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Mode verbindet

Christiane Leonhardt • 22. October 2009

Bilder: Christian Janssen
Bilder: Christian Janssen

Die Modenschau "Infashion" - ihr Motto "4 Designer | 3 Länder | 2 Kontinente | 1 Show" - ließ sich inspirieren durch die Schlüsselwörter "Mobilität" und "Energie". Ein Kaffeehaus als Sinnbild für den kulturellen und ökonomischen Austausch verdrängte den Laufsteg zugunsten mehrerer Bistrotische und -stühle mit wechselnden Akteuren.

Hierzu äußerten die Veranstalter: "Die Kollektionsdarbietungen werden flankiert von vier Szenarien, die sich auf künstlerisch-verstörende Weise mit der Mode als sozio-kulturelles Phänomen durch die Linse der Missstände in der Branche beschäftigt. Brisante Themen wie der radikale Körperkult, der auf medialer Ebene gerne in einer stark homogenisierten Ästhetik endet und auf der anderen Seite zu Magermodels und Diätenwahn führt, die Gier nach Luxus und Status sowie das sich abwechselnde Auflösen und Festigen von Geschlechterrollen, werden in den Szenarien behandelt."

Für den japanischen Modeschöpfer Ryota Shiga sangen fünf Mädchen abwechselnd die erste Zeile des Liedes "Strangers in the Night", während sie von "Kleinwüchsigen entlarvt"( d.h. aus Burka ähnlichen Stoffteilen ausgewickelt ) wurden. Die koreanische Modeschöpferin Nami Miyung ließ einen Pantomimen, andere Straßenkünstler und Mannequins eine "redundante Diskussion über den Anspruch ihrer Kunstfertigkeiten" führen. Für die deutsche Modeschöpferin Fay Alice beschäftigte sich ein in die Jahre gekommener Kellner mit der Neuinterpretation der Geschlechterrollen. Die Modelle der deutschen Modeschöpferin Tarané Hoock ließen den "Hunger vom Haken" und kämpften gegen den "unschönen Wahnsinn".

Auch der Modewettbewerb "createurope: The Fashion Design Award" ist völkerverbindend. Dieser im Jahre 2008 auf Initiative des Goethe-Instituts e. V. als Projekt des aus den europäischen Kulturinstituten in Berlin bestehenden Arbeitskreises "EUNIC Berlin" ins Leben gerufene Wettbewerb richtet sich an Nachwuchstalente sowie Ausbildungsstätten und bezweckt, die Modeszene europaweit zu fördern und zu vernetzen.

Diesmal bewarben sich mehr als tausend Modeschöpfer aus 59 europäischen Ländern und reichten ihre Kollektionsmappen ein. Daneben wurden erstmals auch Teilnehmer aus dem Nahen Osten und Nordafrika eingeladen, sich zu beteiligen. Die Fachjury, zu der die Modeschöpfer An Vandevorst und Filip Arickx sowie der Direktor des Hauses der Kunst in München Chris Dercon, die Direktorin des Village des Créateurs Lyon Isabelle Gleize, die Direktorin des Institut Français de la Mode Paris Francine Pairon wie auch der Modeschöpfer Philip Stephens gehörten, wählte im Sommer anhand der eingereichten Unterlagen die Finalisten für die abschließende Modenschau in Berlin aus. Der Wettbewerb stand wieder unter der Schirmherrschaft des Modeschöpfers und "Joop!"-Kreativdirektors Dirk Schönberger, der zugleich den Juryvorsitz innehatte.

Am 23. Oktober 2009 waren die ausgewählten Kollektionsstücke auf einer Modenschau in den sogenannten Uferhallen in Berlin zu sehen. Der Preis in der Kategorie "Best Upcoming Designer" wurde an die Absolventin der Hochschule für Technik und Wirtschaft Antonia Funmi Bello für ihre erfindungsreiche und vielseitige, aber gleichwohl tragbare Kollektion vergeben. Den Preis in der Kategorie "Best Avantgarde Designer" erhielt die Absolventin der Moskauer Staatsuniversität für Design und Technologie Lisa Shanho. Damit wurde nichtwollendwollend auch die russische, vorsowjetische Avantgardekunst der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet. Lisa Shahno hatte das Zusammenspiel von Diagonalen, Dreiecken, Vierecken und Trapezen weiterentwickelt , das die damaligen Bühnenbilder, Kostüme und Stoffe prägte. In der Kategorie "Best Student" überzeugte die Studentin der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg Christine Krüger die Jury. Es war ihr gelungen, das Modell von den Haaren bis zur Fußsohle in verrückter Weise zu stylen. In der Kategorie "Audience" konnte der Marokkaner Amine Bendriouich, ein Schüler der Modeschule "ESMOD Tunis", das Publikum bei einer "Internet"-Abstimmung für sich gewinnen. Seine Anzüge und Kostüme waren vor allem für die Jugend gedacht.

Neben Amine Bendriouich sprach die Jury auch eine Empfehlung für die Absolventin der Fachhochschule Bielefeld Katrin Switala aus. Ihre Stücke versteiften den Körper der Trägerin durch gerollte, aneinander genähte Bindfäden, die kunstvoll zu Kleidern gesteckt waren; glänzender Thermostoff und durchsichtiges Wachstuch waren damit kombiniert. Hervorzuheben ist noch die Kollektion der aus Japan stammenden Absolventin der Londoner Modeschule "St. Martins" Tamaki Fujie. Die Farbvielfalt ihrer Kleider und Schuhe holten die grellen, harten, knalligen Farben mittelalterlicher Kirchenfenster auf den Laufsteg. Es waren auch die Farben der Schüler des Bauhauses und der Brücke - man denke an Ida Kerkovius und Adolf Hoelzel -, die sich hier widerspiegelten: kräftiges ungemischtes Plakatblau, hart abgesetzt gegen dichtes Weiß sowie gemischtes Rot und Grün.

Eine Verbindung anderer Art stellt das Projekt "Cube" dar, zu dem sich mehrere Berliner Modeschöpfer zusammengefunden hatten, um ihr kreatives Potential einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Nach einer Präsentation in der letzten Berliner Modewoche zeigten sie am 8. November 2009 die neuen Kollektionen der Marken "HYPNOSIS berlin", "Cultivate", "Aspique", "Lian", "Widda", "Velibor", "NL Natascha Loch" und "B. Weiss" auf einer Modenschau in einem Berliner Einkaufszentrum, bei der die Modelle in einer langen Schlangenlinie, vom Projektladen ausgehend, zur Begeisterung der sonntäglichen Besucher durch die Arkaden liefen.

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