...das merkt doch keiner? Asse, Gorleben und kein Ende Atommüll - ein verdrängter Skandal?

von Karl-Heinz Föste - 13.06.2009
Bei uns unter der Erde - glaubt man manchen Veröffentlichungen - sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa. Mülldeponien werden mit Erde zugeschoben, egal ob darunter Dioxin ins Grundwasser sickert. Besser noch für das schlichte 'aus-den-Augen-aus-dem-Sinn' eignen sich Bergwerke und Salzstöcke. Missliebige Abfälle lassen sich darin langfristig und billig aus den Augen schaffen.

 

Über der Erde wird allenthalben Müll getrennt, in 'Wertstoff' umbenannt und zum Teil wiederverwendet. Man redet gern von Nachhaltigkeit. Alles scheint in guter Ordnung zu sein. Doch wenn man einmal ein paar Meter durch die Natur spaziert, lässt sich nicht mehr übersehen, dass wir uns in Wahrheit nur wenig von der Wegwerfgesellschaft entfernt haben, dass die Bequemlichkeit der Menschen, die ja nach Nietzsche die Wurzel allen Übels ist, dazu führt, dass das Wegwerfen dem ordentlichen Entsorgen, oder gar dem Recyclen, vorgezogen wird. Das Synonym zur Bequemlichkeiten beim Einzelnen sind die Stellgrößen 'Aufwand' und 'Kosten' in der Wirtschaft. Wirkliche Abfallkreisläufe einzurichten, ist aufwändig und kostet Geld, viel Geld. Also wird auch dort auf die Kosten geschaut und am Ende vielfach lieber weggeworfen.

Armselige und von moralischen Bedenken offenbar völlig freie Beispiele sind der Mülltourismus hin zu wilden Deponien, das Verklappen von Chemieabfällen, oder das – im Falle von Brent Spa zum Glück verhinderte – Versenken von Abfall in der Tiefsee.

'Das macht doch nichts, das merkt doch keiner' sang einst zynisch und treffsicher Hans Scheibner. Und dieses Vorgehen scheint noch immer weit verbreitete Maxime vermeintlich wirtschaftlichen Handelns zu sein. Gelingt diese Heimlichkeit nicht, wird die Phantasie der Apologeten solch allzu gewinnorienter Konzerne bemüht: Pressesprecher vermelden dann wohlfeile Erklärungen, warum dieses alles gesetzeskonform und auch unter Umweltaspekten völlig in Ordnung sei. In ganz argen Fällen wird auch einmal 'kein Kommentar' gegeben.

Offenbar nehmen Teile der Wählerschaft, vertreten durch gewisse Politiker der Christdemokraten und der FDP dieses im Falle der Atommüllentsorgung alles hin. Wie sonst wird erklärlich, dass der unter der Rot-Grünen Koalition beschlossene Atomausstieg nun wieder in Frage gestellt wird, obwohl die Endlagerung dieses auf Jahrtausende hin strahlenden Mülls nicht geregelt ist.

Nicht geregelt ...die schwarz-gelben Befürworter dieser Art der Energiegewinnung gehen vielleicht ja doch von der Lösung der Endlagerproblematik aus. Wie jetzt durch die Medien offenbart – und gleichwohl ähnlich wenig beachtet wie das laugendurchspülte und einsturzgefährderte Lager Asse II – hat die schwarz-gelbe Regierung unter Kohl begonnen, - unbemerkt von der Öffentlichkeit - das Erprobungslager Gorleben mit 1,5 Milliarden zu einem Endlager auszubauen. Die atomrechtliche Genehmigung fehlt zwar, aber es ist trotzdem kein Schwarzbau, denn die bergrechtliche Genehmigung war ja erteilt, so das Verwaltungsgericht in Lüneburg. Und wenn nun die Zeit für die Einrichtung eines Endlagers knapp wird, steht – voilà - ein solches Endlager schon bereit. Wer wird sich dann noch gegen die atomrechtliche Genehmigung sperren? Wenn die Zeit eng wird, ist diese nur noch eine Formalie. So schafft man Sachzwänge! Das Ganze nennt man dann die normative Macht des Faktischen.

Vor dem Hintergrund dieser verlogenen Charade gewinnt der Vorstoß des vormaligen Wirtschaftsministers Glos eine ganz neue Bedeutung, der kaum mehr Eindruck hinterlassen hat als den Versuch, den Ausstieg aus dem Atomausstieg in die öffentliche Diskussion zu bringen: Mit Klimaängsten wird die Atomenergie zur 'sauberen Energie' reingewaschen und der Blick auf die jahrtausendelang strahlende Hypothek mitsamt Folgekosten – wohlgemerkt für jetzige und spätere Steuerzahler – verstellt. Dann wird ein allen demokratischen Grundsätzen Hohn sprechendes, weil heimlich ausgebautes, Endlager aus dem Hut gezaubert.

Passt doch irgendwie alles zusammen, oder?

'Das macht doch nichts, das merkt doch keiner'? Da stehen  - bitte sehr - die Medien davor!

Bei dieser Art der Atompolitik sage ich in Anlehnung an die Farben des Atommüllwarnschildes:

Schwarz-Gelb? Nein danke!

Trotzdem findet der ganze Skandal kaum Beachtung in den Medien. Man muss in Zeitungen schon weit nach hinten blättern, um auf Meldungen zum Thema 'Asse' zu stoßen, wie jüngst die fast beiläufige Nachricht, dass in den 60er-Jahren Tausende von radioaktiv verseuchten Tierkadavern in der Asse entsorgt wurden. Nach dem 'Versturz' von Atommüllfässern, der Entsorgung von Giftstoffen in der Asse nun auch Tierkadaver. Die Phantasie reicht kaum aus, sich auszudenken, was Menschen noch einfällt, wo es eigentlich doch um höchste menschliche Verantwortung gehen sollte.

Das macht doch nichts, das merkt doch keiner, oder will es nur niemand wissen?

Laut Forsa übrigens sind 66% der Bundesbürger für die Beibehaltung des Atomausstiegs, 70% halten das Unfallrisiko für zu hoch und 57% sehen durch alle Bevölkerungsgruppen hindurch in der Atomenergietechnik eine große Gefahr.

Vielleicht sind bei dem Thema nur die Medien nicht genug am Ball. Ein Thema, das man den Bürgern erklären kann, nicht nur durch Sigmar Gabriel auf den Seiten des Bundesumweltministeriums. Ein Thema, das die Menschen bewegt, bei dem man Bürgernähe beweisen kann. Ein Thema für einen aggressiven Wahlkampf!

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Channel: Umwelt und Energie  

7 Atommeiler überflüssig

Bild von Tobias S.

Nicht nur das Endlagerproblem ist ungelöst, auch die angeblich drohende Stromlücke entpuppt sich als Farce: http://eltobi.wordpress.com/

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