Ein Rat des erfahrenen Staatsmannes Schmidt kulminierte in der Mahnung an die Bundesregierung, Deutschland dürfe sich weder in der NATO noch innerhalb der Europäischen Union isolieren. Das gebiete das deutsche Interesse. Weder die Funktionsfähigkeit des Bündnisses noch der EU dürfe aufs Spiel gesetzt werden.
Den im Positionspapier des Parteivorstandes genannten denkbaren Zeitpunkt des Beginns eines Abzuges für die Bundeswehr ab 2011 - mit einem Zeitkorridor bis 2015 - bezeichnete Helmut Schmidt als plausibel. Ein Beginn des Abzuges 2011 erscheine "zweckmäßig", nachdem der US-Präsident den gleichen Zeitpunkt für die US-Truppen genannt habe.
Schwerpunkt bei der Ausbildung
Der Altkanzler betonte sehr deutlich, dass es ihm schwer falle, Vorschläge für deutsches Verhalten zu machen. Er empfahl, den Schwerpunkt bei der Ausbildung afghanischer Polizei und Armee und beim zivilen Ausbau zu belassen. Illusionen seien unangebracht. Zudem forderte er eine "eindeutige und entschiedene Zurückhaltung gegenüber dem erwarteten Drängen auf zusätzliche deutsche Kampftruppen".
Helmut Schmidt, dessen Auftritt im Willy-Brandt-Haus großes öffentliches Interesse fand, wandte sich dagegen, dass seine "sehr realistischen Urteile und Empfehlungen als Pessimismus missverstanden und fehlinterpretiert werden können". Da aber dem Bundestag und "unserem Volke möglicherweise sehr schwierige Entscheidungen bevor stehen", könne jedweder Idealismus "in die Irre führen, egal ob er humanitär oder religiös oder ideologisch-politisch begründet wird".
Afghanistan im Zusammenhang sehen
In einer geostrategischen Bewertung kam Helmut Schmidt zu dem Schluss, das man den "Afghanischen Krieg" im Zusammenhang sehen müsse mit jenen vielen anderen Konflikten, an denen auf der Gegenseite des Westens islamische Staaten und Völker beteiligt seien wie in Kosovo, Bosnien, Irak, Iran, Westbank und Gaza, mittlerer Osten. Selbst wenn die westliche Intervention in Afghanistan Erfolg habe, so seine Schlussfolgerung, würden neue Jihadisten voraussichtlich an anderen Orten neue Führungszentren bilden.
Der Westen müssen lernen, zum Islam insgesamt seine grundsätzliche Animosität und Überheblichkeit abzulegen. Deshalb könne das Problem religiöser Toleranz, verschwistert mit dem anderen Problem der Überwindung ökonomischer und sozialer Rückständigkeit, zu einer kardinalen Aufgabe des Westens im 21. Jahrhundert werden.







