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Noch 48 Stunden auf der Klima-Uhr

Hanne May • 16. December 2009

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In Kopenhagen läuft der Countdown. Seit Sonntag trudeln in der dänischen Hafenstadt die Minister aus 193 Staaten ein, um nach jahrelangen Vorverhandlungen und einer Woche Vorarbeit ihrer Delegationen endlich ein neues Weltklimaabkommen auf den Weg zu bringen - oder auch nicht. Denn der Ausgang der Mammutveranstaltung ist zum Start der heißen Schlussphase offen.

Pressekonferenz-Marathon im proppevollen Bella Center

"Wir müssen das hier zu Ende bringen oder es wird ein endloser Prozess", mahnt Connie Hedegaard. Die Präsidentin der COP 15 und angehende Klima-Kommissarin der Europäischen Union stemmt sich mit Macht gegen die verfahrene Lage. Seit Tagen kommen die Verhandlungen nicht recht vom Fleck. Wenn der tägliche Pressekonferenz-Marathon im proppevollen Bella Center ungefähr die Stimmungslage abbildet, sieht die derzeit so aus: Die EU schickt ihre Spitzenpolitiker vor die Presse und sieht sich weiter in Vorleistung mit ihrem Klimagesetz: Bis 2020 sollen die Emissionen um 20 Prozent sinken. 30 Prozent wären drin, wenn in Kopenhagen weitere Länder mitziehen. Europas Forderung: "Wir erwarten verbindliche Reduktionsziele von den USA und ein klares Bekenntnis zu Aktivitäten von China", sagt Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren.

Was bietet Washington an? Die High-Level-Vertreter tummeln sich lieber auf diversen Nebenveranstaltungen und überlassen das offizielle Briefing dem Delegationsleiter. Außer spröden Zahlenvergleichen hat Todd Stern nichts Neues zu bieten. Um 17 Prozent im Vergleich zu 2005 wolle man die CO2-Emissionen bis 2020 senken, so steht es im Entwurf des noch nicht verabschiedeten US-Klimagesetzes. Rechne man Europas Reduktionsziel auf dasselbe Vergleichsjahr um, kämen nur 13 Prozent raus. Todd findet vier weitere Vergleiche, wo die USA besser abschneiden. Also alles super? Nein. Wissenschaftler machen in Kopenhagen klar: Die Industrieländer müssten bis 2020 schon 40 Prozent weniger Schadstoffe auspusten, um das allgemein akzeptierte Ziel zu schaffen - eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius.

40 Prozent weniger Schadstoffe als Minimum

Und wie reagiert China, der größte CO2-Produzent weltweit? Pekings stellvertretender Delegationsleiter Yu Qingtai poltert erst mal Richtung Brüssel. Was da einige Europäer von seinem Land verlangten, sei "nicht fair" und entbehre jeder Grundlage. "Die ignorieren völlig unsere Ziele", schimpft er. Manche Kyoto-Unterzeichner sollten sich lieber selbst an die Nase fassen. Sie hätten ihre Reduktionsverpflichtung verfehlt und dafür nicht einmal eine "Entschuldigung" parat. "Die haben uns wörtlich gesagt: 'Ja, wir haben unser Ziel verfehlt und das solltet ihr einfach als Tatsache akzeptieren.'"

Für solche Scharmützel ist eigentlich keine Zeit mehr. Das wissen Lundgren, Todd wie Qingtai. "In den nächsten 48 Stunden müssen wir ein Abkommen unter Dach und Fach haben", sagt Schwedens Umweltminister. Der Promi-Auflauf hat mit der Konferenzeröffnung durch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon heute offiziell begonnen. Am Freitag stehen mehr als 150 Regierungschefs auf der Matte und dann müssen die Resolutionsentwürfe stehen. Noch steht in den Papieren ganz viel in Klammern. Die sollen jetzt in vielen offiziellen wie inoffiziellen Gesprächen gefüllt werden. Bis vier Uhr früh ging der Verhandlungsmarathon in der vorigen Nacht, und heute dürfte es wieder sehr spät werden. Das Bella Center ist rund um die Uhr geöffnet.

Hanne May ist Chefredakteurin des Magazins " neue energie" und berichtet derzeit aus Kopenhagen.

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