl die Nicht-Sozis? Naja, wird nicht zu ändern sein...

Robert, in Sachen Internet und Nachhaltigkeit hat es ja wirklich viele Dinge gegeben. Es haben nicht nur "unbewegliche Holzköpfe" (ich fasse das mal so zusammen, ohne das auf Deine Meinung zu beziehen) im WBH gesessen. Aber jede Menge Blockierer und Verweigerer, die es denjenigen schwer gemacht haben, etwas internettiges auf die Beine zu stellen. Es waren immer wieder Lichter am Ende des Tunnels zu sehen, jedoch sind die seit ein paar Wochen für mich schon wieder erheblich verdunkelt.

100 Tage, auf diese Frist habe auch ich mich festgelegt, so dass ich auf die von Dir, Robert, genannte BGF heute ebensowenig eingehen werde (und in mir brodelt es schon seit Ende November...) wie auf Misses 69% (Verzeihung, meine diesbezügliche Abneigung ist schon älter als 100 Tage...) ;-).

Deinen Schlussworten mit dem "berittenen Boten" kann ich mich nur bedingt anschließen, denn ich bin guter Dinge bei uns hier, dass das vielleicht doch noch was werden könnte. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Wobei ich meineSPD.net jetzt nicht als Hoffnung bezeichnen würde, das ist auch glasklar. Die ist nix anderes als eine Art OCT, nur umgefärbt und noch unübersichtlicher (hätte nie gedacht, dass das geht, aber es geht...)

Mal gucken, was wird. Bei allem Optimismus bleiben gemischte Online-Gefühle...

Tschö und einen guten und optimistischen Rutsch vom tiefschwatten Niederrhein
Nobbi

Norbert Müschen
Webmaster http://www.websozis.de
privat: http://www.webnobbi.de

Der Kommentar war natürlich

Der Kommentar war natürlich zugespitzt, das stimmt. Aber nunja, es ist eben ärgerlich zu sehen, wie Potenzial einfach so verschenkt wird. Und die SPD hat im Internet ein riesiges Potenzial, davon bin ich überzeugt.

Auch SPD-Mitarbeiter haben ein Recht auf Urlaub. Ja. Aber alle auf einmal? Zudem man ein CMS nicht vom WBH aus bedienen muss. ;-)

Beim Vorwärts wird ja anscheinend auch gearbeitet, bei anderen Parteien auch. Aber das war nur der Aufhänger, daran will ich mich nicht festbeissen.

Die fehlende Vernetzung und das Rumwurschteln ist ein großes Problem. Mit meinespd.net hätte man die Chance gehabt, Blogs etc. zentral zu bekommen - aber bei der Software? Software ist nicht alles, aber ohne gute Software ist alles nichts. ;-)

Warum eine Pause?

Bild von Klaus-D. Wenger

Moin moin,

wieso Pause, weil es immer schon war? Besteht den die Partei nur aus Mitarbeitern, Abgeordneten und Funktionären? Im Unterbezirk Bremen-Stadt waren wir jedenfalls regelmäßig dabei ;-)

Rote Grüsse
Klaus-D. Wenger

Ein frohes Weihnachtsfest an alle MitarbeiterInnen

Bild von Anke

im WBH beim Vorwärts, bei der Bundestagsfraktion und vor Ort. Vielen Dank für eure Arbeit und Urlaub über die Feiertage ist vollkommen okay.

Ich bekomme direkt mit, mit welchem Elan, manchmal weit über die normale Arbeitszeit hinaus, Leistung gezeigt wird. Da muss gerade über die Weihnachtszeit einfach mal Erholung und Beisammensein mit der Familie sein.

Konstruktive Kritik ist immer gut. Aber am richtigen Platz.

Der rote Faden fehlt

Bild von robert.huber05

"Im Nachhinein stellt sich die Frage: war es sinnvoll, die vielen Wahlkampfplattformen aufzubauen und danach wieder abzuschalten? Dazu gab es ja bei vielen in der SPD heftige Kritik, auch schon während des Wahlkampfs. Man kann es so machen wie die Grünen - eine Plattform wie www.gruene.de langsam aufzubauen."
Das ist eines der zentralen Probleme. Es wird sehr viel probiert, manchmal nach dem Motto "viel hilft viel". Und das alles ohne Strategie. Konzept der Informationssteuerung? Fehlanzeige. Die eine Info kommt über alle Kanäle. Die andere Info bekommt man als Mitglied überhaupt nicht. Besonders "toll" ist es, wichtige Parteiinfos nur (oder zumindest zuerst) aus nicht nichtSPD Medien zu erfahren. Als Beispiel sei hier die neue Bundesgeschäftsführerin genannt ...

"Grundsätzlich hat Christian, und natürlich die vielen anderen Kritiker recht: die SPD hat bisher immer wieder neue Plattformen aus dem Boden gestampft, ohne sich um die langfristige Nutzung der Plattformen zu kümmern."
Logo. Die Entscheidungsträger mussten ja auch nie die Folgen tragen. Das ist wie damals bei Mehdorn, der im TV sagte, lieber zu fliegen, als Zug zu fahren ...

"Aber man muß der SPD zu gute halten, dass hier auch ausprobiert wird und dass auch versucht wird, neue Wege in der Online-Kommunikation gegangen wird."
Natürlich muss man probieren. ABER die Frage ist ja wohl wie. Ich habe das Gefühl, dass bei den Entscheidungsträgern langfristige Strategien ähnlich verpöhnt sind, wie bei den allermeisten Bankern. Wenn nicht sofort der Erfolg zu sehen ist, wird wieder gewechselt. Der entstehende Kollateralschaden wird scheinbar billigend in Kauf genommen.

"Beispiel: wir stellen hier auf vorwaerts.de sowohl den Abgeordneten als auch den Untergliederungen als auch den SPD-Mitgliedern die Möglichkeit zur Verfügung, über ihre Themen zu berichten. Das wird mehr und mehr genutzt, worüber wir uns natürlich freuen. Aber meistens belassen es die Mitarbeiter vor Ort darin, uns Pressemitteilungen zu schicken, mit der Aufforderung, diese abzudrucken oder ins Netz zu stellen. Ich würde mir da mehr Engagement wünschen, die bereitgestellten Kanäle auch zu nutzen."
Willkommen im Club. Ich bin schon froh, wenn die Mandatsträger und Funktionäre über Mail erreiche. Von den Delegierten mag ich da gar nicht träumen.
Und diese Leute muss man behutsam mitnehmen. Und nicht den großen Experimentierkasten Web 2.0 drüber auskippen!

Die spannende Frage wird sein, wie man die Basis wieder einbinden will. Wenn ich mir die Situation im OV und UB hier vor Ort ansehe, dann wäre der berittene Bote das Wahl der Mittel.

Mich persönlich beschleicht manchmal das Gefühl, dass hier nach "teile und herrsche" vorgegangen wird. Gib der Basis nur keine Plattform, wo sie sich eindeutig artikulieren kann. So werden die Diskussionen zerfleddert und verwässert. Egal ob das in nicht existierenden Arbeitsgruppen oder dutzenden Plattformen ist, wo das gleiche Thema immer und immer wieder angeschnitten wird. Natürlich ohne Konsequenz.

Guten Rutsch in ein gesundes 2010!
Robert

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