Das ist aber nur die Kurzversion eines ganzseitigen Artikels auf Seite 3 der überregionalen Ausgabe der „Welt“ mit Ankündigung auf der ersten Seite.Einmal in Schwung lässt das Haus Springer Dirk Banse und Uwe Müller, die Autoren , für „Welt online“ noch in mehreren Beiträgen nachlegen. Was sich als investigativer Journalismus ausgibt – „Das unbekannte Vorleben des Birthler-Direktors“ lautet etwa eine Überschrift – ist in Wirklichkeit eine krude Sammlung von Behauptungen und Unterstellungen. Hans Altendorf war 1969 als Student Mitglied des SHB, des Sozialdemokratischen Hochschulbundes, geworden, der sich nach der Namensaberkennung durch die SPD Sozialistischer Hochschulbund nannte. Das ist bereits 2001 öffentlich erörtert und schließlich als irrelevant zu den Akten gelegt worden. In der „Welt“ liest man es freilich anders: „Altendorfs wunder Punkt: Während seines Studiums betrieb er nach Erinnerung eines ehemaligen Kommilitonen 'faktisch DDR-Politik' “, verraten uns die Autoren, der ominöse Kommilitone freilich bleibt im Dunkeln.
Stasi-Kumpanei
Die Verfasser des Artikels enthüllen statt dessen, Hans Altendorf „war ab Anfang der 70er-Jahre sowohl in dem vom KGB gelenkten 'Weltfriedensrat' als auch in der von der DDR beeinflussten Initiative 'Weg mit den Berufsverboten' tätig“. Gegen die Berufsverbote dürften damals freilich einige Hunderttausende aktiv gewesen sein, sehr viele Sozialdemokraten und vor allem auch viele Liberale, die damals nicht nur so hießen, sondern es auch waren. Doch die journalistischen Spürnasen von der „Welt“ sind noch lange nicht am Ende: „Er bewegte sich Recherchen zur Folge in einem Umfeld, das von Ost-Agenten durchsetzt war.“ Das soll auch anderen so gegangen sein. So wurde 1993 etwa die Wahlkreissekretärin Hamburger Bundestagsabgeordneter als DDR-Agentin enttarnt. Zu ihren Chefs gehörten Helmut Schmidt, Hans Apel und Herbert Wehner. Und die gesamte Bürgerrechtsbewegung in der DDR war mit Stasi-Leuten durchsetzt, wie man heute weiß. Überall Kumpanei mit Stasi-Agenten?
Rufmord
Zusammen mit der Abgeordnetensekretärin flogen noch zwei weitere Agenten in der Hamburger SPD auf. In der „Welt“ liest sich das so: „Zwei Hamburger SHB-Genossen Altendorfs, die unter dem Decknamen IM 'Kugel' und IM 'Gerd' spionierten, wurden Anfang der 90er-Jahre zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ihre Stasi-Unterlagen verwaltet Altendorf mittlerweile“. Was möchten uns die Autoren zu verstehen geben? Altendorf persönlich verwaltet die Unterlagen? Er allein? Hat er sie beiseite geschafft? In seinem Schreibtisch eingeschlossen? Unter seinem Bett versteckt? Ein fein ziselierter journalistischer Rufmord, juristisch kaum zu belangen. „Skandal um Birthler-Direktor“, wie „BILD“ meldete? In der Tat, aber ganz anders als vom Blatt gemeint.
Der ehemalige Hamburger Staatsrat Dirk Reimers schreibt der „Welt“ aufgrund ihres Artikels einen Brief:
D I R K R E I M E R S
25497 Prisdorf
Leserservice WELT ONLINE
Leserservice DIE WELT
8.März 20210
Dirk Banse und Uwe Müller / Das Vorleben des Birthler-Direktors, welt-online 6.3. 2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
von 1976 bis 1981 war ich in der Hamburger Schulbehörde für die Umsetzung des Extremistenbeschlusses (sogen. „Berufsverbote“) zuständig und galt manchem als „Kommunistenjäger“. In dieser Zeit wurde Herr Altendorf bei uns eingestellt.
Ich erinnere Herrn Altendorf als staatspolitisch interessierten, zurückhaltenden sowie außerordentlich verlässlichen und seriösen Mitarbeiter mit abgewogenem Urteil, hohem Verantwortungsbewusstsein und ausgeprägter Loyalität. Diesen Ruf genoss er nach meiner Erinnerung auch bei allen späteren Verwendungen.
Sein Studium fiel in die Zeit einer enormen Politisierung der Universitäten mit der friedensbewegten Suche nach Welterklärungsformeln und einer gerechten Gesellschaft. Das wurde auch von Kommunisten als Chance gesehen. In der Auseinandersetzung mit ihnen hatte der Student Altendorf keine Berührungsängste, schloss sich Ihnen aber gerade nicht an.
Ihn als DDR-Sympathisanten zu brandmarken, ist sachlich falsch. Aus der heterogenen Masse damaliger Organisationen und „Bündnisse“ einzelne Verfassungsfeinde, IMs und Kriminelle zu nennen und Altendorf dann gezielt als Kumpan in diesen Zusammenhang zu stellen oder einen solchen Eindruck zu suggerieren, ist bösartig und unanständig. Das ist Verleumdung im Stil von McCarthy und Stasi.
Die Sache stinkt und das Ziel der Aktion ist erkennbar: Die Birthler – Behörde soll destabilisiert werden, um sie auflösen zu können. Da ist offenbar jedes Mittel recht.
Banse und Müller befinden sich in zweifelhafter Gesellschaft.
Mit freundlichem Gruß
Dirk Reimers
Polizeipräsident a.D.
Staatsrat a.D.
Die „Welt“ druckt den Leserbrief immerhin ab, doch ein wenig gekürzt. Ein zentraler Satz fehlt: „Das ist Verleumdung im Stil von McCarthy und Stasi.“



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