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Studienkonten gleich Studiengebühren

Julian Zado • 11. December 2009

Studienkonten oder Geld in der Tasche. Foto: pixelio/tommyS
Studienkonten oder Geld in der Tasche. Foto: pixelio/tommyS

vorwärts.de: Seit Beginn der Legislaturperiode in Berlin sperren Sie sich gegen die Einführung jeder Form von Studiengebühren. Warum?

Lars Oberg: Ich möchte das alle junge Menschen in Berlin studieren können und das unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Studiengebühren würden das unmöglich machen und vor allem den sozial Schwächeren den Zugang zur Hochschule verbauen. Von allen Formen der Studiengebühren geht ein abschreckendes Signal aus. Gerade diejenigen, die nicht aus wohlhabenden Elternhäusern kommen und für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen müssen, entscheiden sich wegen der Studiengebühren gegen ein Studium

Es ist eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn die ohnehin nicht so begüterten sich auf Grund von Studiengebühren für ein Studium verschulden müssen. Leicht kommen Belastungen inklusive Zinsen in fünfstelliger Höhe zusammen. Die Studierenden deren Eltern die Studiengebühren aufbringen können, müssen nicht mit einer solch drückenden Verschuldungslast in das Berufsleben starten.

Studiengebühren sind also sozial ungerecht und ein wissenschaftspolitisches Desaster. Darum kämpfe ich gegen sie, in jeder Form.

Der Wissenschaftssenator von Berlin, Jürgen Zöllner, befürwortet bekanntermaßen ein System der Studienkonten, um dadurch Studiengebühren zu verhindern. Warum sperren Sie sich auch hiergegen?

Studienkonten sind nichts anderes als verdeckte Studiengebühren. Wenn so ein Konto leer ist, dann müssen die Studierenden es mit eigenem Geld wieder auffüllen. Bei jeden Haushaltsverhandlungen würde neu darüber gestritten, wie viel Studium man den Studierenden kostenlos auf das Konto buchen soll. Was da in Zeiten leerer Kassen rauskommt kann man sich an zwei Fingern abzählen.

Studienkonten sind darüber hinaus Ausdruck eines Bildungsbegriffes, den ich nicht teilen kann. Bildung ist ein öffentliches Gut und keine Ware. Ein Studienkonto degradiert die Hochschulbildung zu einer Ware und Studierende zu Kunden. Eine derartige Ökonomisierung der Bildung ist mit mir nicht zu machen.

Wie stehen Sie mit dieser Sichtweise innerhalb der Berliner SPD und Ihrer Fraktion da?

Die Berliner SPD steht seit Jahren geschlossen gegen Studiengebühren. Auch Studienkonten sind mittlerweile kein Thema mehr. Stattdessen hat die SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus jetzt Schritte eingeleitet um alle Bildungsgebühren in Berlin zu beseitigen. Wir werden bis 2011 die Kita-Gebühren abschaffen. Bereits heute ist das letzte Kita-Jahr vor der Schule gebührenfrei. Damit untermauern wir den sozialdemokratischen Anspruch, dass Bildung gebührenfrei sein muss und zwar von der Kita über die Schule bis zur Hochschule.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Julian Zado, Herausgeber des Buchs " Hochschulen im Wettbewerb", erschienen im Dietz-Verlag und stellv. Landesvorsitzender der Jusos Berlin.

Lars Oberg (29) ist seit 2006 Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. Mehr Informationen unter www.lars-oberg.de

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