Das ESC-Blog von Frank Bieberich „Nun kommt Belgien.“ „Quatsch, nun kommt Rumänien.“

von Frank Bieberich - 26.05.2010
Ja, es stimmt: Noch nicht alles bei der heutigen ersten Generalprobe für das zweite Halbfinale lief reibungslos. Dafür haben die Moderatoren aber auch noch bis morgen Abend Zeit, alle Probleme in den Griff zu bekommen.

Der Beginn des zweiten Halbfinales gleicht dem des ersten Halbfinales. Daher halten wir uns mit den Einführungsfloskeln nicht lange auf, sondern beleuchten die 17 Teilnehmer des zweiten Halbfinales:

 

01 – Litauen – InCulto mit „East European Funk“

Auftritt: Die sechs Litauer von InCulto zeigen genau das, was sie schon in den beiden Proben zuvor gezeigt haben. Eine gute Chereografie, viel Aktion auf der Bühne und geschmacklich fragwürdige Disko-Hosen. Wie auch im ersten Halbfinale die richtige Mischung für die erste Startnummer.

Chancen: Nicht nur die Halle wird mitfeiern, auch die Zuschauer zu Hause werden sich von dieser mitreißenden Nummer anstecken lassen. Klarer Finalplatz für Litauen, womit sie sich erst zum zweiten Mal seit 2004 aus einem Halbfinale qualifizieren.

 

02 – Armenien – Eva Rivas mit „Apricot stone“

Auftritt: Ein Tänzer, drei Backgroundsänger/innen, ein Flötist und eine Interpretin vor einem überdimensionalen Aprikosenkern. Das sind die Zutaten für den armenischen Auftritt. Die Kameraführung schient noch nicht perfekt, der Auftritt bliebt jedoch in Erinnerung, gerade wegen eines Knalleffektes beim letzten Ton. Alles in allem nicht schlecht, aber es könnte auch ein bisschen besser sein..

Chancen: Die Frage ist nicht, ob sich Armenien qualifiziert, sondern, auf welchem Platz. Denn auch am Samstag könnte es gute Chancen geben für den ganz großen Coup.

 

03 – Israel – Harel Skaat mit „Milim“

Auftritt: Ein blauer Hintergrund zu Beginn begleitet Harel Skaat, der leger in Anzug und weißen Hemd auftritt. Ab dem zweiten Refrain wechselt der Hintergrund zu einem Sternenhimmel, um am Ende, mit der Steigerung der Melodie, in grellem Weiß zu erstrahlen. Harel, ein Klavierspieler und seine zwei Backgroundsinger haben jedoch zu jeder Zeit den Durchblick und meistern die Probe hervorragend.

Chancen: Auch wenn ich noch manche/n israelische/n Pressevertreter/in überzeugen musste: Israel ist ebenfalls sicher im Finale. Dieses ruhige Lied bliebt, wenn auch zu Beginn des Abends, im Gedächtnis.

 

04 – Dänemark – Chanée & N‘evergreen mit „In a moment like this“

Auftritt: Nun haben die Dänen viel Wind, aber immer noch leider (zu) wenig Emotionen. Außerdem versperrt der künstliche Nebel mehrere Male die Sicht auf die Künstler. Daher ein schwacher Auftritt der beiden, der Schreckliches erahnen lässt. Trotz Herzblatt-Wand.

Chancen: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese müde Vorstellung belohnt wird. Dänemark wird sich nicht qualifizieren, auch von den Juries kommen nicht genug Stimmen.

 

05 – Schweiz – Michael von der Heide mit „Il pleut de l‘or“

Auftritt: Michael bleibt bei seinen Probenauftritten, mit drei Backgroundsängerinnen, die an grieschiche Göttin erinnern sollen. Zu Beginn speit als Effekt zwar die Bühne Feuer, anstatt Gold regnen zu lassen, aber gegen Ende des Liedes kommt auch der erhoffte Goldregen hinzu. Für Schweizer Verhältnisse kommen viele Pyroeffekte zum Zuge, was den Auftritt in der Halle durchaus stark erscheinen lässt.

Chancen: Das Lied ist ein typisches Chanson. Nur glaube ich, dass dieses Jahr nicht die Zeit für Chansons ist. Daher wird die Schweiz, wie die Jahre zuvor, wieder im Halbfinale die Segel streichen müssen.

 

Danach erfolgt eine Pause von 1:30 Minuten, in der die unvermeidliche Lys Assia im Publikum begrüßt und gehuldigt wird.

 

06 – Schweden – Anna Bergendahl mit „This is my life“

Auftritt: Anfangs ganz in Rot, wechselt die Bühnenfarbe gegen Ende nach Weiß. Auch sonst entspricht der Auftritt dem, was Anna in der zweiten Probe gezeigt hat, plus einem Gitarenspiel in der ersten Strophe. Zu erwähen ist noch, dass wohl das Publikum morgen Leutstäbe erhalten wird, ähnlich wie im nationalen Finale in Schweden.

Chancen: Das Land von Abba wird meistens als sicherer Finalkandidat gehandelt. Heuer muss die Köttbullar- und Elchnation zwar etwas bangen, sie kommen aber knapp durch.

 

07 – Aserbaidschan – Safura mit „Drip drop“

Auftritt: Herzlich Willkommen zum Telekolleg „Richtig Treppensteigen“. Erst geht es für Safura die Treppe hinunter, dann geht es für die drei backgroundsängerinnen die Treppe hinauf. Sehr spannend. Einzig die melodischen Bewegungen bei den Worten „Drip Drop“ sind sehenswert. Eine wirklich gute und erinnerungswerte Bühnenshow sieht dabei anders aus, Aserbaidschan.

Chancen: Heißer Favorit auf den (Halbfinal-)Sieg. Aber auch nur, weil das Lied wirklich international klingt und von daher in allen Ländern anerkannt wird.

 

08 – Ukraine – Alyosha mit „Sweet people“

Auftritt: Alyosha begrüßt uns im Büßergewand und vor einem roten Hintergrund. Außer ihr wird dabei die nächsten drei Minuten keiner stehen, sie tritt alleine auf. Innerhalb des Liedes werden zwei Farben verwendet: Rot, wie angesprochen, und Weiß bei den rocklastigen Perioden.

Chancen: Auch wenn die ukrainische Delegation viele Pluspunkte bei mir gesammelt hat, da sie u.a. zusammen mit Deutschland ihre Party veranstaltete und zum beschriebenen Fußballspiel geladen hat wird dies wohl nichts. Zu düster und schwerfällig scheint das Lied, so dass ich nicht an eine Finalteilnahme denke.

 

09 – Niederlande – Sieneke mit „Ik ben verliefd (Sha-la-lie)“

Auftritt: Und da kommt er auch schon, der Weinfest-Mitschunkel-Schlager. Wir hatten ihn die ganze Zeit nicht vermisst, aber er kommt trotzdem. Das Schönste an diesem Auftritt blieben dabei immer noch die lebendigen Puppen auf der Drehorgel. Mehr als dies und „Sha-la-lie, sha-la-la“ darf nicht erwartet werden.

Chancen: Gering. Aber nach der Ukraine könnte diese fröhliche Pseudo-Show tatsächlich wirken. Trotzdem hoffe ich auf den Geschmack Europas und sehe die Niederlande nicht im Finale.

 

10 – Rumänien – Paula Seling & Ovi mit „Playing with fire“

Auftritt: Der Auftritt ist ganz schön weiß. Zum Einen schießen in unregelmäßigen Abständen jeweils Feuerfontainen aus der Bühne, was fast wie eine Hommage an Island anmutet. Andererseits lässt Paula Seling in ihrem Catsuit sogar Halle Berry als Catwoman erblassen. Nur hat Paula keine Maske auf...

Chancen: Für mich ist es keine Frage, dass sie Rumänien qualifizieren wird. Ich hoffe nur, dass Rumänien nicht vor Deutschland starten darf. Aus meiner Sicht wäre dies für Lena eher unvorteilhaft.

 

11 – Slowenien – Ansambel Žlindra & Kalamari mit „Narodnozabavni rock“

Auftritt: Und wir bedienen noch ein Sparte, Servus Volksmusik. Der Musikantenstadl aus Slowenien mit ihren vier Mitgliedern begrüßen zusätzlich einen Rocksänger und einen Gitaristen in Lederjacke. Aber Lied muss ich mir hoffentlich nicht merken.

Chancen: Die Kommazahl hinter der Null ist bei mir ebenfalls eine Null. Ein klareres Ausscheidungslied gibt es in diesem Halbfinale nicht.

 

12 – Irland – Niamh Kavanagh mit „It’s for you“

Auftritt: Niamh tritt in einem blauen Kleid auf, also der selben Farbe, die auch die zwei Backgroundsängerinnen tragen. Die beiden Backgroundsänger sind dabei klassisch in Schwarz gekleidet. Klassisch ist auch das Stichwort für den Auftritt. Niamh steht vorne auf der Bühne und singt ihr Lied. Punkt.

Chancen: Im Pressezentrum als einer der Fanfavoriten gehandelt, glaube ich nicht an einen Finaleinzug. Zu altbacken erscheint das Lied.

 

13 – Bulgarien – Miro mit „Angel si ti“

Auftritt: Ganz in weiß, ohne Blumenstrauß gibt sich der Auftritt Bulgariens. Viel wurde im Vergleich zur zweiten Probe nicht verändert, so dass auf der Bühne schon allerhand gemacht und getan wird. Aber viel ist nicht immer gut. Das weiß man auch aus Klausuren!

Chancen: Bulgarien ist schwer einzuschätzen, es erschenit den meisten jedoch als zu leicht und nicht einprägsam (zum Glück habe ich das Wort billig irgendwie umschiffen können). Daher keine Engel im Finale.

 

14 – Zypern – Jon Lilygreen & The Islanders mit „Life looks better in spring“

Auftritt: Zypern schöpft das gesamte Kontingent von sechs Personen auf der Bühne aus. Jon Lilygreen verzichtet dabei nicht auf seine Jeans, während dessen seine anderen fünf Mitstreiter ganz in Schwarz gekleidet sind. Immer noch auffällig unauffällig dieser Auftritt, der keine Bewegungen hat bzw. auch keine braucht.

Chancen: Zypern kann die Überraschung packen und ganz knapp als einer der letzen ins Finale einziehen. Man muss nur fest daran glauben.

 

15 – Kroatien – Femimnem mit „Lako je sve“

Auftritt: Es bleibt beim Auftritt wie zuvor, von einer Parkbank mitten ins Herz in drei Minuten.

Chancen: Kroatien erschient als einer der sichereren Länder, das ins Finale einzieht. Der Balkan wird deren balkanesk angehauchte Ballade mögen.

 

16 – Georgien – Sofia Nizharadze mit „Shine“

Auftritt: Georgien setzt auf die Nationalfarben, Sofia und eine weitere Person tragen rot, die restlichen vier Personen auf der Bühne weiß. Zum Glück gibt es nun nicht mehr so viele Hebefiguren und Drehungen, die man Sofia zumutet, aber trotzdem immer noch irgendwie zu viel.

Auch die Feuerfontaine am Ende des Auftritts ist unnötig, da dadurch die wunderschöne letzte Hebefigur verdeckt wird.

Chancen: Auch für Georgien wird es knapp. Ich drücke aber dem unzweifelhaft großen musikalischem Talent aus Georgien die Daumen. Und damit sich auch einer meiner Favoriten durchsetzt, sage ich mal, Georgien geht ab ins Finale.

 

17 – Türkei – maNga mit „We could be the same“

Auftritt: Die Türkei präsentiert sich immer noch sehr dunkel, die Gruppe trägt schwarz und es sind eine schwarze und eine weiße Flagge zu sehen. Heraussticht nur ein Roboter auf der Bühne, der silbern-metalig ist, natürlich. Im Laufe des Liedes verwandelt sich dieser Roboter jedoch zu einer Frau. Getreu nach dem Motto: Wir können gleich sein. Der Auftritt ist schon stimmig, jedoch für manchen sicherlich gewöhnungsbedürftig.

Chancen: Die Türkei ist ein sicherer Finalkandidat. 100 %, so sicher, dass man sogar in Zeiten der Finanzkrise darauf wetten könnte. Dies soll aber keine Empfehlung sein!

 

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