Rückblick Halbfinale
Zunächst geben wir zu: wir haben geirrt – und leisten Abbitte bei Jennifer Braun, die für uns seit mehreren Sendungen eigentlich die größte Wackelkandidatin war. Doch sie konnte sich von Sendung zu Sendung kontinuierlich steigern und hat am Dienstag zwei großartige Auftritte hingelegt. Völlig unbefangen suchte sie sich ausgerechnet Gossips Heavy Cross und Christina Aguileras Hurt aus – und die Schuhe waren ihr keineswegs zu groß. Tolle Auftritte!

Konkurrenz für Beth Ditto? Jennifer Braun | Foto: USFO/Pro Sieben
Lena Meyer-Landrut, deren Sieg, glaubt man allen Umfragen, Zahlen und Prognosen, eigentlich fast als sicher gelten kann, lehnte sich aber keinesfalls ruhig zurück. Mit Mr. Curiosity von Jason Mraz lieferte sie ihren bisher besten Auftritt. „Du kannst ja singen“ kommentierte Stefan Raab.

Da stimmte jede Geste: Mrs. Curiosity Lena Meyer-Landrut | Foto: USFO/Pro Sieben
In den vergangenen Wochen war Lena oft vorgeworfen worden, sie könne dies gar nicht und würde jeden Song mit ihrem Sprechgesang immer auf ein- und dieselbe Art interpretieren. Mit Mr. Curiosity zeigte sie nun aber eine neue Facette – zwar gab es auch da Töne, die alles andere als getroffen waren, aber dennoch gewollt und perfekt klangen. Auch wir waren ja lange kein Lena-Fans, aber in den 3 Minuten am Dienstag stand uns der Mund offen – das war große Show! Da stimmte einfach alles: Haltung, Stimme, Ausdruck und jede zwar spärlich aber dafür umso gezielter eingesetzte Geste. Ihr zweiter Auftritt Lovecats von The Cure war auch wieder eine freche Eigeninterpretation, die von vielen als nicht ganz geglückt wahrgenommen wurde – aber schaden konnte es Lenas Siegeszug nicht mehr.

Jetzt auch noch mit Mundharmonika: Christian Durstewitz und Kerstin Freking ("Ich wäre gern in Woodstock dabei gewesen") | Fotos: USFO/Pro Sieben
Unsere eigenen beiden Favoriten, Christian Durstewitz und Kerstin Freking, haben es am Dienstag leider nicht geschafft. Nicht weil sie schlecht, sondern weil Lena und Jennifer einfach zu gut waren.
An Kerstins Auftritt gab es nichts auszusetzen und nach wie vor denke ich, dass meine „Lieblingselfe“ fantastisch nach Oslo gepasst hätte – aber es gab nicht genügend Anrufer für sie.
Wie auch für Christian, der zwar wieder zeigte, dass auf ihn als Vollblutmusiker Verlass ist, der aber den ganzen Abend den Eindruck machte, als hätte er sich gegenüber der weiblichen Konkurrenz schon verloren gegeben. Schade! Ich hoffe, ich kann ihn trotzdem in Zukunft bald mal live auf einer Bühne erleben!
Aber nicht nur musikalisch war das Halbfinale ein Volltreffer – für richtig gute Unterhaltung sorgte diesmal vor allem Jurorin Barbara Schöneberger. „Wo bleibt der homosexuelle Teil“ fragte sie angesichts Christians Auftritt „wird es eine Tanzgruppe dazu geben oder lässt Du Dich in einen goldenen Anzug stecken?“

Die Jury: Stefan Raab, Barbara Schöneberger und Jan Delay | Foto: USFO/Pro Sieben
Kritik an USFO
Morgen zum Finale werden Stefanie Kloß von Silbermond und Xavier Naidoo an Raabs Seite die Jury bilden.
Oft war die Jury in den vergangenen Wochen kritisiert worden: zu sehr Waldorf-Kindergarten und Friede-Freude-Eierkuchen würde bei USFO geboten. Die Kritiklosigkeit der Jury sei gähnende Langeweile. Parallel dazu werden die vermeintlich schlechten Quoten gegen die von Deutschland sucht den Superstar gegengerechnet.
Blenden wir mal die beiden Totalausfälle Nena und Marius Müller-Westernhagen aus, die man das nächste Mal hoffentlich nicht mehr einladen wird, dann sehen wir bei USFO vor allem zwei Eigenschaften, die für uns deutlich mehr wiegen als schnelle Schnitte, viel Geschrei und vermeintliche Action: zum Einen ist es das das musikalische Niveau, zum anderen der Respekt, der den Kandidatinnen und Kandidaten entgegengebracht wurde – beides sind für bisherige Casting-Shows eher Fremdwörter.
Doch ausgerechnet Dieter Bohlen bekommt inzwischen anscheinend kalte Füße. Letzten Samstag sprach Bohlen „von irgendwelchen Casting-Shows“, bei denen den Kandidaten immer nur gesagt werden würde, wie gut sie seien – das brächte alles gar nix, sei langweilig und deshalb würde bei ihm die Jury Klartext reden. Dass es in der Folge dann bei seinen „Bewertungen“ um sich abzeichnende Genitalien eines Kandidaten ging, erübrigt jeden weiteren Kommentar!

Stolzer USFO-Papa: Stefan Raab mit den Finalistinnen | Foto: USFO/Pro Sieben
Wir meinen: gute Unterhaltung lässt sich nicht nur an Quoten messen – auch Raabs Bundesvision lief im ersten Jahr verhalten an. USFO lieferte, was wir erhofft hatten: gute Musik, gute Musik und noch mal gute Musik – ohne Firlefanz, aber trotzdem mit viel Gänsehaut und mitreißenden Kandidaten und Kandidatinnen.
Und das erwartet uns morgen:
Wie gut das Konzept letztlich war, wird der morgige Abend zeigen, denn noch stehen 50% zum Erfolg aus – die Auswahl des richtigen Songs nämlich. Und darüber ist noch nicht allzu viel bekannt. Mit einem Pool von Autoren und Komponisten der Plattenfirma Universal wurde gearbeitet – ob die Begeisterung über „seine“ Kandidatinnen auch Meister Raab selbst zur Feder hat greifen lassen, ist noch nicht bekannt.
Lediglich den Auswahlmodus können wir vorstellen: Jennifer und Lena werden morgen beide 3 Lieder präsentieren. Anschließend werden die Zuschauer für jede Kandidatin entscheiden, welcher der drei Songs am besten zu ihr persönlich passt. In einer weiteren Runde werden dann Lena und Jennifer noch einmal den Song präsentieren, den ihnen das Publikum auf den Leib gewählt hat – erst dann entscheidet das Televoting, wer von beiden mit „ihrem“ Song nach Oslo fahren wird.
Eines aber wissen wir schon jetzt: egal wer gewinnt – wir werden diesmal sicher ohne Scham und mit voller Überzeugung in Oslo „unsere“ Kandidatin anfeuern können! Da spielt „der homosexuelle Teil“ eigentlich gar keine Rolle! Wir drücken beiden Mädels die Daumen, dass sie richtig gute und passende Songs bekommen!
USFO – Das Finale läuft morgen, Freitag 12.3. um 20:15 h in der ARD!

Fundstück
Unser Lieblingsfundstück der Woche aus der Reihe „Reden über Dinge, von denen ich keine Ahnung habe“ lief vergangenen Montag im ARD-Buffet, einer jeder Sendungen, durch die man meist hindurch zappt – doch Montag blieb ich dran, denn sie saß auf der Couch, Sängerin eines der besten Grand-Prix-Titel aller Zeiten: Joy Flemming. So sehr ich sie für Ein Lied kann eine Brücke sein verehre, was sie am ARD-Buffet feilbot, erzeugte Gänsehaut der Sorte Fremdschämen. Zu USFO befragt, erging sie sich doch darüber, dass die Kandidaten dort doch „nur so Cover-Zeugs“ machten und noch niemand etwas selbstgeschriebenes präsentiert hätte. Schade, Frau Flemming, dass Sie die Sendung anscheinend gar nicht gesehen haben. Aber zu einem Gespräch gehören ja bekanntlich zwei und auch die Moderatorin, die das Interview führte, konnte den Irrtum nicht aufklären. Bravo!
[Korrektur, 15.3.: Das Interview fand nicht in der Sendung vom vergangenen Montag, sondern bereits am Freitag zuvor, 5.3., statt - ein Fehler unsererseits., MS]
Weitere Entscheidungen
... stehen an diesem Wochenende ins Haus: Estland, Großbritannien und Griechenland am Freitag, Schweden und Serbien am Samstag sowie Bosnien-Herzegowina am Sonntag!
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