Fehlstart, Bauchlandung, Kompetenzchaos. Das sind die Worte, mit denen eifrige Kommentatoren den Zustand unserer Regierung gerade beschreiben, ob nun im Fernsehen (wo das ja bald nicht mehr der Fall sein wird) oder in den Zeitungen. Doch was soll die ganze Panik? Schließlich haben doch schon alle führenden Regierer angekündigt, dass vor 2011 kein Reformprojekt angefasst wird. Die einfache, gerechte niedrige Stuerstrukturreform, zu Wahlkampfzeiten von der FDP als Mantra vor sich hergetragen? Ganz sicher nicht vor 2011. Die Reform (besser: Entsolidarisierung) des Gesundheitssystems? Nicht vor 2011, schon gar nicht vor der NRW-Wahl im nächsten Mai, das könnte ja Wähler des Arbeiterführers Rüttgers verprellen. Doch da sind noch viel mehr Gründe für das Zaudern von Schwarz-Gelb:
Beispiel Brüderle: Von einem Mann, der über ein Jahrzehnt darauf gewartet hat, endlich Wirtschaftsminister zu werden, ist doch wohl mindestens eine bis ins Detail ausgefeilte Vorstellungsrede im Bundestag zu erwarten, keine acht zusammengestammelten Minuten. Scheinbar reichen Herrn Brüderle zehn Jahre noch nicht aus, um sich auf dieses Amt vorzubereiten. Macht aber nichts; alle Ressourcen des Bundeswirtschaftsministeriums stehen ihm ja nun zur Verfügung, sich bis 2011 richtig fit zu machen, denn bis dahin läuft ja eh nichts!
Als echtes Geschenk für das Kabinett Merkel 2.2 kann wohl Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg bezeichnet werden, ein echtes Allroundtalent. Erst Wirtschaft, jetzt Verteidigung; George Bush zumindest hätte seine wahre Freude daran gehabt. So ein Mann, der die Belange der Wirtschaft dermaßen gut kennt, wie es als Wirtschaftsminister nun mal notwendig ist, kann schließlich als Verteidigungsminister zielgenau dort intervenieren, wo böse Despoten Halliburton und Co. ihre Ölvorräte vorenthalten oder Kommunisten die wichtige Erließung neuer Märkte verhindern. Trotzdem braucht sich jetzt noch keine Bananenrepublik der Welt Sorgen zu machen, denn vor 2011 passiert doch bei unserer Regierung nichts! Also noch genug Zeit, um aufzurüsten...
Müssen uns jetzt schon holländische Journalisten sagen, wie jämmerlich unsere Regierung ist? Sind die deutschen Medienantsalten vielleicht jetzt schon so politisch unterwandert, dass sie keine kritischen Fragen mehr stellen? Oder wie ist es sonst zu erklären, dass nach der Berufung von Spenden-Spieler Schäuble sonst niemand darauf hingewiesen hat, wer da eigentlich mit unseren Steurmilliarden hantieren soll. Ein Mann, der doch ernstlich behauptet, 100.000 Euro in seinem Schreibtisch vergessen zu haben, ist doch mit noch viel mehr Nullen noch viel mehr überfordert. Glück im Unglück: Genug Zeit, mal gründlich alle Schreibtische seines Ministeriums zu durchsuchen, hat der Steuer-Schwabe ja nun, denn vor 2011 muss ja kein Geld verwaltet werden, denn bis dahin läuft doch ohnehin nichts!
Einer, der das Laufen ab 2011 nun nicht mehr mitbekommen wird, ist der hessische Jung' Jung. Aber, über die Toten nur Gutes, deshalb lieber gar kein Wort über diesen Herren verlieren. Lieber über seine Nachfolgerin und deren Nachfolgerin, die Familienministerin ohne Familie. Was kommt danach? Ein ADAC-Präsident ohne Führerschein? Nichtschwimmer im Einsatz für die DLRG? Feuerwehrmänner mit Höhenangst? Doch auch hier ist ja noch genügend Zeit für die Frau Ministerin, sich „einzuarbeiten“: Eine pompöse Hochzeit zu planen dauert mindestens drei Monate, ein Kind danach noch mal neun, macht genau ein Jahr. Damit ist bis 2011 alles noch möglich, nur mit der Elternzeit wird es dann knapp werden, denn ab 2011, da geht es ja richtig rund!
Eine Regierung, die öffentlich ankündigt, das erste Viertel ihrer Amtszeit gar nichts tun zu wollen. Minister, die ein Jahr lang die Füße hoch legen wollen. Und niemand empört sich darüber! Aber vielleicht ist es bei dieser Besetzung auch besser so; ein Jahr weniger zum Scheiße bauen!



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