"Wenn die Reintegration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt künftig nicht deutlich besser gelingt, hat das weit reichende Folgen: Die Altersarmut in Deutschland wird rapide wachsen.
Und die skandalöse Armut der Kinder von Langzeitarbeitslosen wird auch der nächsten Generation Zukunftschancen verbauen", unterstrich der AWO-Bundesvorsitzende Rainer Brückers am Donnerstag in
Berlin bei der Vorstellung des neuen AWO Sozialberichts.
Brückers warnte vor alarmierenden Zusammenhängen: Lohnarmut führe zu Kinderarmut und münde in Altersarmut, erklärte er und kritisierte sowohl die völlig unzureichenden Hartz IV Regelsätze
für Kinder als auch Mini-Löhne. Es sei im Interesse der ganzen Gesellschaft Mindestlöhne durchsetzen, sagte er: "Löhne müssen grundsätzlich armutsfest sein, sonst zahlen alle drauf."
"Löhne müssen armutsfest sein"
Kritik äußerte der AWO-Vosrsitzende auch am Bildungssystem, das soziale Ausgrenzung produziere "und damit hohe sozialpolitische Folgekosten". Mehr als 70 000 Jugendliche würden jährlich die
Schule ohne Abschluss verlassen und seien damit praktisch chancenlos auf dem Arbeitsmarkt, fügte er hinzu.
Brücker forderte zudem die Erhaltung der Jobcenter/ARGEn. Es nützte wenig und koste viel, erklärte er, Arbeitslose von Schalter zu Schalter zu schicken: "Arbeitslose brauchen Hilfe aus
einer Hand."
AWO Präsidiumsmitglied Harald Groth wies auf die "enormen Aufgaben unserer alternden Gesellschaft" hin: "Die Finanzierung ambulanter Dienste muss deutlich verbessert werden", forderte er.
Der Sozialbericht zeige jedoch, dass die geltenden Finanzierungsstrukturen dem im Wege stehen. Umso wichtiger sei dies vor dem Hintergrund der stark zunehmenden Zahl der Demenzerkrankten, betonte
er. Groth warnte vor einem Kollaps in der Pflege. Der akute Mangel an Fachkräften werde sich bald noch verschärfen, sagte er. Deshalb müsse der Beruf insbesondere für junge Menschen attraktiver
gemacht werden. Auch deshalb setze sich die AWO für den Mindestlohn in der Pflege ein.
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