Blog Opakratie – Die andere Einkommenslücke

Generational Pay Gap – späte Geburt heißt geringes Gehalt

Wolfgang Gründinger03. Februar 2015
Die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern wird als „Gender Pay Gap“ heiß diskutiert. Aber auch zwischen den Generationen gibt es eine erhebliche Lohnkluft. Wer später geboren wurde, verdient in seinem Leben deutlich weniger. Höchste Zeit, über „Generational Pay Gap“ zu sprechen.

Ein geringeres Einkommen ist die Strafe der späten Geburt. Das belegt eine druckfrische Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die zum ersten Mal die Ungleichheit der Löhne und Gehälter summiert über das gesamte Erwerbsleben berechnet hat. Die Forscher haben die Lebenseinkommen der Jahrgänge 1935 bis 1972 verglichen und festgestellt: Wer nach 1955 geboren wurde und im niedrigsten Einkommenssegment arbeitet, verdient im Laufe seines Lebens weniger als jemand, der vor 1955 geboren wurde.

Für den mittleren Einkommensbereich gilt dasselbe ab dem Geburtsjahr 1967. Insgesamt hat sich die Ungleichheit zwischen den Lebenseinkommen in vierzig Jahren in etwa verdoppelt. Hauptgrund: Arbeit wird immer schlechter bezahlt. Einzige Ausnahme ist der oberste Einkommensbereich. Hier gilt genau das Gegenteil: Eine späte Geburt zahlt sich sogar aus. Dem gewichteten Durchschnitt hingegen, dem Median, bleibt weniger als früher, er ist gesunken.

Sparen fürs Alter fast unmöglich

Der Generational Pay Gap hat schwerwiegende Folgen, mahnen die Forscher. So sei zu erwarten, dass Arbeitnehmer mehr Schwierigkeiten haben als früher, „ein nennenswertes Vermögen aus eigener Anstrengung anzusparen“. Wie war das noch mit dem sinkenden Renten-Niveau und der tollen Lösung der Politiker, dass wir privat mehr auf die Seite legen?

Die junge Generation wird als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt. Wie ein Report der Stiftung Generationengerechtigkeit detailliert herausarbeitet, sind die Jungen die Verlierer der Arbeitsmarkt- und Sozialstaatsreformen der letzten beiden Jahrzehnte. Über die Hälfte der jungen Beschäftigten arbeitet zu Niedriglöhnen und unter prekären Bedingungen. Die Leiharbeit hat sich unter jungen Beschäftigten nahezu verdoppelt. Junge Menschen haben zudem geringeren rechtlichen Schutz vor Kündigungen und werden schneller entlassen, sind weit stärker von Armut bedroht als Ältere und haben vom Sozialstaat weniger zu erwarten. Nicht einmal der neue gesetzliche Mindestlohn gilt für sie, wenn sie unter 18 Jahre alt sind – ihre Arbeit ist weniger wert.

Die Gesellschaft enkeltauglicher machen

Höchste Zeit für Reformen also, um die Lohnlücke zwischen den Generationen zu schließen, die immer weiter auseinanderklafft. Aber wie? Just zur Veröffentlichung der DIW-Untersuchung hat die österreichische Politikberatungsfirma Kovar & Partner eine Expertenbefragung zum Thema „Generationen-Fairness“ vorgelegt. Darin enthalten ist ein ganzes Bündel an Ideen, wie wir unsere Gesellschaft enkeltauglicher machen können. Einer der Vorschläge besagt, „Arbeit und damit Einkommen zwischen den Generationen fair zu verteilen“.

Diese Forderung kommt etwas technisch daher, ist aber in Wahrheit höchst brisant. Denn die Umverteilung von den Alten zu den Jungen bedeutet nichts anderes, als die Aufgabe des traditionellen Senioritätsprinzips. Die Einstiegsgehälter sollten steigen, dafür wäre der Anstieg im Lauf des Lebens nicht mehr so stark. Zugleich könnte man ein Limit für die oberste Gehaltsklasse setzen – so etwas wie ein Höchstlohn analog zum Mindestlohn. Das würde die Generational Pay Gap etwas verkleinern.

Die Kommentierung dieses Artikels ist geschlossen.

Kommentare

Generational Pay Gap - Gender Pay Gap

Soll etwa in diesem Kommentar darauf verwiesen werden daß die Verteilung der Einkommen in den angelsächsischen Ländern höchst ungerecht ist? Das tut mir aber leid für diese Menschen.