Das Pressezentrum füllt sich langsam, die Unruhe wird spürbar stärker, und wir sind auf den Weg in die zweite Woche hier in Oslo. Heute ist Lenas Anreise in Oslo – schon seit Tagen werden wir nach ihr gefragt und sollen ihre Chancen einstufen.
Am Mittwoch fingen auch die ersten richtigen Partys und Empfänge an. Jeder und jede versucht, Informationen über die Zeiten und Orte dieser Ereignisse zu erfahren. Und dann die entscheidende Frage: Reicht die Akkreditierung oder muss eine Einladung vorgezeigt werden? Oder kommt man nur hinein, wenn man sich vorher angemeldet hat? Manchmal findet man eine Einladung im Fach, manchmal wird einem bei der Pressekonfernz eine Einladung in die Hand gedrückt und manchmal gibt es jemanden, der die Einladung nicht wahrnehmn kann oder will und sie weitergibt (Danke, Anke!).
Und so können wir über Serbien, Island, die norwegische Wirtschaft, Weißrussland und Mazedonien berichten.
Serbische Folklore
Als in Belgrad der Eurovision Song Contest stattfand, waren viele Zuschauerinnen und Zuschauer gelangweilt: Im Pausenakt gab es einen sehr langes Programm mit traditioneller serbischen Folklore. Goran Bregovic spielte mit seinem Hochzeits- und Beerdigungsorchester auf. Die Halle in Belgrad tobte und sang mit großer Leidenschaft mit. Doch vor dem Fernseher sprang der Funke nicht über. Jetzt gab es eine Wiederauflage dieser Zwischendarbietung im Alten Logenhaus in Oslo, wohin der serbische Botschafter geladen hatte.

Beim serbischen Botschafter im Logenhaus | Foto: Martin Schmidtner
Das über zweistündige Konzert mit nahezu nahtlos ineinander übergehenden Liedern zeigte eine Improvisationsfähigkeit, die einen sofort mitwippen, mitschunkeln und mitsummen lässt. Die serbische Gemeinschaft Oslo begrüßte ihren Superstar Goran überschwänglich. Als dann
Milan Stanković seinen ESC-Beitrag
Ovo je Balkan vortrug und die üblichen drei Minuten einfach verdoppelte und eine spanische Version vortrug
(Balkaneros), war kein Halten mehr.

Mädchenschwarm Milan | Foto: Martin Schmidtner
Aus unserer Tradition kennen wir Blechbläser aus Posaunenchören und Blaskapellen – wie anders und virtuos wurde hier dagegen mit Trompete, Posaune & Co. experimentiert, improvisiert und das letzte gegeben. Oft muteten die Klänge orientalisch an, oft gingen Improvisationen fast ins Jazzige und dann wieder wurde vom halben Saal mitgesungen – der Schweiß lief in Strömen und man wünschte sich, noch einmal Hochzeit zu feiern und eine solche Tanzkapelle auftreten zu lassen. Ein musikalisches Highlight der ersten ESC-Woche in Oslo!

Diese Innigkeit, mit der nationales Liedgut hier gelebt wird, ist für uns unvorstellbar. Mit diesem Erlebnis konnten wir endlich auch die erste Version des serbischen Beitrags verstehen, die nach der Vorentscheidung auf youtube zu sehen war.
Background-Sängerinnen und Goran Bregovic

Alles andere als Hump-ta-ta | Foto: Martin Schmidtner
Isländer singen und feiern
Anders die Isländer, die einen Tag später in das Haus der Botschafterin einluden. Auf der Halbinsel Bygdoy gelegen, fühlte man sich in diesem herrschaftlichen Gebäude mit einem wunderbaren Garten gleich völlig entspannt und wurde mit einem netten Buffet und einem grandisoen ESC-Sommerkonzert belohnt. Ein Medley von norwegischen und isländischen Beiträgen der letzten Jahre erklang. Der Interpret Kristján Gíslason trug seinen Beitrag von 2001 Angel vor. In diesem Jahr ist er Backgroundsänger. Und natürlich gab es Je ne sais quoi, vorgtragen von Hera Björk, die in ihre Natürlichkeit und Fröhlichkeit hier jeden und jede verzauberte. Hera auf Nachfrage von uns zu Lena: "Adorable, cute and a winner". Mit dem Schiff ging es zurück in die Innenstadt.
Botschafterin Sigríður Dúna Kristmundsdóttir hat geladen....

Unter den Gästen beim Eurovisions-Medley auch Uwe Stäglin, stellvertretender Bezirksbürgermeiste von Berlin, Steglitz/Zehlendorf in privater Funktion als eingefleischter ESC-Fan und -Kenner

und der vorwärts-Berichterstatter | Fotos: Marc Schulte
Norwegisches Design
Und dort wartete schon die nächste Party: Die norwegische Wirtschaft hatte eingeladen und wollte Norwegen präsentieren mit seinem Essen, seinem Design und seiner Musik. Roher Fisch, Fischsuppe und Fischbuletten, zugegebenermaßen sehr edel zubereitet, wurden in Mini-Portionen gereicht und ließen die durch die hohen Preise hier sich minimalistisch versorgend en Journalisten weiter hungern. Doch die Musik entschädigte: Drei Granden der ESC-Geschichte waren zu hören und zu sehen:
Alexander Rybak (2009),
Didrik Soli-Tangen(2010) und
Maria Haukaas Storeng (2008). Alle drei erhielten zum Abschluss Produkte aus Norwegen, vom feuerfesten Anzug bis zur Designerlampe, und durften sich zudem als Models für norwegische Kleidung vorstellen. Vielleicht hatten die drei dann doch eher das Gefühl, auf einer Kaffeefahrt zu sein als auf einer Präsentation der Kampagne
Innovation Norwegen.

Didrik, Maria und Alexander als Werbeträger

Alexander Rybak - inzwischen mit eigener Briefmarke

Ende der Kaffeefahrt | Fotos: Martin Schmidtner
Mazedonische Reiseführer
Damit war es 22 Uhr und der Abend noch nicht zu Ende. Mazedonien lud in eine Kneipe, wo wir neben Musikbeschallung nur noch Flaggen und Reiseführer vorfanden, so dass es dann wieder in den Euroclub ging, wo gestern Weißrussland seine gaaanz spontane Verlobung feierte.
Darüber hat unser Kollege und zweiter ESC-Blogger des vorwärts Frank Bieberich bereits berichtet. Gelegenheit, um nach dem Dauerstress der ersten Probentage endlich mal bewusst darauf hinzuweisen, dass der Vorwärts neben unserem ESC-Blog hier in Oslo noch ein zweites ESC-Blog zu bieten hat - dabei haben wir natürlich teilweise doppelt berichtet, doch zwei unterschiedliche Sichtweisen auf das Ereignis hier können ja auch bereichernd sein.
Alle bisherigen Beiträge zum ESC finden sich über den Link: ESC-Blogs
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